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Spendenbetrug im Namen des ukrainischen Präsidenten Selenskyj

Bei der „Zelensky-Stiftung“ handelt es sich um eine „Fake“-Seite. Dies bestätigt der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk.

Tom Wannenmacher, 13. September 2022

Seit Monaten Krieg in der Ukraine – das bereitet vielen Menschen große Sorgen. Nichtbetroffene versuchen zu helfen, wo sie können und das nicht zuletzt durch Spendengelder an bestimmte Organisationen und Stiftungen. Seit Beginn der russischen Invasion im Februar haben schon viele Menschen für die Ukraine gespendet. Bislang kamen durch Onlinespenden mehr als 180 Millionen Euro zusammen.

Allerdings gibt es dabei auch immer wieder Betrüger, die versuchen sich das Mitgefühl der Menschen zunutze zu machen und mit vermeintlichen Spendenaufrufen an Geld zu kommen.

So kann es sein, dass man auf der Suche nach Hilfsprojekten momentan auf die Website einer angeblichen „militärischen Stiftung des Präsidenten der Ukraine“ stößt. Diese beschreibt sich als ein „einzigartiges Finanzierungsprogramm für den Widerstand gegen die Horden russischer Barbaren“. Einzigartig in dem Sinne, dass man angeblich sogar selbst finanziell davon profitieren könne, wenn man Geld an die Stiftung spendet.

Screenshot der erwähnten Webseite. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, bestätigt gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa), dass es sich um eine Fake-Seite bei der sogenannten „Zelensky-Stiftung“ handelt, weshalb man sich deutlich von ihr distanziere.

Die Botschaft der Ukraine in Deutschland hat die Organisation genauer unter die Lupe genommen und legt nun wichtige Fakten dar:

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, bestätigt gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa), dass es sich um eine Fake-Seite bei der sogenannten „Zelensky-Stiftung“ handelt, weshalb man sich deutlich von ihr distanziere.

Bitte bleiben Sie wachsam und tappen Sie nicht in diese russische Falle, appelliert Melnyk an die Deutschen.

Er betitelt den Fall als eine neue Stufe des Zynismus des Kremls, Menschen in die Irre zu führen und ersucht die Polizeibehörden ebenso wie das Bundeskriminalamt, den „besonders boshaften Betrugsfall zügig zu ermitteln und die Täter zur Rechenschaft zu ziehen“.

Laut dem ukrainischen Geheimdienst hat die Stiftung den Ursprung bei der russischen Regierung.

Bereits am 11. August 2022 wurde seitens dieses Geheimdienstes schon vor einer Informationskampagne zur Diskreditierung des ukrainischen Präsidenten gewarnt und eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, es werde eine „gefälschte Plattform der sogenannten „Zelensky-Stiftung“ erstellt und veröffentlicht werden“. Diese richte sich an ausländische BürgerInnen und Institutionen mit einem Spendenaufruf für die ukrainische Bevölkerung.

Internetseite selbst unglaubwürdig

Bei genauerer Untersuchung findet man auch auf der Interseite einige Indizien, die dafürsprechen, dass es sich um einen Betrug handelt. Allein schon die Annahme, dass bei einer Spendeninvestition ein Gewinn in Aussicht gestellt wird, ist fraglich. Dennoch wirbt die Website neben Zertifikaten für eingegangene Spendengelder, auch für Gewinne, wenn sich Personen aus dem Umfeld ebenfalls dazu überzeugen lassen, der Stiftung zu vertrauen und Geld zu spenden. In einem Video wird diesbezüglich erklärt, dass man bei einer Spende von 20 € und drei weiteren überzeugten Personen, die das Gleiche spenden, 30 € zurückerhalte. Nach demselben System soll es so auch möglich sein, einen Beitrag über 100 € zu leisten und 200 € wiederzuerlangen.

Ferner findet man auf der ansonsten deutschsprachigen Internetseite die englische Schreibweise des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – geschrieben als Zelenskyy, wobei zusätzlich der letzte Buchstabe (das y) unterschlagen wurde.

Genauso ungewöhnlich ist die Tatsache, dass die vermeintliche Spendenorganisation offensiv nach persönlichen Daten der Unterstützer fragt. Dabei ist ohne Angabe von Vor- und Nachnahme, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und eines Telegram Accounts keine Anmeldung zum Spendenprogramm möglich. Auch wenn man den Satz „Wir werden Ihre E-Mail niemals an Dritte weitergeben“ auf der Website findet, bleibt unbeantwortet, was tatsächlich mit den Daten geschieht.

Laut dem Erstbericht von T-Online ist es allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich, etwas zur Fake-Stiftung beizusteuern. Stattdessen läuft auf der Internetseite ein Countdown, der einen Projektstart am 30. September 2022 ankündigen soll. Auch danach sollte man hier jedoch auf das Spenden verzichten!

Bereits seit Monaten stattliche Spendenplattform online!

Die Profile der Fake-Stiftung wurden auffälligerweise sowohl in sozialen Netzwerken als auch im Internet unter der Domain „zestiftung.com“ erst vor wenigen Tagen, nämlich ab dem 28. August registriert, obwohl eine staatliche Spendenplattform schon seit Anfang Mai 2022 online verfügbar ist.

Über die offizielle Website United24 kann gesondert für die Armee, humanitäre Zwecke oder den Wiederaufbau nach dem Krieg gespendet werden. Bezahlen kann man derzeit mit der Kreditkarte oder Banktransfers genauso wie mit Kryptogeld.

Quellen:
DPA
Webseite „Zelensky-Stiftung“
Warnung des ukrainischen Militärgeheimdienstes
Webseite des ukrainischen Präsidenten auf Englisch
Artikel zu diesem Thema bei „t-online.de

Lesen Sie auch:
Deepfake: Selenskyjs gefälschter Aufruf zur Kapitulation

Autor: Nick L.


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