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Spam-Mail lockt auf Krypto-Betrug

Ralf Nowotny, 23. August 2018

Eine eher dilletantische Spam-Mail verspricht eine großzügige, noch ausstehende Überweisung, lockt einen dann aber auf eine betrügerische Webseite, die das Konto mehr erleichtert als auffüllt.

So sieht jene Mail aus, die den nichtssagenden Titel „Überprüfung Ihrer Daten“ hat und von einer „Emmi Pauli“ kommt:

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

„Guten Tag Kundennr. 310529,
bitte schließen Sie Ihre kostenlose Anmeldung ab, damit Sie diese Überweisung erhalten.“

Darunter findet sich dann ein Überweisungsbetrag in Höhe von 1.274 Euro, die eigene E-Mail Adresse sowie einen Link, um den „Kontostand anzusehen“.

Wessen Kunde bin ich?

Das geht aus der Mail so gar nicht hervor. Irgendeine Bank oder Firma in Berlin, die eine „Emmi Pauli“ im „Fachbereich Finanzen“ sitzen hat. Und augenscheinlich hat man da eine Kundennummer, mit der man auch angeredet wird. Klar, Namen sind langweilig, Nummern klingen viel cooler!

Vom angeblichen Kontostand zum Krypto-Betrug

Klicken wir nun den in der Mail enthaltenden Link an, sehen wir nicht etwa einen Kontostand, sondern kommen auf eine ganz dubiose Seite:

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

„Handeln Sie mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen und verdienen Sie 5.489 € in den nächsten 24 Stunden“

…wird da vollmundig versprochen. Von der Einsicht in den Kontostand ist plötzlich keine Rede mehr. Dass diese Seite nicht ganz koscher ist, erkennt man bereits an den gefälschten Kundenrezessionen. Hier ein kleines Beispiel, links die Rezession, rechts das Originalfoto:

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Was passiert, wenn ich mich da anmelde?

Dann geht die Geldverbrennung los! Kostenlos an dem ganzen Spaß ist nämlich nur die Anmeldung. Sobald man dies getan hat, muss man erst einmal Geld auf das Konto eines Brokers überweisen. In diesem Moment verdient schonmal jemand, denn der Link in dieser Email ist ein sogenannter Affiliate-Link. Das erkennt man daran, dass hinter der eigentlichen URL noch eine Buchstaben- und Zahlenkomibnation steht.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Je mehr der arglose Kunde investiert, umso mehr bekommt jener anonyme Betrüger, der die Mail schickte, als Anteil.

Minenfeld Binäre Optionen

Auf jener Seite kann man nun mit sogenannten binären Optionen handeln. Bei binären Optionen können zwei Aktionen eintreten: Das vorhergesagte Ereignis tritt ein, wodurch Händler/innen eine im Vorhinein festgelegte Summe erhalten. Das vorhergesagte Ereignis tritt nicht ein, wodurch Händler/innen einen Verlust erleiden.

Man muss also quasi richtig schätzen, ob ein Kurs nach oben oder nach unten geht. Was so einfach klingt, ist in der Praxis aber für den Laien äußerst schwierig und mit Risiken verbunden. Die persönlichen Kreditkarten-Daten können für betrügerische Zwecke mißbraucht werden, der Kurs kann vom Broker manipuliert werden oder die Gewinnausschüttung findet nicht statt.

Nun gibt es tatsächlich auch seriöse Anbieter von binären Optionen. Wenn ihr wirklich daran interessiert sein, mit binären Optionen zu handeln, dann solltet ihr ein ausgezeichnetes Börsenwissen haben und dann am Besten bei der Bank eures Vertrauens nach vertrauenswürdigen Brokern fragen.
Statistisch gesehen machen allerdings 74% – 89% der Privatanleger Verluste mit binären Optionen, also sollte man wirklich sehr genau nachdenken.

Fazit

Mittels einer Spam-Mail wird man auf eine Seite gelockt, die nichts mehr mit dem Inhalt der Mail zu tun hat. Stattdessen soll man sich für den Handel mit Kryptowährungen registrieren. Der Link der Seite enthält einen Afilliate-Code, jemand verdient also an der Anmeldung und den Einzahlungen schonmal mit. Die positiven Kundenrezessionen sind durch die Bank weg gefälscht, jedes einzelne Foto ist von anderer Stelle aus dem Internet geklaut, die Gewinnversprechung ist maßlos übertrieben.
Zudem versteckt sich der Inhaber der Seite hinter der „Whois Privacy Corp.„, einem Unternehmen, welches die tatsächliche Identität eines Domaininhabers gegen Geld verschleiert.

Screenshot mimikama.at
Screenshot mimikama.at

Somit schützt sich der Inhaber auch vor Klagen von betrogenen Nutzern.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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