„Stoppt Kindesmissbrauch!“: Faktencheck zu einem Sharepic

Andre Wolf, 11. Mai 2020
Stoppt Kindesmissbrauch!
Stoppt Kindesmissbrauch!

Ein Punkt, in dem man sich auf Social Media einig ist: Kindesmissbrauch muss gestoppt werden! Da gibt es keine Ausnahmen.

Dennoch gibt es bei dieser Aussage durchaus auch Probleme, vor allem dann, wenn sie von falschen Illustrationen begleitet wird. Stoppt Kindesmissbrauch? Ja. Aber stoppt auch bitte Fakes!

Denn genau das trifft bei einem Sharepic zu, welches ein kleines Kind zeigt. Das Kind wiederum hat ein blaues Auge. Dieses Foto ohne weitere Hintergrundinformationen lässt Interpretationsspielraum zu.

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Für das Sharepic, bzw. dessen Botschaft, ist das Ergebnis der Interpretation recht deutlich: Es muss sich um eine Form des Kindesmissbrauchs handelt. Das Kind wird wohl geschlagen worden sein.

Daher liest man auf dem Sharepic folgenden Satz: „STOPPT KINDESMISSBRAUCH ! TEILEN SIE DIESES BILD UND ZEIGEN SIE DASS sSIE GEGEN GEWALT SIND“ [sic!]

Sroppt Kindesmissbrauch
Sroppt Kindesmissbrauch

Faktencheck Kindesmissbrauch

Das Einzige, was an dieser Stelle missbraucht wurde, war das Foto des Kindes. Denn der blaue Fleck (so schlimm er auch aussieht), stammt nicht von einer Gewalteinwirkung durch dritte Personen.

Zunächst: Dieses Foto ist bereits mehrere Jahre alt und muss in allen möglichen Sprachen als Sinnbild für Kindesmissbrauch und Gewalt gegen Kinder herhalten.

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Wir haben bereits 2012 über dieses Sharepic berichtet, also quasi eines der frühen Debunkings von Mimikama (vergleiche).

Auf dem Foto sieht man den kleinen Connor. Connor dürfte mittlerweile 12, vielleicht 13 oder 14 Jahre alt sein. Dieses Foto von ihm und dem blauen Auge erschien 2010 in einem privaten Familienalbum auf dem Fotodienst Flickr.

Als Bildbeschreibung liest man „Connor decided to wrestle with a tall chair at Steve’s bar and the chair won. Ouch!“. Das dürfte bedeuten, dass der arme Kerl in irgendeiner Weise Probleme mit einem Barhocker hatte.

Kindesmissbrauch? Nein!
Kindesmissbrauch? Nein!

Kontraproduktiv!

Falschmeldungen oder falsche Illustrationen sind für eigentlich wichtige Hinweise immer ein wenig kontraproduktiv. Sie geben eine verfälschte Sicht auf ein Thema wieder und mindern die Glaubwürdigkeit.

Insofern sollte man sich fragen, ob man mit unpassenden Sharepics auf ein so wichtiges Thema wir Kindesmissbrauch aufmerksam machen möchte, ganz zu schweigen davon, welches Unrecht man den Eltern von Connor antut.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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