Der tätowierte Hund – Was wir dazu sagen können

Rüdiger | ZDDK | MIMIKAMA, 16. April 2018

Der kleine tätowierte Hund!

Zur Zeit erhalten wir eine Reihe von Anfragen zu einem Bild, in dem ein Mann einen Hund (Chihuahua) in die Kamera hält, welcher am Bauch tätowiert ist. Um dieses Bild geht es:

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Das Problem der Quellensuche

Wenn wir solche Anfragen erhalten, versuchen wir natürlich, so gut es geht, die Quelle des Bildes ausfindig zu machen, um gegebenenfalls Hintergründe beleuchten zu können. Manchmal gestaltet sich das jedoch überaus schwierig, weil das Bild beispielsweise schon Jahre alt ist und in unzähligen Varianten kopiert, geteilt, anders montiert und wieder neu hochgeladen wurde.

So auch dieses Bild: Die ältesten Versionen dieses Bilds stammen aus 2012. Der Aufschrift des Lieferwagens im Hintergrund nach, liegt es nahe, dass dieses Bild in Frankreich aufgenommen wurde. Ebenfalls können wir bestätigen, dass das Bild, bzw. das Tattoo echt ist, es handelt sich um keine Bildmanipulation.

Weitere Informationen oder Hintergründe ließen sich nach nunmehr 6 Jahren jedoch nicht mehr ermitteln.

Der Sachverhalt an sich

Es handelt sich also um ein echtes Tattoo auf dem Bauch eines lebenden Hundes. Dass so etwas aus ethischen Gründen verwerflich ist und es sich um Tierquälerei handelt, einem Hund so etwas anzutun, steht außer Frage.

Die Aufforderung, den Post zu teilen um den Halter zu ermitteln, dürfte jedoch sinnlos sein. Selbst wir haben nach wochenlanger, ausgiebiger Suche keine Spur gefunden. Dass das Foto aufgenommen und ins Netz gestellt wurde, ist immerhin schon mindestens 6 Jahre her.

Das Teilen hilft erst recht nicht dem Tier, wie keiner dieser Posts, die wir im Laufe der Zeit analysiert haben.

Es zeigt aber ein Phänomen, das wir immer wieder beobachten und welches wir hier einmal beschreiben möchten:

Generell gesagt – Die Masche mit dem Tierleid

Dieses Bild ist nur ein Beispiel für ein Phänomen, welches auf Facebook leider schon genauso „zuhause“ ist, wie Fake-Gewinnspiele, unsinnige Kettenbriefe und Datenkraken in Form von Apps, die anhand meines Namens herausfinden wollen, was mein Seelentier ist oder dergleichen.

Reichweite und Interaktion sind auf Facebook Trumpf. Postet man einen Beitrag, wird dieser sich ohne Hilfe nicht groß weiter verbreiten. Man muss also entweder Geld in die Hand nehmen und diesen bewerben, damit er bei der Zielgruppe im Newsfeed erscheint, oder…

…man nimmt einfach einen Post, der sich von selbst viral verbreitet, weil man weiß, dass auf die „Kraft der Empörung“ Verlass ist. Funktioniert immer. Ausnahmslos.

Ob es ein tätowierter Hund ist, eine Katze, die an den Ohren hochgehalten wird oder angeblich ausgesetzte Hunde. Egal. Sobald Tierleid im Spiel ist, kennen manche Facebooknutzer keine Grenzen. Es wird geteilt, seiner Empörung Luft gemacht, dabei teilweise übelste Beschimpfungen und sogar unverhohlene Morddrohungen in die Welt hinaus geblasen, sich ereifert. Und das in einem Stil, bei dem selbst wir, die wir nun wahrlich viel zu sehen bekommen, mit den Ohren schlackern.

Mission erfüllt! Das Bild geht auf einer Welle von Empörung und emotionsgeladenen Facebook-Kommentar-Orgasmen viral.

Und der Ersteller des Posts hat – wenn es sich um eine Unternehmens- oder Community-Seite handelt – viel Geld gespart, seine Seite hat mehr Likes, die Beiträge mehr Interaktion und weitere Posts werden nun von Facebook eventuell als wichtiger eingestuft.

Oder wenn es sich um ein privates Profil handelt, dann… ja, dann wissen wir auch nicht mehr, was in so einem Menschen vorgeht, was er damit bezwecken will. Fühlt er sich wichtiger? Wird er nun damit prahlen, dass sein Beitrag hunderttausende Male geteilt wurde? Was denkt sich so jemand dabei, wenn er ein Bild manchmal sogar nachweisbar aus dem Kontext reißt und mit einer erfundenen Geschichte auf die Reise schickt? Oder wenn er ein Bild teilt, das Jahre alt, die Geschichte schon längst vorbei oder so weit weg passiert ist, dass es unsinnig ist, es hier zu teilen.

Cui bono? – Wem nützt es?

Den Tieren, um die es in diesen Beiträgen geht, sicherlich nicht. Man wird auch mit einem beispielsweise in Deutschland geteilten Bild über eine 10 Jahre alte Geschichte aus Chile über eine Hundesmisshandlung (realer Fall!) keinen Täter finden. (In dem Beispiel aus Chile war dieser z.B. schon längst verhaftet.)

Es nutzt den Erstellern der Posts. Den Seitenbetreibern oder Privatpersonen. Sonst niemandem. Ein zweifelhafter Nutzen.

Ob es den Menschen hilft, die dies ungesehen und ungeprüft teilen, wissen wir nicht. Wir wissen nicht, was die Menschen davon haben, die mit Hasstiraden und Morddrohungen unter solchen Bildern kommentieren. Vielleicht einen Moment der Befriedigung? Das Gefühl, etwas getan zu haben? Nicht untätig gewesen zu sein?

Klicktivismus kann man dazu sagen. Dabei gäbe es doch genügend Möglichkeiten, sich wirklich und effektiv einzubringen. Projekte fördern, die sich um Straßenhunde kümmern. Spenden an Tierheime. Viele Tierärzte haben zum Beispiel eine Spendenbox für Futter & Co in der Praxis stehen oder man kann Tierpatenschaften übernehmen und, und, und…

Aber weil es viel einfacher ist, vom heimischen Rechner oder vom Smartphone aus einen Kommentar oder eine Reaktion zu solchen Posts zu hinterlassen, werden wohl leider auch in Zukunft die noch so guten Intentionen der Interakteure auf einer viralen Welle in den Weiten der sozialen Netzwerke verhallen, ohne irgendetwas zu bewirken.

Autor: Rüdiger, mimikama.at


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