Faktencheck

Nein! „Der Russe“ ist nicht in Wien einmarschiert!

In Wien wurden Militärkolonnen gesichtet. Auf Telegram heißt es, es handele sich um russische Truppen.

Susanne Breuer, 17. März 2022
Nein! "Der Russe" ist nicht in Wien einmarschiert. (Screenshots: heute.at)
Nein! "Der Russe" ist nicht in Wien einmarschiert. (Screenshots: heute.at)

Seit Anfang März 2022 verbreitet sich eine Sprachnachricht auf Telegram, in der behauptet wird, dass gerade russische Truppen im 19. Wiener Bezirk einmarschieren würden. Diese Sprachnachricht ist FALSCH!

Mittlerweile haben über 200.000 Telegram-Nutzer diesen Post gesehen. Das österreichische Verteidigungsministerium hat gegenüber AFP bestätigt, dass es keinen russischen Einmarsch in Wien gegeben hat, seitdem russische Truppen in der Ukraine einmarschiert sind (HIER). Die Sprachnachricht ist etwa 2 Minuten lang und hat neben Telegram auch auf Facebook (HIER) weite Kreise gezogen.

Was genau wird behauptet?

Die „Eilmeldung“ im Telegram-Post: „Russisches Militär in Wien, der 19. Bezirk wird aufgeräumt – Verhaftungen laufen.“

Telegram-Post mit Falschinfo zum russischen Einmarsch in Wien

Nein! "Der Russe" ist nicht in Wien einmarschiert.
Telegram-Post mit Falschinfo zum russischen Einmarsch in Wien

Die Sprachnachricht besagt:

„Wir haben Montag, 7. März 2022, absolute Eilmeldung: 19. Bezirk in Wien, da marschieren gerade russische Truppen ein“.

Man müsse mit Verhaftungen und Sprengungen rechnen. Es sei verboten, im 19. Bezirk und rund um ihn herum zu arbeiten. Putin sei böse, weil auch in Österreich der Hass auf russischstämmige oder -sprechende Mitbürger dazu geführt habe, dass diese unterdrückt, malträtiert, bedroht und auch körperlich angegangen würden. Putin habe sich dazu in den letzten Tagen mehrfach sehr deutlich geäußert. Dies sei auch der Grund für den Einmarsch in die Ukraine. Man möge sich zum  Eigenschutz ein wenig zurückhalten und nachsichtig (sic!) sein, wenn nicht alles wie gewohnt funktionieren würde.“

QAnon-Influencer Absender der Nachricht

Die Sprachnachricht beginnt mit den Worten: „Guten Tag zusammen, hier spricht der Alexander vom Telegram-Kanal „Frag uns doch!“ Die Nachricht endet mit dem QAnon-Slogan (HIER) „where we go one, we go all“. Den Kern der QAnon-Erzählung (HIER) bildet die Behauptung von der Verschwörung einer globalen Elite, die aus dem Blut von Kindern ein Verjüngungsserum gewinnt.

Quade ist in der Vergangenheit mehrfach mit zahlreichen Falschinformationen aufgefallen (HIER). AFP hat bereits eine andere Behauptung Quades über angeblich bevorstehenden Wahlbetrug bei der deutschen Bundestagswahl 2021 überprüft (HIER) und als falsch entlarvt.

Kein russischer Einmarsch in Wien

Ohne tief in die Recherche einzusteigen, ist es völlig offensichtlich, dass keine russischen Truppen in Wien einmarschiert sind. Da reicht der gesunde Menschenverstand. Angesichts der hochdramatischen Situation in der Ukraine, die gerade im Fokus der Weltöffentlichkeit steht, wäre es definitiv aufgefallen, wenn aus dem Nichts russische Truppen in Wien aufgetaucht wären und entsprechend von der Weltpresse medial begleitet worden.

Und bitte, woher sollten diese Truppen unbemerkt gekommen sein? Wien liegt Hunderte von Kilometern von russischem Territorium entfernt. Mehrere Länder liegen dazwischen. Wer sich dennoch anschauen möchte, welche Belege es für den NICHT-Einmarsch russischer Truppen in Wien gibt, findet diese HIER.

Wie konnte es zu dieser Falschnachricht kommen?

Offenbar wurde in Wien tatsächlich ein militärischer Konvoi beobachtet, wie auch in österreichischen Medien berichtet wurde (HIER). Die Schlagzeile lautete „Militärkonvois rollen jetzt auch durch Wien“

Michael Bauer vom Verteidigungsministerium erklärte, dass es sich dabei um 13 Fahrzeuge des französischen Militärs handelte, die am 6. und 7. März Österreich auf dem Weg nach Ungarn durchquerten. Dies sei im Rahmen eines sogenannten Host Nation Support (HIER) geschehen, bei dem ein Gastland ausländisches Militär unterstützt. (HIER).

Dass sich ausländisches Militär in Österreich aufhält, sei auch kein ungewöhnlicher Vorgang: „Das passiert ständig“, erklärte Bauer. Überflüge über österreichisches Gebiet würden etwa rund 500 pro Monat angemeldet werden. Seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine habe es auch „keine signifikante Steigerung“ von ausländischen Truppen in Österreich gegeben, erklärte Bauer.

Auch in der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über ausländisches Militär in Österreich. 2019 durchquerten beispielsweise 400 Fahrzeuge und 1500 Soldaten der US-Armee Österreich, 2021 verlegten die USA mehrere tausend Soldatinnen und Soldaten zu einer Übung durch das Land. Dabei regelt das Truppenaufenthaltsgesetz genau, welche ausländischen Truppen sich unter welchen Bedingungen auf österreichischem Hoheitsgebiet aufhalten dürfen. Bei dem französischen Konvoi seien diese Regelungen eingehalten worden.

Österreichs Neutralität

Österreich sieht sich militärisch, bzw. verteidungspolitisch, keinem der Blöcke zugehörig, sondern in einer neutralen Position und ist daher auch nicht Teil der NATO. Diese Neutralität ist allerdings immer wieder umstritten (HIER).

Die Position Österreichs im Ukraine-Konflikt führte auch zu Spannungen mit Moskau. Die russische Botschaft in Wien  meldete etwa „Zweifel an der Qualität“ der Neutralität Österreichs an (HIER). Das österreichische Außenministerium reagierte darauf mit einem Tweet, in dem es hieß (HIER):

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Fazit

Es sind keine russischen Truppen in Wien einmarschiert. Diese Behauptung ist sowohl aus sich heraus völlig unlogisch, wird aber auch von einem Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums eindeutig verneint. Am 6. und 7. März 2022 wurden in Wien Militärfahrzeuge gesichtet. Dabei handelte es sich um eine geplante und angemeldete Durchquerung Wiens durch das französische Militär. Der Telegram-Kanal, der den angeblichen Einmarsch russischer Truppen in Wien verkündete, gehört einem bekannten –QAnon-Influencer, der bereits in der Vergangenheit durch die Verbreitung von Fake News aufgefallen ist.


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