Die Aufregung um den Schaf-Mensch-Embryo

Rüdiger | ZDDK | MIMIKAMA, 4. März 2018

In den letzten Tagen kamen vermehrt Anfragen zu dem Thema „Schaf-Mensch-Embryo“:

Quelle: veganblog.de

Gibt es das wirklich, ist es echt und was soll das eigentlich?

Ja, das stimmt wirklich. Pablo Ross von der Universität von Kalifornien in Davis hat eine sogenannte Schaf-Mensch-Hybride erschaffen.

Wer jetzt allerdings an ein Monsterwesen aus Science-Fiction-Filmen denkt, hat Unrecht. Wir reden über einen Embryo, der mit einigen pluripotenten menschlichen Stammzellen angeimpft wurde.

Der Embryo ist nach wie vor ein Schaf, mit einem kleinem Anteil menschlicher Zellen, die sich im Schafembryo vermehren und Organe ausbilden können sollen. Wir sprechen hier von einer menschlichen Zelle auf 10.000 Schafszellen (0,01%). Der Embryo sieht also nach wie vor wie ein Schaf aus.

Das ist deutlich mehr, als bei dem Experiment 2017, als dies von der gleichen Arbeitsgruppe beim Schwein gemacht wurde. Der Embyro wurde, wie gesetzlich vorgeschrieben, nach 28 Tagen getötet, da Pablo Ross keine längere Versuchserlaubnis hatte. Die mögliche weitere Entwicklung dieser Embryos ist also ebenfalls noch nicht klar.

Was soll das?

Die Idee dahinter ist es, menschliche Organe in Tieren wachsen zu lassen und zwar spezifisch, d.h. von der jeweiligen Person, die später das Organ empfangen soll, werden Stammzellen gewonnen und lassen dann im Schaf/Schwein menschliche Organe wachsen. Die tiereigenen Organe werden durch die Hemmung eines Genes nicht mehr gebildet und sollen dann durch die spezifischen menschlichen Zellen ersetzt werden, die dann das menschliche Organ im Tier bilden. Um dieses Ziel zu ermöglichen, müssten ca 1% der Zellen des Tieres durch menschliche Zellen ersetzt werden.

Und was ist der Vorteil?

Ein solches Organ würde in recht schneller Zeit fertig sein und man hätte nicht mit Abstoßungsreaktionen zu rechnen, da die menschlichen Zellen ja vom Körper des späteren Empfängers kommen und daher nicht fremd sind. Eine lebenslange und nicht immer erfolgreiche Therapie zur Verhinderung der Organabstoßung wäre nicht mehr nötig.

Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass man diese menschlichen Organe sehr zielgerichtet züchten könnte. Eine oft jahrelange Wartezeit auf ein Spenderorgan wäre ebenfalls nicht mehr nötig.

Dazu kommt, dass allein in Deutschland ca 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan warten, aber im Jahr nur noch um die 850 Organe postmortem gespendet werden. Es besteht also ein immenser Bedarf an Spenderorganen, dem diese Forschergruppe damit begegnen will.

Wer denkt, das sei absolute Zukunftsmusik: Dieses Forscherteam hat es 2017 schon geschafft, mit dieser Methode Bauchspeicheldrüsen von Mäusen in Ratten wachsen zu lassen. Nach einem künstlich geschaffenem Diabetes Mellitus in den Mäusen wurden diese Bauchspeicheldrüsen verpflanzt und konnten damit diesen Diabetes lindern. (Siehe: https://www.nature.com/articles/nature21070.epdf)

Alles in allem eine recht verlockende Technik mit vielen Vorteilen. Jedoch gibt es zum einen enorme ethische, zum anderen auch noch sehr viele technische Probleme, die noch nicht gelöst sind.

Technisch müssten ja 1% der Zellen im Embryo menschlich sein, was noch ein weit entferntes Ziel ist. Außerdem gibt es im Erbgut von Mensch und Tier auch eingebettete Viren (sogenannte endogene Retroviren), die durch diese Methode wieder zum Ausbruch gebracht werden könnten.

Auch wenn ein Forschungsteam mitteilte, dass es mithilfe des sogenannten CRISPR-Systems (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) alle endogenen Retroviren aus einem Schweineerbgut entfernen konnte, bleibt ein Restrisiko erhalten.

Es wird auch nach Aussage des Forscherteams um Pablo Ross noch mindestens 5 bis 10 Jahre dauern, bis diese Technik beim Transplantationspatienten ankommen wird.

Ethische Bedenken

Ethische Bedenken beziehen sich auf zwei ganz grundlegende Sachen: Zum einem, dass Tierversuche an sich und auch später die Zucht der Organe im Tier mehr als nur einfach umstritten sind, zumal die Wissenschaft schon seit vielen Jahren versucht, Tierversuche zu ersetzten.

Aber auch die Tatsache, dass einem Tier menschliche Zellen eingepflanzt werden und was es dann aus dem Tier macht, ist völlig ungeklärt.

Was wäre z.B., wenn die menschlichen Zellen in das Gehirn kämen und dieses veränderten, was hätten wir dann für ein Wesen? Ein Schaf mit geistigen Eigenschaften eines Menschen?Wie würde man damit umgehen?

Alternativen

Auch heute experimentiert man schon mit Zellen, die durch einen 3D-Drucker in die entsprechende Form gebracht werden, um z.B. ein Organ zu ersetzen.

Auch könnte man mit so einem Drucker ein Gerüst für Stammzellen bauen, in dem sich dann Stammzellen des Empfängers zu einem fertigen Organ entwickeln. Ebenfalls könnte man Organe, die zuvor von allen Zellen befreit wurden, also auch nur eine Matrix darstellen, mit diesen Zellen bewachsen lassen.

Diese Methoden hätten den enormen Vorteil, dass sie ganz ohne Tiere auskämen und auch viel verträglicher für den Patienten wären.

Insgesamt ist das mit Sicherheit ein spannender Ansatz, der auch einen gewissen Reiz hat, aber für die Zukunft sind wohl andere Methoden technisch und ethisch besser dazu geeignet, menschliche Organe zu ersetzen.

Autorin: Anke, mimikama.at

Hauptquelle: Lars Fischer, Spektrum.de (http://www.spektrum.de/news/mischwesen-gegen-den-organmangel/1545059)


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