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Trump redet von einem nicht-existenten AIDS-Impfstoff

Ralf Nowotny, 17. Juni 2020
Trump redet von einem nicht-existenten AIDS-Impfstoff
Trump redet von einem nicht-existenten AIDS-Impfstoff

Da staunten wohl viele Wissenschaftler nicht schlecht, als der US-Präsident fast nebenbei erwähnte, es gäbe eine Impfung gegen AIDS.

Der kleine Ausschnitt aus der Rede vom 16. Juni im Rosengarten verbreitete sich wie ein Lauffeuer in sozialen Medien: Trump sprach über die Entwicklung eines Impfstoffes gegen COVID-19 und setzte hinzu, dass dieser Impfstoff von den klugen Leuten entwickelt werde, die bereits auch einen Impfstoff gegen AIDS entwickelt haben.

Hier beispielsweise sieht man den Ausschnitt:

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Trump sagt:

“These are the people – the best, the smartest, the most brilliant anywhere, and they’ve come up with the AIDS vaccine. They’ve come up with … various things.”

auf Deutsch:

„Das sind die Menschen – die Besten, die Klügsten, die Brillantesten überhaupt, und sie haben den AIDS-Impfstoff entwickelt. Sie haben … verschiedene Dinge entwickelt.“

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Nein, es gibt noch keine Impfung gegen AIDS!

Doch glücklicherweise ist die Erkrankung nicht mehr so tödlich wie früher: Mittels diverser Medikamente ist AIDS mittlerweile „nur noch“ eine beherrschbare, chronische Erkrankung, zudem kann die Einnahme bestimmter Medikamente sogar vorbeugend wirken.

Einen Impfstoff, der eine HIV-Infektion verhindern oder als Behandlungsmethode dienen könnte, gibt es jedoch noch nicht, so das U.S. Health & Human Services Department.

Trump schien seinen Fehler selbst bemerkt zu haben, korrigierte sich jedoch nicht, sondern versuchte, elegant die Kurve zu kriegen, indem er im nächsten Satz davon sprach, dass AIDS früher ein Todesurteil war, nun die Erkrankten aber einfach eine Pille nehmen und ein langes Leben führen.

„Eine Pille“ ist zwar auch stark untertrieben, was die medikamentöse Behandlung von Erkrankten angeht, jedoch nicht dasselbe wie eine Impfung; den Satz kann man also mal mit gutem Willen als Korrektur der vorherigen Aussage durchgehen lassen.

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Fazit

Gerade in den QAnon-Kreisen wird nun gejubelt, dass Trump da vielleicht ein Geheimnis ausgeplaudert hätte, doch im Gegensatz zu sonstigen Behauptungen seinerseits, die nachweislich falsch waren, versuchte er sich sogar noch, irgendwie zu korrigieren.

In der gleichen Rede behauptete er beispielsweise, dass Obama und Vizepräsident Biden in ihrer achtjährigen Amtszeit kein einziges Mal versucht hätten, gegen Polizeibrutalität und Amtsmissbrauch vorzugehen. Dies ist jedoch nachweislich falsch: Unter Obama gab es 25 weitreichende Bürgerrechtsuntersuchungen gegen lokale Strafverfolgungsbehörden im ganzen Land.

Zudem untersagte Obama den Polizeibehörden die Nutzung diverser militärischer Ausrüstung, was jedoch 2016 von Trump wieder aufgehoben wurde.

Weitere Quellen: AP Fact Check, Frankfurter Rundschau

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