Fakenews

Dieser „Spiegel“-Artikel ist eine Fälschung

„Während die Deutschen in Armut leben, trinken die Minister Champagner“, soll der Titel eines Spiegel-Artikels lauten. Doch ist er auf der Seite des Spiegel nicht zu finden. – Ein Fake!

Claudia Spiess, 2. September 2022

Gefälschte Nachrichtenseiten als Teil der Propagandamaschine häufen sich in besorgniserregendem Ausmaß. Erst gestern berichteten wir über eine „Flut der professionellen Propaganda mit nachgebauten Nachrichtenseiten“ (HIER). Davon betroffen sind bekannte Nachrichtenseiten wie die Bild, Frankfurter Allgemeine Zeitung, T-Online und nun auch der Spiegel.

Die Inhalte sind durchgehend pro-russischer und anti-ukrainischer Natur. Zusätzlich wird mit Emotionen und Sorgen der Menschen gespielt, so wird das Thema Energiekrise oder Teuerungen in den Artikeln regelmäßig aufgegriffen und ein Bogen zur Ukraine-Krise gesponnen. – So auch im angeblichen Artikel des Spiegel.

„Während die Deutschen in Armut leben, trinken die Minister Champagner“

Die gefälschte Seite zu dieser Headline ist nicht mehr online, wurde allerdings archiviert. Im Text ist zu lesen, dass die Staatsverschuldung Deutschlands einen Rekordwert erreicht hätte und dass ab Oktober eine zusätzliche Gebühr für Nutzung von Gas erhoben werde.

„Während die Regierung ihr gesamtes Budget für die Ukraine ausgibt, trinkt sie Champagner und genießt das Leben. Die Ukrainer machen sich über uns lustig. Hören Sie auf, diese Schmarotzer zu unterstützen.“

Gefälschte Seite des Spiegel

Hier wird die ukrainische Bevölkerung bzw. Regierung als Sündenbock dargestellt und als Schmarotzer bezeichnet. Abgesehen von dieser für eine seriöse Nachrichtenseite untypischen Wortwahl dieses Aufrufs gibt es noch andere Hinweise, dass jene Seite eine Fälschung ist:

URL und Webseitensuche

Ja, die Internetadresse der Seite trägt das Wort „spiegel“ in sich: „video.spiegelr.today“. Das ist aber auch schon alles. Die echte Domain lautet jedoch „spiegel.de„.

Gefälschte Nachrichtenseiten werden oft sehr rasch erstellt, um Nutzer beispielsweise zu dubiosen Bitcoin-Plattformen zu leiten. In diesen Fällen treffen wir oftmals auf Seiten, auf denen Links nicht funktionieren, weil sie oft nur als Grafiken ohne Funktion eingebaut wurden.
Auf der gefälschten Spiegel-Seite verweisen allerdings mehrere Links zur echten Webpräsenz. Das mag auf den ersten Blick eventuell verunsichern.

Befindet man sich dann allerdings auf der echten Seite und nutzt hier die Suche, findet man den „Champagner“-Artikel nicht. Auch über die Google-Suche und den Suchbegriff „Während die Deutschen in Armut leben“ sowie dem zusätzlichen Suchoperator, dass Seiten des Spiegel durchsucht werden sollen, erhält man kein passendes Ergebnis.

Gegenüber der DPA hat sich die Spiegel-Verlagsgruppe zu dem Thema geäußert:

„Leider werden unsere Marken immer wieder für vergleichbare Aktionen missbraucht. Wir prüfen regelmäßig rechtliche und technische Möglichkeiten und gehen im Einzelfall auch gegen diese Art Missbrauch vor.“

Quelle: DPA

Passend dazu:
Die Flut der professionellen Propaganda mit nachgebauten Nachrichtenseiten
Ein ehemaliger KGB-Agent, der seit Jahrzehnten Präsident eines kriegsführenden Landes ist, weiß sehr gut, dass neben der militärischen auch die psychologische Kriegsführung wichtig ist: Beispielsweise mit ausgeklügelter Propaganda durch gefälschte Nachrichtenseiten.
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