Social Media ist auch dabei …

Andre Wolf, 3. Mai 2018

Ganz klar, Social Media und das flächendeckend verfügbare Internet haben unser Kommunikationsverhalten verändert.

Wir können immer und prinzipiell überall auf Informationen zugreifen. Daher ist auch ein gewisses Bedürfnis entstanden, immer wieder neue Informationen zu verbreiten und zu erhalten. Neue Informationen mit jeder Aktualisierung des Browsers oder nach dem Neuladen des Newsstreams. Das hat teilweise auch bei den Anbietern bizarre Züge angenommen. Wer kennt das nicht? Man liest einen Artikel auf einer Webseite und auf einmal taucht mitten auf dem Bildschirm die Meldung auf, dass die Webseite aktualisiert wurde und neue Informationen bereitstehen.

Facebook ist da noch „grandioser”, denn hier wird einfach beim neuen Laden des Newsstreams alles durcheinander gewirbelt und wieder neu zusammengesetzt. Man bekommt dann teilweise ältere Statusmeldungen erneut oben angezeigt. Murphys Law: Das, was man sucht, findet man nie wieder. Gott versteh´s. Aber hey, es sieht alles immer neu aus.

Insofern hat sich auch unser Kommunikationsverhalten verändert. Wir konsumieren schnell, wir konsumieren oberflächlich und, das gilt für Social Media, wir sind davon abhängig, was uns durch die Plattform so eingeblendet wird. Am Ende selektieren wir (speziell in Social Media) unsere Informationen anhand der Attraktivität der eingeblendeten Teaser.  Mit einem Teaser ist die Vorschaufunktion eines verlinkten Inhaltes in Social Media gemeint. Das bedeutet, ein soziales Netzwerk, so wie Facebook, fasst einen verlinkten Inhalt in Form eines Teasers zusammen. Dieser besteht aus drei Elementen: einem Vorschaubild (1), einer Überschrift (2) und einem Untertitel (3).

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Webseitenbetreiber können diese Darstellung übrigens bewusst konstruieren und der auf Social Media dargestellte Teaser kann vom anschließenden Inhalt abweichen oder bewusst provokativ gestaltet werden. Es ist in meinen Augen sogar eine Kunst, den Teaser so zu gestalten, dass Nutzer aufgrund des Teasers dazu animiert werden, den verlinkten Inhalt am Ende auch zu lesen.

Diese Kunst nennt sich Clickbaiting (Klickköder: Der Aufbau einer Neugierlücke mithilfe von offenen Informationshappen und grafischen Elementen). An dieser Stelle predige ich immer, dass Clickbaiting durchaus in Ordnung ist, es jedoch immer in einer gesunden Relation zum dahinter liegenden Inhalt stehen sollte. Sprich: Von mir aus clickbaitet, was das Zeug hält, aber bitte liefert auch einen entsprechend guten Inhalt dazu! Ein Clickbait besteht zumeist aus den folgenden Elementen:

  • Reißerische Überschrift
  • Neugierlücke (engl. Curiosity Gap)
  • Cliffhanger
  • Grafische Elemente (Pfeil/Kreis etc.)
  • Emotionen

Es wird ein Bedürfnis aufgebaut, den verlinkten Inhalt anzusteuern (klicken).

Manipulativ

Natürlich wirkt das typische Clickbaiting auch manipulativ, die Stiftung Neue Verantwortung ordnet in ihrer Veröffentlichung „Fakten statt Fakes” das Clickbaiting zwar als gefährlich ein, grenzt es jedoch klar von Fake-News ab (Seite 11&12).

Problematisch ist dabei vor allem, dass aus Studien Zahlen bekannt sind, dass über 60 % der Leser:innen meist nur die Überschrift lesen. Auch wenn der überspitzte Inhalt unter Umständen im Text dann wieder entkräftet wird, bleibt bei Lesern vor allem die Überschrift hängen.

Das nutzen natürlich speziell Boulevardmedien aus und übersteigern ihre Teaser. Insofern ist es immer wichtig zu erkennen, wer da schreibt, wie Teaser funktionieren und wie die einzelnen Elemente wirken. Wenn man das weiß, kann man eine gewisse Clickbaitresistenz entwickeln, bzw. erkennt man schon anhand des überzogenen Teasers, dass man nur einen Happen Information bekommt.

 

Funktionen und Schwerpunkte kennen

Kenne die Funktionen, kenne die Netzwerke. Saferinternet.at veröffentlicht übrigens jährlich den Jugend-Internet-Monitor (Österreich), in dem widergespiegelt wird, welche Netzwerke Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren nutzen. Gleichzeitig ist diese Auswertung eine schöner Überblick zu den Social Media Netzwerken, welche derzeit am Häufigsten verwendet werden.

Jugeninternetmonitor2018
(Klick für Vergrößerung)

Anhand dieser Darstellung lohnt es sich auch, einen Blick auf das eigene Konsumverhalten zu werfen. Was poste ich wo? Wie viel Zeit verbringe ich online? Warum nutze ich die verschiedenen Netzwerke? Und die größte Frage: Wie sehr lasse ich mich durch Inhalte auf Social Media beeinflussen? Wie gehe ich mit Themen um, die aufgrund einer Gefühlslage und der Gesprächswertigkeit in Social Media entstehen, jedoch in der Realität gar nicht stattfinden?

Phantomdiskussionen!

Social Media hat uns immer wieder Themen beschert, die eigentlich gar nicht existieren. Ängste wurden aufgebaut, die völlig unbegründet waren. Sei es die Angst vor dem weißen Lieferwagen, mit dessen Hilfe bundesweit Kinder entführt werden (wahlweise auch Katzen oder Hunde), die Angst vor einer Blue Whale Challenge, bei der angeblich hunderte Jugendliche den Freitod wählen, oder die völlig unsinnige Behauptung, christliche Feiertage würden aufgrund falscher Toleranz verschwinden müssen.

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Ja, Social Media birgt Möglichkeiten, birgt Gefahren. Aber vor allem: Social Media BINDET uns. Wir werden gebunden, weil unser immenser Informationsbedarf und die Scheinpartizipation vermeintlich immer wieder bedient wird. Leider kann ich an dieser Stelle auch immer wieder nur auf Entschleunigung setzen, Sorgfalt predigen und vielleicht auch mal auf mich selbst schauen: Wie viel Social Media brauche ich wirklich?


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