Ich hatte Corona: „Die Symptome kamen schnell und heftig“

Tom Wannenmacher, 28. November 2021
Die Symptome kamen dann schnell und heftig am späten Abend des 24.01.21. Gliederschmerzen, Unterbauschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schüttelfrost, Fieber und ich war unglaublich schlapp, Kratzen im Hals.
Die Symptome kamen dann schnell und heftig am späten Abend des 24.01.21. Gliederschmerzen, Unterbauschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schüttelfrost, Fieber und ich war unglaublich schlapp, Kratzen im Hals.

Menschen erzählen uns Ihre Geschichte. Menschen senden uns Ihre „My Corona-Story“ (sic!)


Ich möchte gerne anonym bleiben. Ich benutze den ein oder anderen medizinischen Fachbegriff, bitte bei Interesse dann gerne googeln und die Erläuterung selbst lesen.

Am 18.01.2021 gingen bei uns die ersten Impfungen los (Gesundheitswesen). Ich hatte auch einen Termin, aber beide Impfärzte haben sich wegen meiner Allergien und der damals noch unklaren Studienlage bei Allergikern die bereits Anaphylaxien ausgebildet haben nicht getraut mich zu impfen, auch nicht auf meinen ausdrücklichen Wunsch und das alleinige Tragen der Risiken. Ich wollte mir dann in der Woche darauf einen Termin im Impfzentrum ausmachen. Dazu kam es aber dann nicht mehr. Ich hatte am 24.01.21 einen positiven Schnelltest.

Wir hatten seinerzeit in der Einrichtung 3x in Woche getestet. Mein letzter negativer Test war am 23.01. und am 24.01. war ich gar nicht „dran“. Da ich aber eh kurz in der Einrichtung war, habe ich mich schnell auch noch einmal testen wollen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Symptome, aber einen positiven Schnelltest. Im Umkehrschluss bedeutet dies, die Virenlast am 24.01. war hoch genug, um angezeigt zu werden. Infiziert war ich somit schon vorher.

Das Gesundheitsamt geht von einer Infektion um den 18.01.21 aus. Ich habe mich dann sofort in Selbstisolation begeben. Das war eine krasse Nummer, mein kleiner Sohn hat es zwar alles verstanden, aber es war schon hart für ihn, denn ich bin ins Gästezimmer gezogen und habe meinen Kontakt zu ihm auf ein absolutes Minimum reduziert. Wenn wir Kontakt haben mussten (z.B. Essen kochen), dann trugen wir beide Masken, gegessen wurde in getrennten Räumen, ich habe alle gemeinsamen Kontaktflächen desinfiziert.

Die Symptome kamen dann schnell und heftig

Die Symptome kamen dann schnell und heftig am späten Abend des 24.01.21. Gliederschmerzen, Unterbauschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schüttelfrost, Fieber und ich war unglaublich schlapp, Kratzen im Hals.

Ich habe die Infektion ambulant daheim „ausgelegen“. Zeitweise mit einer Atemfrequenz von fast 30 und einem Blutdruck von 80/50. Das wäre grundsätzlich schon eine Indikation zur stationären Einweisung gewesen, habe mich aber versucht daheim „über Wasser“ zu halten, mit der Notlösung Krankenhaus im Hinterkopf.

In der akuten Phase, die reichte ca. von 24.01. bis ca. 30.01., habe ich fast nur geschlafen. Kaum gegessen, ich war viel zu schwach für alles, außerdem hat der am 26.01. eingetretene vollständige Geruchs-/Geschmacksverlust das Essen nicht wirklich zum Genuss gemacht.

Im CT der Lunge im Februar sah man noch immer eine deutliche Lungenentzündung mit den covidtypischen Veränderungen. Mein Blutbild war völlig durcheinander, u.a. waren die D-Dimere stark erhöht (simpel gesagt: hohe Thromboseneigung), die Leberwerte dreifach erhöht, Nierenwerte hingegen am unteren Limit.

Mir war sehr oft schwindelig, das Laufen war wie auf Watte.

Es dauerte, nach der akuten Phase, ca. weitere 14 Tage, bis ich wieder sicher auf den Beinen war. Täglich kamen und gingen diverse Symptome wie Kribbeln in den Füßen, heiße Stellen auf der Haut, so als ob ich z.B. die Hand dicht über eine heiße Herdplatte halte. Muskel- und Gelenkschmerzen, die einschießen, wie bei einer beginnenden Erkältung.

Ich konnte schlechter sehen als vor der Erkrankung und ich war furchtbar durcheinander, hatte Wortfindungsstörungen, mein Kurzzeitgedächtnis funktionierte nicht. Belastungen gingen auch nicht. Eine Gehstrecke von 20m oder auch einfach nur im Haus vom Erdgeschoß ins 1. OG (11 Stufen) waren wie Bergsteigen. Oben angekommen bekam ich kaum noch Luft, hatte einen Puls von weit über 140. Mein Ruhepuls lag permanent um 80. Vor der Erkrankung lag dieser um die 55-65, in der Nacht auch gerne mal unter 50 (Sportlerherz, alles physiologisch; ich war sehr sportlich, letztes Training war am 18.01.2021).

Die Lungenfunktionsprüfung ergab selbst im März 2021 noch die Kurve und Werte eines Kettenrauchers, der ca. 2 Schachteln am Tag raucht…seit 20 Jahren. Die Lunge ist seit Juli messbar wieder so weit ok. Nur noch eine leichte Hypoxie (zu wenig Sauerstoff im Blut) in Ruhe, unter Belastung aber noch immer Atemnot. Die allgemeine Symptomlast ist aber noch immer sehr hoch. Nicht nur die gefühlte, sondern auch die messbare. Ich schaffe es mittlerweile, je nach Verfassung, 30-45 Minuten am Stück langsam zu spazieren. Ich muss „pacen“ also gut auf den Körper und seine Signale achten und mich in den engen körperlichen und kognitiven Grenzen meines Körpers bewegen, damit ich nicht zu viel mache.

Eine Überanstrengung resultiert leider nach ca. 2-3 Tagen in extremer Erschöpfung mit „grippigem“ Gefühl. Teilweise überfordert mich auch kognitive Anstrengung. Es fällt mir z.B. sehr schwer Gedanken in Worte zu fassen, mir fallen oft Wörter nicht ein oder ich nicht weiß, wie ich sie schreiben muss. Geschriebene Texte muss ich auch mehrfach Korrekturlesen und es ist dann trotzdem noch eine Menge grammatikalischer oder rechtschreibtechnischer Mist im Text. Länger als 20-30 Minuten kann ich nicht konzentriert arbeiten, danach ist wirklich nur noch „Brei“ im Hirn, außerdem steigt eine bleierne Müdigkeit auf und ich muss mich tatsächlich hinlegen und schlafe dann auch ein.

Ich bin auch noch immer kurzatmig.

Das Belastungs-EKG im August musste meine Kardiologin bei 100 Watt nach zwei Minuten leider abbrechen, da ich massive Herzrhythmusstörungen bei einem Puls von 170 und einen Blutdruck von 292/170 mmHg unter Belastung aufwies. Dabei war ich Radsportlerin.

In absoluter Ruhe (=Liegen) ist der Puls mittlerweile wie vor der Erkrankung, aber jeder Lagewechsel oder Aufstehen und wenige Schritte gehen, katapultieren mich weit über 130. Ich habe taube Finger, einen tauben Fuß und trotz Schmerzmittel Schmerzen in fast allen Gelenken und Muskeln. Die Muskeln fühlen sich dazu jeden Tag so an, als hätte ich Muskelkater.

Ich habe durch Covid ME/CFS ausgebildet, das erschwert den Alltag zusätzlich. Meine Gleichgewichtsorgane im Ohr sind angegriffen, links mehr als rechts (bilaterale Vestibulopathie). Das sorgt für ordentlich Seegang. Ich leide weiter unter Einschränkungen im Geruchs- und Geschmackssinn (Hyposmie an der Grenze zur Anosmie und Verlust aller Geschmacksqualitäten); Prognose offen, aber eher ungünstig sagt mein HNO, weil es schon seit Januar anhält und noch ein paar andere Covid-Baustellen. Geimpft bin ich nun seit Juli.

Wenn auch du uns deine Corona-Story senden möchtest, dann kannst du diese gerne tun. Lass andere Menschen daran teilhaben. Sende uns bitte dazu eine E-Mail an coronastory@mimikama.at Schreibe uns auch bitte dazu, ob wir deinen Namen veröffentlichen sollen oder nicht.


Weitere Storys findet man hier vor: https://www.mimikama.at/category/mycoronastory/


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