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Taliban spüren Kritiker mit biometrischen Daten auf

Claudia Spiess, 19. August 2021
Taliban spüren Kritiker mit biometrische Daten auf.
Artikelbild: Von metamorworks / Shutterstock.com

Human Rights First hält es für wahrscheinlich, dass die Taliban Zugang zu biometrischen Daten haben und diese nutzen, um Kritiker aufzuspüren.

Sollten die Taliban nun diese biometrischen Daten dafür verwenden, Personen ausfindig zu machen und zu verfolgen, hat die US-Menschenrechtsorganisation einen Leitfaden veröffentlicht, mit dem Verfolgte ihre digitalen Spuren verwischen können.

Digitale Spuren

Nach der Machtübernahme in Afghanistan durch die Taliban hält es Human Rights First für wahrscheinlich, dass die Taliban biometrische Datensätze dazu nutzen könnten, Kritiker damit aufzuspüren und zu verfolgen. Dies könnten beispielsweise Personen sein, die für die frühere Regierung oder als Menschenrechtsaktivisten tätig waren.

Diese digitalen Spuren können Fingerabdrücke, Irisscans oder auch Daten für die digitale Erkennung von Gesichtern sein. Afghanische Behörden hatten derartige Daten in den letzten Jahren für unterschiedliche Zwecke gesammelt und gespeichert, wie zum Beispiel für Personalausweise oder auch Registrierungen zu Wahlen.

Welton Chang, Technologie-Expertin bei Human Rights First, erklärt, dass es dadurch für „Menschen, die Repressalien fürchten, schwerer würde, sich zu verstecken oder die persönliche Identität sowie die von Angehörigen zu verschleiern“, wenn biometrische Daten nun von den Taliban eingesetzt werden.

Leitfaden von Human Rights First

Die Menschenrechtsorganisation hat einen Leitfaden entwickelt, der helfen soll, digitale Spuren zu beseitigen und ein Aufspüren über biometrische Daten damit zu erschweren. Er wurde bereits 2020 für politische Aktivisten in Hongkong erstellt und kann nun auch für Afghanen hilfreich sein. Daher wurde der Leitfaden auch bereits auf Farsi veröffentlicht.

Raman Jit Singh Chima von Access Now, einer Organisation, die sich für digitale Bürgerrechte einsetzt, weiß zu berichten, dass auch Telefongesellschaften Daten haben, die ihren Nutzern eventuell gefährlich werden könnten. Afghanistan habe bis dato zu wenig getan, um Datenmissbrauch zu vermeiden.

Dies ist den Afghanen durchaus bewusst, so versuchen viele von ihnen, ihre digitalen Spuren zu verwischen und löschen Chatverläufe, Fotos oder auch Songs, die ihnen zum Verhängnis werden könnten.

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Quelle: Standard, Human Rights First – Fact Sheet (PDF)


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