Gefahr Stockfotos und ein Selbsttest

Andre Wolf, 13. September 2019
Artikelbild von Olga Sheshukova / Pixabay
Artikelbild von Olga Sheshukova / Pixabay

„Stockfotos: Und plötzlich wirbt man für die AfD“. So lautet eine Reportage von ZAPP im Norddeutschen Rundfunk. Das Thema: Was sind Stockfotos und warum können sie überall auftauchen?

Bei Stockfotos handelt es sich im Grunde um Fotos, die als Beispielbilder eingesetzt werden. Zeitungen, Werbetreibende oder Webseitenbetreiber können diese Stockfotos kaufen, bzw. nutzen. Diese Fotos werden zumeist über sogenannte Stockfoto-Galerien angeboten. Dort kann man die Nutzungsrechte entweder kaufen oder auch gratis bekommen. Je nach Anbieter.

Was dann im Anschluss mit den Bildern geschieht, darauf haben die Urheber und erst recht die Fotomodelle kaum einen Einfluss. Hier setzt die Reportage von NDR ZAPP an: In dem Video wird gezeigt, wie Bilder auch politisch eingesetzt werden.

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Besonders interessant fanden wir in dem Video genau die Stelle, wo NDR Reporter Gunnar Krupp zustimmt, dass ein Foto mit ihm als Motiv als Stockfoto genutzt werden darf. Dieser spannende Selbsttest hat übrigens funktioniert! Aber zunächst hier das Video:

Ja, tatsächlich werden Stockfotos überall genutzt, auch bei Mimikama. Grundsätzlich sind Stockfotos nichts verwerfliches, solange man sie als solche benennt, bzw. sie als Beispielbild deklariert werden. Stockfotos dienen insofern als Stimmungsbilder, um bestimmte Inhalte zu visualisieren oder ihnen ein Gesicht zu geben.

Aber Stockfotos können auch missbräuchlich eingesetzt werden. Zum einen durch unerlaubte Veränderung (immer auf die Lizenzen achten!) oder durch irreführenden Einsatz. Und genau das lässt sich anhand Gunnar Krupps Versuch wunderbar zeigen.

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Stockfotos Selbstversuch

Krupp hat sich im Zuge der Reportage von der Fotografin Olga Sheshukova ablichten lassen und zugestimmt, dass dieses Foto auf Pixabay hochgeladen werden darf. Das Foto und die entsprechende Lizenzbestimmung findet man hier.

Wir haben uns auf die Suche gemacht, und nachgesehen wo dieses Foto überall gelandet ist und vor allem in welchem Kontext es auftaucht. Dazu verwendet man recht einfach die Bildersuche (wie eine Bildersuche funktioniert, beschreiben wir hier). Das spontane Ergebnis: Wir bekommen 187 Suchergebnisse!

Das ist für ein Stockfoto zunächst überschaubar, die 19 Seiten mit Suchergebnissen lassen sich noch angenehm durchscrollen. Wir finden dabei Krupps Lächeln recht häufig auf Zahnarztwebseiten bzw. bei Zahnlaboren (wie diesem), aber auch auf Webseiten über Streetfood. Logisch, der Kaffee macht´s.

Das ist jetzt nicht weiter tragisch, sondern entspricht sogar exakt den Tags (Etiketten), welche dem Foto in der Galerie verliehen wurden (Mann Kaffee Menschen Tee Person Trinken Becher). Das ist bei Stockfotos üblich, dass sie mit verschiedenen Tags versehen werden, damit man sie themenspezifisch findet.

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Tag „Menschen“

Speziell der Tag „Menschen“ lässt das Stockfoto in einem sehr großen Suchfeld auftauchen, was nicht weiter schlimm ist. Die Nutzung des Bildes ist daher recht mannigfaltig, so findet man Krupp beispielsweise als Titelbild zu einem Artikel über das Asperger-Syndrom (hier), als Titelbild zu einer Studie über Absolventen der Agrarwissenschaften (hier), aber auch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Südsachsen zur Bebilderung eines Artikels zum Thema „Gemeinsam Lebensperspektiven entwickeln“ (hier).

Daran erkennt man gut, wie groß das Spektrum ist, in dem Stockfotos eingesetzt werden können. Doch die Einsatzmöglichkeiten gehen teiweile darüber hinaus.

Schwierig: Bild und Text stimmen nicht überein!

Krupp findet man nicht immer themenbezogen, sondern manchmal auch an Stellen, wo sei Foto gnadenlos in einen falschen Kontext gesetzt wird. Hierbei fallen vor allem Bewertungen auf. Man findet Rezensionen vor, in dem Gunnar Krupp einfach ein anderer Name verpasst wurde und ihm eine Aussage unter das Bild geschoben wurde, die er so nie gemacht hat.

Wir haben dazu ein paar Beispiele gefunden:

„Stockfotos: Und plötzlich wirbt man für die AfD“

Der Selbstversuch hat gezeigt: So ein Stockfoto kann tatsächlich überall landen und zu verschiedenen Zwecken genutzt werden. Natürlich landet man nicht zwingend auf einem Wahlwerbeplakat, aber bei ein paar leicht geflunkerten Rezensionsangaben kann man schnell mal als Gesicht auftauchen.

Artikelbild von Olga Sheshukova / Pixabay


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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