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Gefälschte Mail informiert über Systemupdate!

Andre Wolf, 27. Dezember 2018
Ärgerlich: So täuschen Betrüger!
Ärgerlich: So täuschen Betrüger!

So lockt man Menschen in eine Falle: baut eine täuschend echt wirkende E-Mail, die auf eine ebenso echt wirkende Webseite leitet.

Auf dieser Webseite bittet man dann die getäuschten Menschen um ihre Daten. Fertig und aus, so funktionieren Phishingmails! Und genau so eine Mail ist derzeit wieder im Umlauf. Es handelt sich dabei um eine E-Mail, die sich als eine Kundenmitteilung von Amazon ausgibt. In dieser Kundenmitteilung wird behauptet, man müsse aufgrund eines Amazon Sicherheits- und Systemupdates die eigenen Daten bestätigen.

Ein paar Grammatikfehler fallen erst beim genauen Durchlesen auf, aber allein die korrekte Verwendung der Anrede lässt einen seriösen Anschein aufkommen. Die Absenderadresse sollte jedoch misstrauisch machen:

Gefälschte Mail
Gefälschte Mail

Mit dem reinen Öffnen dieser Mail ist noch nichts passiert!

Das Ziel dieser E-Mail und dem darin vorkommenden Scheinargument liegt darin, die Empfänger zu einem Klick auf „Jetzt starten“ zu bewegen. Klickt man auf den Link, kommt man auf folgende Seite:

Gefälschte Webseite
Gefälschte Webseite

Die Login-Maske von Amazon wurde recht gut nachgebildet.

  • Es handelt sich um eine HTTPS-Verbindung, also erscheint das grüne Schlüssel-Symbol
  • Die URL hingegen weist auf mangelnde Seriosität hin (.XYZ-Adresse; Amazon kommt nicht in der Adresse vor)
  • Die Links im unteren Bereich der Seite (AGB, Datenschutz etc) funktionieren nicht

Bitte spätestens jetzt aussteigen, wenn euch eure Daten lieb sind!

Nun, was passiert – theoretisch – wenn man weiter macht? Man gibt seine Mailadresse ein, klickt auf Weiter, dann wird nach dem Kennwort gefragt. Nach dem ersten Versuch meldet das System „falsches Kennwort“, sodass man es erneut eingibt.

Danach kommt eine Maske, die zur Verifikation aufgrund einer Änderung im Geldwäschegesetz hinweist (plötzlich eine ganz andere Begründung als im Mail).

Die nächste Maske wird dann nochmal happiger: Hier wird unverhohlen um Bank- und Kreditkartendaten gefragt.

Nach diesem Schritt habe ich die Spielerei abgebrochen, da hier sogar eine Prüfung auf Gültigkeit der IBAN erfolgt und ich mir nicht die Arbeit machen wollte, eine „echte“ zu errechnen.
Auf jeden Fall gibt man im gesamten Prozess nicht nur seine Amazon-Zugangsdaten preis, sondern alle persönlichen Stammdaten sowie Bankdaten.

Tappt man in eine solche Phishing-Falle, helfen folgende Maßnahmen:

Grundsätzlich kann eine Sicherheitssoftware präventiv helfen!

Bei aller Vorsicht kann man natürlich trotzdem zum Opfer einer Phishing-Attacke werden und seine persönlichen Daten ungewollt Dritten preisgeben.

Wichtig ist dann: Nicht in Panik geraten, aber unverzüglich handeln!

Damit Du im Ernstfall weißt, wie Du vorgehen kannst, folgt hier unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Nimm unverzüglich Kontakt mit dem Unternehmen auf, für das deine persönlichen Benutzer- oder Login-Daten geklaut wurden. Bitte telefonisch beim Kundendienst um Sperrung Deines Accounts. Speziell bei Banken ist für solche Fälle rund um die Uhr eine Sperr-Hotline erreichbar. Schildere Deinen Fall, und umgehend wird Dein Account bzw. Benutzerbereich mit den alten Login-Daten nicht mehr erreichbar sein.
  2. Melde Dich beim Benutzerkonto an und prüfe, ob Du Dich noch einloggen kannst. Wenn ja,  gehe unverzüglich zu dem Bereich, in dem Du Deine aktuellen Login-Daten ändern kannst. Lege ein neues Passwort fest und ändere, wenn möglich, auch den Benutzernamen und die hinterlegte Kontaktadresse.
  3. Kontrolliere sofort, ob bereits Kontoänderungen oder Transaktionen vorgenommen wurden, denn meist sind Kriminelle sehr schnell. Überprüfe, ob beispielsweise Waren gekauft oder Abbuchungen vorgenommen wurden, für die Du selbst nicht verantwortlich bist. Sollte das der Fall sein, informiere sofort den Kundenservice des jeweiligen Anbieters.
  4. Dokumentiere alle Auffälligkeiten. Fertige Screenshots an, drucke Kontoauszüge und die Phishing-Mail aus, bzw. leite die E-Mail an das Unternehmen weiter, in dessen Namen die Internetkriminellen die Phishing-Mail versendet haben.
  5. Kontaktiere einen auf Internetbetrug spezialisierten Rechtsanwalt, schildere ihm Deinen Fall, und reiche alle Dokumente ein, die mit dem Betrug in Zusammenhang stehen. Du solltest den Anwalt auch dann kontaktieren, wenn du bis dato noch keinen Schaden verzeichnen konntest.
  6. Eine 2 Faktor Authentifizierung (sofern angeboten) verhindert Zugriffe auch dann, wenn Betrüger durch Phishing an die Zugangsdaten gelangt sind.

Übrigens gibt es auch beim Phishing Hoffnung, dass gestohlene Beträge (beispielsweise beim Onlinebanking) von den Banken ersetzt werden. Grundlage dafür bildet das Bürgerliche Gesetzbuch. Nach § 675u BGB sind Zahlungsdienstleister verpflichtet, bei nicht autorisierten Zahlungsvorgängen die entwendeten Zahlungsbeträge zu ersetzen. Allerdings gilt dies nur, wenn der Betroffene seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist. Weitere Informationen zur Rechtsgrundlage im Schadensfall findest Du hier.

Text / Screenshots: Vielen Dank an unseren Leser Michael Stering.

Artikelbild: Von Lisa S / Shutterstock.com


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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