Sharepic „Logik der 2G-Regel“ ist irreführend

Ralf Nowotny, 26. November 2021
Faktencheck
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Ein Sharepic will verdeutlichen, dass die 2G-Regel unlogisch sei – was allerdings nur stimmt, wenn man sämtliche Erkenntnisse außer Acht lässt.

Mit der vorherrschenden 2G-Regel (Geimpft oder Genesen) an vielen Orten fühlen sich viele Ungeimpfte ausgegrenzt und haben scheinbar einen Logikfehler in der Regel gefunden, da ja auch Geimpfte und Genesene infektiös sein können. Das stimmt auch – aber unlogisch ist die Regel trotzdem nicht.

Um dieses Sharepic handelt es sich:

Das Sharepic über die 2G-Regel
Das Sharepic über die 2G-Regel

Auf dem Sharepic wird ausgesagt, dass Geimpfte und Genese keine Gefahr darstellen, obwohl man nicht weiß, ob sie infektiös sind, während man bei Getesteten weiß, dass sie nicht infektiös seien, diese aber trotzdem eine Gefahr darstellen.

Klingt an und für sich erstmal unlogisch, oder? Ja – wenn man einige Punkte betreffend Geimpfter, Genesener und Getesteter vollkommen ignoriert, denn die 2G-Regel ist sehr wohl sinnvoll.

Warum die 2G-Regel sehr wohl logisch ist.

Infektiosität und Virenlast bei Geimpften und Genesenen

Geimpfte und Genesene können sich ebenfalls infizieren und auch infektiös sein. Mehrere Studien (siehe beispielsweise HIER und HIER) haben jedoch gezeigt, dass die Viruslast zwar für eine kurze Zeit ähnlich wie bei Ungeimpften ist, sie aber insgesamt für eine kürzere Zeit infektiös sind.

Zudem verhindern Impfungen in den meisten Fällen auch einen schweren oder tödlichen Verlauf einer COVID-19 Erkrankung – Betroffene erkranken zwar, doch ist der Krankheitsverlauf sehr viel weniger stark.

Auch Geimpfte und Genesene können infektiös sein und andere anstecken, jedoch ist die Infektionsgefahr geringer, Krankheitsverläufe weniger schwer.

Das Problem mit Antigen-Schnell- und Selbsttests

Von Antigen-Schnell- und Selbsttests wird eine Infektion erst ab einer gewissen Virenlast festgestellt – und diese ist meistens erst dann hoch, wenn jemand bereits erste COVID-19 Symptome hat. Symptome kommen zumeist erst nach fünf bis sechs Tagen, was bedeutet, dass man laut einem Test bis zu sechs Tage lang zwar negativ ist, trotzdem aber bereits infektiös.

Ein negativer Schnelltest, der eher eine Momentaufnahme ist, beweist also leider nicht vollständig, ob jemand nicht infektiös sind, in diesem Fall redet man von falsch-negativen Tests.

Getestete können zwar ein negatives Testergebnis haben, aber trotzdem über mehrere Tage infektiös sein, ohne dass sie es wissen.

Fazit

Es ist also beileibe nicht so simpel, wie es das Sharepic darstellt: Es ist nicht so, dass Geimpfte und Genesene „keine Gefahr“ darstellen, jedoch ist die Gefahr einer Infektion und Erkrankung signifikant geringer. Getestete hingegen können sehr wohl trotzdem eine gewisse Gefahr darstellen, da Schnelltests oftmals falsch-negativ ausfallen, wenn die Viruslast noch zu gering ist, denn auch dann sind sie bereits infektiös und eine COVID-Erkrankung kann schwer ausfallen.

Um die Infektionsgefahr aber noch weiter zu verringern, gibt es auch noch die 2G-Plus Regel (Geimpft oder Genesen und einen aktuellen, negativen Schnell- oder PCR-Test) und die 3G-Plus Regel (Geimpft, Genesen oder Getestet und einen aktuellen PCR-Test).

Das Sharepic ist somit irreführend, da es die Infektiosität, die Virenlast und die Probleme bei Schnelltests vollkommen ignoriert.


Weitere Quelle: dpa
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