Russland: Tiersterben auf Kamtschatka

Kathrin Helmreich, 7. Oktober 2020
Russland: Tiersterben auf Kamtschatka
Russland: Tiersterben auf Kamtschatka

Schockierende Bilder zeigen die Küste der russischen Halbinsel Kamtschatka, bei der es zu einem massenhaften Tiersterben gekommen ist.

Surfer an der Küste der Halbinsel Kamtschatka, machten auf eine ökologische Katastrophe aufmerksam, nachdem sie selbst erkrankten. Warum es im Osten Russlands zu einem massenhaften Tiersterben gekommen war, ist noch nicht unklar.

Kamtschatka war bis vor einigen Jahren noch für die spektakuläre Natur berühmt. Vor allem für seine Vulkane, Kraken und Königskrabben. Die Halbinsel galt zwar ein halbes Jahrhundert lang als Militärsperrgebiet, doch wird heutzutage als neuer, rauer und exotischer Urlaubsort besucht. Nach achteinhalb Flugstunden von Moskau aus, zieht Kamtschatka auch Surfer an.

Teile der Awatscha-Bucht betroffen

Surfer waren es auch, die auf das Massensterben aufmerksam machten. In Teilen der Awatscha-Bucht im Südosten von Kamtschatka erstreckt sich der über 30 Kilometer von schwarzem vulkanischen Sand bedeckte Chalaktyrskij-Strand.

So schmerzen vor rund drei Wochen den Surfern nach Aufenthalten im Wasser die Augen, sogar die Sehkraft ließ nach. Darüber hinaus traten Halsschmerzen, Übelkeit und Fieber auf. Dann schwemmte das Wasser immer mehr tote Tiere an – Fische, Kraken, Seeigel, Krabben. Die Surfer beschrieben das Wasser als klebrig und bitter.

Zulässige Ölprodukte-Werte überschritten

Das Umweltministerium der Region veröffentlichte zunächst, der Strand sei in Ordnung. So sei „die Farbe des Wassers normal, der Geruch der Luft gewöhnlich, der Strand vollkommen in Ordnung.“

Kurz darauf gab das Ministerium die Verschmutzung mehrerer Teile der Bucht jedoch zu:

Nach vorläufigen Ergebnissen seien die zulässigen Ölprodukte-Werte um den Faktor 3,6 und die für Phenole um den Faktor 2,5 überschritten.

Die Ursache ist bislang unklar. Die Vermutungen sind vielfältig: Mal soll es ein Leck oder eine Einleitung durch ein vorbeifahrendes Schiff gewesen sein. Dann soll das Militärgelände Schuld tragen, da giftige Stoffe gelagert würden.

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Laut Behördenangaben haben neun Personen aufgrund chemischer Verätzungen medizinische Hilfe beantragt. Seit dem Wochenende laufen Strafermittlungen und Gouverneur Wladimir Solodow warnt vor Besuchen des Strand. Auch drohte er Beamten, die die Lage beschönigen oder verschleiern wollten, mit Entlassung.

„Insgesamt normalisiert sich die Lage dank der einzigartigen Fähigkeit des Ozeans zur Selbstregenerierung“,

schrieb Solodow auf Instagram laut der Frankfurter Allgemeinen und stellte drei mögliche Ursachen vor:

  • Zunächst eine Ursache „mit menschlicher Tätigkeit verbundene, technogene Verschmutzung“, die noch zu bestimmte giftige Stoffe freigesetzt habe.
  • Dann eine natürliche Ursache, die das „Verhalten“ von Algen, die während eines Sturms angeschwemmt worden seien, beschreibt.
  • Oder „mit vulkanischen Erscheinungen verbundene seismische Aktivität“.

Fachleuchte jedoch schließen eine natürliche Ursache aus.

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Weitere Quellen: ZDF


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