Sharepic Faktencheck: „Polizei warnt – Mann lockt Kind“

Andre Wolf, 1. März 2019
Ein Sharepic mit fehlenden Angaben
Ein Sharepic mit fehlenden Angaben

Immer dieses Dilemma mit den Sharepics, man weiß nie wirklich, worauf sie sich genau beziehen und ob sie wirklich stimmen.

Kurz zur Erklärung, was Sharepics überhaupt sind: Bei Sharepics handelt es sich um Bilder, die speziell für Social Media und das Verbreiten auf Social Media gebaut sind. Diese Bilder tragen eine knappe, recht deutliche Aussage, errichten durch ihre Optik bei den Empfängern ein gewisses Mindsetting und Emotionen und animieren letztendlich dazu, ohne groß darüber nachzudenken das Sharepic ebenso zu verteilen.

Häufig haben Sharepics jedoch den großen Nachteil, dass sie aufgrund ihrer inhaltlichen Knappheit eher plakativ wirken. Die Botschaft ist sehr stark verkürzt und radikalisiert, häufig werden (auch beabsichtigt) wichtige Elemente ausgelassen und das Thema neu interpretiert. Dadurch kann es unter Umständen auch zu einer Verdrehung von Aussagen kommen.

Auch bei dem folgenden Sharepic, welches eine Warnung der Polizei zeigen soll, gibt es aufgrund einer Verkürzung ein ein paar Probleme: Wir wissen nicht, WANN diese Warnung ausgegeben worden sein soll, WO sie gültig ist und OB sie überhaupt stimmt.

Screenshot Mimikama.at
Screenshot Mimikama.at

Surprise, surprise!

Na, wer hätte das gedacht. Mit ein wenig Suchmaschinenglück findet man tatsächlich eine Pressemeldung der Polizei, in der die Beschreibung dieser Person zu finden ist. In dem Pressebericht der Polizei Mettmann (NRW) vom 27. Februar 2019 lautet es:

Verdächtiges Ansprechen von Kindern: Polizei warnt und sucht nach Zeugen – Velbert

Am Freitagmorgen (22. Februar 2019) hat an der Bonsfelder Straße in Velbert ein dunkelhäutiger Mann einen zehn Jahre alten Jungen auf dessen Weg zur Schule in verdächtiger Art und Weise angesprochen und dazu bewegt, in sein Auto einzusteigen. Als der Mann mit seinem Wagen einen Unfall baute, konnte der Schüler das Fahrzeug unbehelligt wieder verlassen. Nach ersten umfangreichen Ermittlungsmaßnahmen bittet die Polizei nun um Zeugenhinweise und warnt vor dem noch unbekannten Mann.

Der zehnjährige Junge war am Freitagmorgen zwischen 7:30 Uhr und 7:45 Uhr auf dem Weg zur Gemeinschaftsgrundschule Hüserstraße, als er in Höhe eines Supermarktes auf der Bonsfelder Straße von einem Mann aus einem fahrenden Auto heraus angesprochen wurde.

Der Mann fragte den Jungen nach dem Weg zur Schule und forderte ihn auf, in sein Auto zu steigen – er würde ihn dann zu seiner Schule fahren. Der Junge kam der Aufforderung zunächst nicht nach. Als der Autofahrer dann jedoch aggressiver wurde, stieg der Junge in den Wagen ein und der Mann fuhr mit ihm davon.

Im Wodantal verlor der Mann dann in einer Linkskurve die Kontrolle über sein Fahrzeug und rutschte in eine Böschung. Der Junge konnte das Auto verlassen und seinen Weg zur Schule fortsetzen, wo er Lehrern von dem Vorfall berichtete. Diese schalteten die Polizei ein, welche die von dem Jungen beschriebene Wegstrecke abfuhr, um die in Rede stehende Unfallstelle aufzusuchen. Tatsächlich konnten die Beamten diese an der beschriebenen Örtlichkeit ausfindig machen und vor Ort Spuren sicherstellen – darunter ein Fahrzeugteil eines schwarzen VW Up. Dabei handelt es sich um die innere Abdeckung eines vorderen rechten Radkastens.

Nach bereits erfolgten intensiven Ermittlungen im Fall wendet sich die Polizei nun mit ihren gesammelten Erkenntnissen an die Bevölkerung und bittet um sachdienliche Hinweise. Der Mann wird wie folgt beschrieben:

  • schwarze Hautfarbe
  • etwa 25 bis 30 Jahre alt
  • schwarzes, kurzes, lockiges Haar – an den Seiten abrasiert
  • trug zum Tatzeitpunkt eine schwarze Hose, eine schwarze Lederjacke sowie einen schwarzen Schal.

Außerdem sucht die Polizei nach Hinweisen zu dem Fahrzeug des Mannes. Dieses wird wie folgt beschrieben:

  • schwarzer VW Up
  • neueres Modell (Baujahr wahrscheinlich ab 2016)
  • schwarze (Kunst-)Ledersitze
  • fest eingebautes Navigationsgerät
  • hat mutmaßlich einen Frontschaden (Radkasten vorne rechts)

Nach derzeitigem Ermittlungsstand kann nicht ausgeschlossen werden, dass der gleiche Täter auch in Ortsnähe zu Essen und Hattingen Kinder in verdächtiger Weise aus seinem Auto heraus angesprochen hat. Auch hier soll es laut Berichten in sozialen Medien in den vergangenen Tagen ähnliche Fälle gegeben haben, bei denen Kinder angesprochen wurden, diese jedoch nicht in ein Auto eingestiegen waren.

Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei in Velbert unter der Rufnummer 02051 946-6110 entgegen.

Link zum Pressebericht HIER.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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