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Alle Jahre wieder: Der Schneeball und die Flamme

Ralf Nowotny, 30. Dezember 2020
Alle Jahre wieder: Der Schneeball und die Flamme
Alle Jahre wieder: Der Schneeball und die Flamme

Für Manchen anscheinend DER Beweis für unnatürlichen Schnee: Ein Schneeball wird schwarz, wenn man ihn anzündet. Doch da fehlt es an Physik- und Chemiekenntnissen.

So mancher Verschwörungsmythos taucht regelmäßig auf, umso erstaunlicher, dass wir uns damit noch nicht beschäftigen. Denn auch dieses Jahr tau(ch)te er wieder auf: Ein Schneeball, der scheinbar nicht verbrennt, sondern schwarz wird, wenn man ein Feuerzeug dran hält.

Aktuell wird die „Verschwörung“ mal wieder auf YouTube (siehe HIER) geteilt.

Screenshot aus einem YouTube-Video mit einem Schneeball
Screenshot aus einem YouTube-Video mit einem Schneeball

In dem Video hält ein Mann erst eine Flamme unter einen Eiswürfel aus seinem Kühlschrank, der erwartungsgemäß tropft. Dann nimmt er den Schneeball mit den Worten „Das ist ja auch gefrorenes Wasser, hab ich mal gelernt“ und hält eine Flamme unter diesen: Er wird schwarz, Wasser tropft keines runter.

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Eis und Schnee – Ein Unterschied!

Der erste Fehler des Videos ist, dass der Mann seinen Eiswürfel aus dem Kühlschrank mit Schnee vergleicht, da ja beides „gefrorenes Wasser“ ist.
Der Vergleich ist aber so sinnvoll wie ein Auto mit einem Fahrrad gleichzusetzen, da ja beide Räder haben.

Schnee und Eis unterscheiden sich jedoch radikal:
Eis ist zu nahezu 100 Prozent Wasser in fester Form.
Schnee jedoch besteht (auch wenn sich ein gepresster Schneeball fest anfühlt) aus viel Luft und winzigen Schneeflocken, die eine ideale Form zur Absorption von Wasser haben. Wenn Teile des Schnees schmelzen, wird das wieder flüssig gewordene Wasser vom umgebenden Schnee absorbiert – es bildet sich nach einer Weile Schneematsch.

Mal tropft Wasser, mal nicht. Warum?

Der Eiswürfel

Das ist schnell geklärt: Wenn das Eis durch die Flamme schmilzt, kann das Wasser nicht vom umgebenden Eis absorbiert werden, da dies ja ebenfalls zu nahezu 100 Prozent gefrorenes Wasser ist, weswegen er auch tropft.

Der Schneeball

Da geschehen mehrere Dinge, die der Mann auch kennen würde, hätte er in Physik vielleicht mehr zugehört, als das Schnee „gefrorenes Wasser“ ist, denn es ist nicht Eis, sondern Eiskristalle mit Luft dazwischen, was einen gewaltigen Unterschied ausmacht, wenn man es anzünden will.

Der Schneeball jedoch tropft nicht, und das aus zweierlei Gründen:
Das geschmolzene Wasser wird teilweise direkt wieder vom umgebenden Schnee absorbiert, zum anderen Teil geht es sofort durch die Hitze in den gasförmigen Zustand über.

Achtung, Chemie!

Doch warum wird er schwarz?
Das Schwarze am Schneeball kommt vom Feuerzeug selbst und nennt sich“Ruß“. Sollte man kennen, Ruß entsteht auch, wenn man die Flamme beispielsweise an Glas hält.

Die Brennflüssigkeit in einem Feuerzeug besteht aus Butan, ein Molekül, das aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht. Wenn es verbrannt wird, reagiert es mit dem Sauerstoff in der Luft; die Bindungen zwischen zwei Atomen wird gebrochen und neue Moleküle gebildet. Bei einer idealen Verbrennung würde nur Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H20) übrig bleiben.

Eine solche Verbrennung läuft aber nie so perfekt. Was beim Verbrennen des Schneeballs beispielsweise passiert: Einige der Kohlenstoffmoleküle wandeln sich in lange Ketten um und erzeugen exakt das, was wir am Schneeball sehen: Ruß.

Das Schwarze ist also nicht etwa verbranntes Wasser, sondern Ruß, der vom Feuerzeug selbst stammt!

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Fazit

Hätte der Mann den Schneeball über einer natürlicheren Feuerquelle angezündet, würde er bemerken, dass er nicht schwarz wird. Denn das einzige, was er bewiesen hat, ist funktionierende Physik und Chemie: Ein Eiswürfel schmilzt, ein Schneeball absorbiert das geschmolzene Wasser, durch das Butan im Feuerzeug bildet sich Ruß.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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