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TikTok verbreitet massenweise Fake News zum Ukraine-Krieg

Auf der Video-Sharing-Plattform TikTok werden Nutzer in kürzester Zeit auch im kuratierten For-You-Bereich mit Fake News rund um den Ukraine-Krieg konfrontiert.

Susanne Breuer, 22. März 2022
TikTok: Nutzer werden mit Fake News Videos geflutet
TikTok: Nutzer werden mit Fake News Videos geflutet

Dabei werden von TikTok auch in großer Zahl Videos ausgespielt, die bereits eindeutig als Kreml-Propaganda mit unwahren Informationen oder manipulierten Videoaufnahmen identifiziert wurden. Diese Videos stehen unkommentiert neben zutreffenden Inhalten.

Nutzer werden mit Fake News Videos geflutet

Dies haben die Faktenchecker von NewsGuard in einer Studie festgestellt (HIER). Dabei wurden ganz frische Konten eingerichtet und die Forscher scrollten durch den „For-You“ Feed, also den hochpersonalisierten Bereich von TikTok. Dabei sahen sie sich alle vom Algorithmus eingespielten Videos in voller Länge an. Innerhalb von 40 Minuten war der Feed voll mit Videos, die falsche und irreführende Informationen zum Ukraine-Krieg enthielten. Unabhängig davon, ob speziell nach der Ukraine gesucht worden war oder nicht. Wurde nach Begriffen im Zusammenhang mit dem Konflikt gesucht, waren bereits bei den ersten 20 Suchergebnissen mehrere Videos vertreten, die unter Fake News fallen, also Desinformation enthielten (HIER).

So wurde zum Beispiel die Behauptung ausgespielt, dass die Vereinigten Staaten Labore für Biowaffen in der Ukraine besäßen. Oder es hieß, das Präsident Putin Anfang März in das Video einer Pressekonferenz digital hineinmontiert worden sei und diese gar nicht selbst gehalten habe. Es wurden Ausschnitte aus Videospielen als reelle Kampfszenen präsentiert, während sich unter echtem Footagematerial des Krieges angeblich russische Nutzer beschwerten, dass das Gezeigte nicht der Realität entspräche.

Keine Kommentierung. Keine Kennzeichnung. Keine Moderation.

„Zu einer Zeit, in der es zuhauf Falschinformationen über den russisch-ukrainischen Konflikt gibt, hatte keines der von uns gefundenen Videos irgendeine Quellenangabe, einen Hinweis auf Korrektheit der präsentierten Daten oder sonstige Informationen“, erläuterte NewsGuard die Ergebnisse. (HIER).

Die Ergebnisse der NewsGuard-Studie belegen, dass TikTok keine effektive Strategie hat, falsche und irreführende Inhalte zu kennzeichnen und zu moderieren.

Fake News erreichen vor allem junge Nutzer

Zwei Faktoren verschärfen das Problem. Zum einen gehört es zu TikToks Kernkompetenzen, seine Nutzer lange auf der Plattform zu halten, wo sie ein Video nach dem anderen konsumieren. Zum anderen ist TikTok die Spielwiese für sehr junge Nutzer. Zwar ist die Plattform offiziell erst für Kinder ab 13. Statista zeigt jedoch, dass in den USA ein Viertel aller Nutzer zwischen 10 und 19 Jahren alt ist. Bloomberg meldet, dass fast ein Viertel der deutschen TikTok-Nutzer unter 18 Jahre alt ist, ebenso wie jeweils ein Drittel der italienischen und französischen Nutze (HIER).

Hier werden also junge Menschen adressiert, deren Medienkompetenz in Bezug auf die Wachsamkeit bezüglich kritischer Inhalte und die Fähigkeit, Ereignisse in den korrekten historischen Kontext einzuordnen, höchstwahrscheinlich noch nicht voll entwickelt ist. Eine kritische Reflexion des Gesehenen dürfte nicht in ausreichendem Maße stattfinden, Desinformation

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass TikTok zu einem absoluten Multiplikator für die Verbreitung von Desinformation geworden ist.

Reaktion von TikTok

Die erste Reaktion des chinesischen Konzerns zielt darauf ab, das Studiendesign von NewsGuard infrage zu stellen. Die Aussagen seien das Ergebnis einer Momentaufnahme und würden nicht das Dauernutzungsverhalten auf TikTok widerspiegeln.

Außerdem wird auf eine Anfang März veröffentlichte Stellungnahme verwiesen, die unter anderem das Thema Sicherheit auf TikTok anspricht. Titel der Stellungnahme: „Mehr Kontext zu Inhalten auf TikTok“ ((HIER)

„Wir reagieren auf den Krieg in der Ukraine mit mehr Sorgfalt und mehr Ressourcen, während wir gleichzeitig daran arbeiten, schädliche Informationen von unserer Plattform zu entfernen […]. Ebenfalls arbeiten wir mit unabhängigen Faktencheckern zusammen“ (HIER)

Offenkundig sind die Anstrengungen von TikTok noch nicht sonderlich weit gediehen, denn sonst wäre der Test con NewsGuard wohl anders ausgefallen. Einige der falschen Behauptungen und Darstellungen in den Videos, die der TikTok-Algorithmus dem Analysten-Team zuspielte, waren zuvor bereits von NewsGuards oder auch bei anderen internationalen Faktencheckern als Kreml-Propaganda oder unzweifelhafte Falschinformation identifiziert worden (HIER)

Die Rolle Chinas

TikTok ist ein chinesisches Netzwerk und es ist unklar, inwieweit staatlicher Einfluss auf die Inhalte TikToks genommen wird. China verhält sich in der Ukrainekrise indifferent und ergreift bislang nicht eindeutig Partei. Allerdings konnte NewsGuard belegen, dass chinesische Nachrichtennetzwerke eindeutige Fake News und Kreml-Propaganda weiterverbreitet haben. So wurde das vom Kreml verbreitete Narrativ der US-finanzierten Biowaffenlabore in der Ukraine von den Nachrichtenkanälen übernommen (HIER).

Fazit

Das chinesische Video-Portal TikTok trägt in erheblichem Maße zur Verbreitung von falschen und irreführenden Informationen bei. Dabei werden durch den Algorithmus irreführende und falsche Videos unkommentiert und unmoderiert neben zutreffende Videos auch im personalisierten For-You-Feed platziert. Eine Kennzeichnung unseriöser Quellen erfolgt nicht.

Trotz der Altersgrenze von 13 Jahren haben auch jüngere Kinder unkontrolliert Zugriff auf die Plattform. Generell erreichen die falschen und irreführenden Informationen auf dem Portal eine sehr junge Zielgruppe. TikTok hat zwar eine Initiative angekündigt, Inhalte stärker zu prüfen und zu kennzeichnen, allerdings scheint dies noch nicht zu greifen. Es ist unklar, inwieweit China Einfluss auf die TikTok-Inhalte nimmt.

Passend zum Thema: Junge Ukrainerinnen zeigen auf TikTok die aktuelle Lage


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