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Schauen wir zu sehr auf Virologen und Inzidenzzahlen? [Titelthema Lockdown]

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Schauen wir zu sehr auf Virologen und Inzidenzzahlen? [Titelthema Lockdown]

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Mit Blick auf die Aussagen der PsychologInnen stellt sich nun die Frage, ob in den letzten Monaten das Problem psychischer Erkrankungen im Lockdown nicht vielleicht unterschätzt wurde?

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Ganz sicher dürften wir uns einig sein, dass die Bekämpfung der Pandemie auf Zahlen und Fakten beruht. Doch wir wissen mittlerweile, dass wir mehr sind als nur auf Zahlen reagierende Objekte. Wir sind Menschen, auch im Lockdown. Mit all unseren Gefühlen, mit all unseren Facetten. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse und vor allem das Bedürfnis nach Nähe, Austausch und Freiheit. Diese Faktoren benötigen wir auch, denn ohne sie, können psychische Erkrankungen entstehen.

Vorangegangenes Kapitel: Kernteil: Kritische Betrachtung

Genau diese Faktoren fehlen auch in den Berechnungen der Pläne zur Bekämpfung des Coronavirus. Oder sie werden einfach nicht gut genug kommuniziert (aus welchen Gründen auch immer). Vielerorts dürfte es daher auch an Ehrlichkeit fehlen. Gerade dann, wenn Lockerungen entstehen, UM Menschen ein wenig Freiheit zu gewährleisten. Ja, warum nicht die deutliche Aussage „Die folgende Lockerung ist zeitlich begrenzt, jedoch ist sie für unsere psychische Gesundheit zwingend notwendig”.

Eine klare Kommunikation hilft entsprechend dem Verständnis einer Situation und der vorangegangenen Entscheidung. Sowie auch das Eingeständnis von Fehlern. Da bricht sich niemand einen Zacken aus der Krone. Doch um es zu wiederholen: Der stetige Aufbau von Angst ist nicht das Mittel zur Motivation. Ebenso wie die Errichtung von Feindbildern (Virus wegen Urlaub / Ausland).

Daher am Ende ein kleines Fazit: Ja, es wäre durchaus sinnvoll, in Pressekonferenzen, aber auch in Maßnahmen und Plänen auf die Stimmen von Psychologen zu hören. Natürlich sind Psychologen keine Virologen oder Infektiologen, aber umgekehrt sind Virologen und Infektiologen auch keine Psychologen.

Wo stehen wir nun?

Ich habe eingangs geschrieben, dass ich lügen würde, wenn mir ein Lockdown gefällt. Zugegeben, ich befinde mich in einer durchaus privilegierten Position. Ich habe noch meinen Job, ich muss mir keine Sorgen um die Zukunft von Kindern machen, ich bin im Grunde gesund.

Dennoch fehlt mir was. Mir fehlen die Kontakte. Feiern. Gemeinsam sitzen und reden. Meine Melange im Café, meine Abschlussrunde nach dem Lauftreff. Meine Familie, da ich in einem anderen Land wohne.

Ich vermisse so viele Dinge und leide darunter natürlich auch. Und ich freue mich auf den Tag, so er komme, wenn „das alles“ vorbei ist. Ich gehe da mit der Idee des Wissenschaftsjournalisten Florian Aigner konform, der auf Twitter die Idee eines Corona-Feiertages veröffentlichte:

Ich finde, wir brauchen nach der Pandemie einen Corona-Feiertag – an dem wir gemeinsam feiern, dass wir gemeinsam feiern können, und an dem wir uns daran erinnern, dass Gesundheit nicht nur Privatsache ist, sondern alle aufeinander achten müssen. Was wäre ein passendes Datum?

Ich kann jedoch nur hoffen, dass die Kollateraleffekte der Lockdowns nicht allzu schwerwiegend ausfallen oder zumindest auch behoben werden können.

Autoren:
Ralf Nowotny, Andre Wolf

Im Gespräch mit
Mag.a Marion Kronberger, 1.Vizepräsidentin des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen
Psychologe Dr. phil. Dipl. Sebastian Bartoschek

Vorangegangenes Kapitel: Kernteil: Kritische Betrachtung

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Literaturverzeichnis:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/wirksamkeit-der-covid-19-massnahmen-zeitpunkt-der-umsetzung-entscheidend/
https://www.washingtonpost.com/graphics/2020/health/corona-simulator-german/
https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD013574.pub2/full/de
https://science.sciencemag.org/content/371/6531/eabd9338
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2021-02/corona-impfung-israel-skeptiker-privilegien-lockerung-fake-news
https://www.telefonseelsorge.at/institution/8172/ueberuns/article/66116.html
https://www.boep.or.at/psychologische-behandlung/helpline
https://www.telefonseelsorge.de/telefon/
https://www.nummergegenkummer.de/

Symbolbild „Der Lockdown macht mich krank“ , Artikelbild Shutterstock / von Olga Fetisenkova

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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