Rumänen, Räuber, Rüpel: Was ist dran?

Andre Wolf, 27. Oktober 2020
Rumänen, Räuber, Rüpel: Was ist dran?
Rumänen, Räuber, Rüpel: Was ist dran?

Social Media ist ein Ort, an dem immer wieder Gerüchte entstehen. Häufig sind es auch Gerüchte, die Angst erzeugen. Ein Klassiker hierbei sind Erzählungen über Rumänen.

Erst gestern wieder habe ich zwei Geschichten in lokalen Gruppen bei Facebook gefunden. Es waren irgendwie die Klassikergeschichten über Personen (vermeintliche Rumänen), die sich angeblich verdächtig verhalten haben, und gegen die weder die Polizei noch man selbst etwas machen können.

Dennoch habe man sich entschlossen, vor diesen Personen auf Facebook zu warnen. Spannend: es waren gleich zwei unterschiedliche Geschichten in ein und demselben Ort innerhalb kürzester Zeit. Wohlgemerkt, die beschriebenen Personen haben überhaupt nichts getan.

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Sie haben kein Verbrechen begangen, sie sind niemanden wirklich angegangen, dennoch wird vor ihnen gewarnt und in den Kommentaren zeigt sich die Verunsicherung der Menschen. es ist die Geschichte von Rumänen, die sie auf der Straße treffen. Man liest:

!!!Vorsicht eben bei Aldi in [***] gesichtet.!!!
Wohlmöglich Romänen die Gelder eintreiben wollen zwecks spenden , ganz komische Sache. Als die Filialleiterin die Frau ansprach und fragen wollte was sie da treibt auf dem Parkplatz, rannte sie davon stieg mit dem Komplitzen ins Auto und verschwand in einem Hellen Audi. Kennzeichen konnte man nicht erkennen.

sowie

Hallo, mir sind vorhin am Ende des Füchtorfweg 2 Personen aufgefallen die auf jemanden gewartet haben als ich mit meinem Hund zurückkam waren es 4 Personen alle haben eine riesengroße umhängetasche um als sie mich zurückkamen sahen sind zwei Personen ein Stück rechts und die anderen beiden ein Stück links die Straße runtergegangen sind diese personen noch jemanden aufgefallen

Rumänen, Räuber, Rüpel: Was ist dran?
Rumänen, Räuber, Rüpel: Was ist dran?

Faktencheck: Warum Rumänen?

Tatsächlich schwingt hier ein sehr altes Narrativ mit. Es handelt sich um die Erzählung von Zigeunern, die angeblich alles rauben würden, was nicht niet- und nagelfest ist. Das steckt letztendlich hinter dieser Geschichte und deswegen sind Personen, die südosteuropäisch aussehen, sehr schnell in Verdacht, Diebe zu sein.

Das ist auch der Grund, warum in diesen Geschichten vorschnell von Rumänen geschrieben wird. Einen Nachweis für die Kriminalität der beschriebenen Personen findet man in vielen Postings auf Facebook natürlich nicht. Das ist doch gar nicht notwendig, weil das Narrativ (also die sinnstiftende Erzählung) für sich allein schon vollkommen überzeugend ist.

Jetzt kann man natürlich den Einwand bringen, dass man lieber einmal mehr als einmal zu wenig warnen sollte. Genau das liest man recht häufig auf Facebook oder in Messengern, jedoch birgt das eine große Gefahr in sich. Aufgrund dieser grundlosen Warnungen entstehen ein völlig falsches Unsicherheitsgefühl und dementsprechend auch eine Angst.

Sowohl die Angst, als auch das falsche Unsicherheitsgefühl, wirken manipulativ auf das Verhalten von Menschen ein. Beide Beschreibungen über die „Rumänen“ beinhalten keinerlei Straftaten, die diese Menschen begangen haben. Dennoch spiegelt sich wider, dass es sich um Kriminelle handeln würde, dass man sie bei der Polizei anzeigen müsste, gar dass man selbst persönlich unter Umständen auch mit Gewalt gegen sie vorgehen müsste.

Die Augenzeugenberichte zu diesen vermeintlich verdächtigen Personen sind selbst bereits auf Basis von Angst und einem vermeintlichen Unsicherheitsgefühl entstanden. Im Zentrum stehen dabei sehr häufig Rumänen oder Bulgaren, was manchmal auch durch die Widergabe eines Fahrzeugkennzeichens ausgedrückt wird. Dieses wurde natürlich in der Vergangenheit speziell von Populisten immer wieder geschürt.

Aus den letzten Jahren kennen wir noch die Geschichten von den weißen Lieferwagen (vergleiche). In diesen Geschichten haben alleine die Erzählungen von weißen Lieferwagen, mit denen Kinder entführt werden, ganze Ortschaften in Angst und Panik versetzt. Dadurch ist ein falsches Unsicherheitsgefühl entstanden, was sich speziell Populisten zunutze gemacht haben.

Das daraus resultierende Verhalten auf Social Media war klar: Menschen wurden grundlos in Angst versetzt, die Geschichten mutierten und wurden auf andere Ortschaften übertragen, Unsicherheit breitete sich aus und man fühlte sich speziell von Migranten, in diesem Fall Rumänen, stark bedroht. Gleichzeitig wird immer wieder behauptet, die Polizei könne ja nichts machen. Dabei gab es in den meisten Fällen gar nichts zu machen, was die Polizei dann auch sagte (si wie beispielsweise hier). All das zusammen ergibt ein ganz klares Rezept, wie man Menschen verunsichert.

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