PUBG ist Schuld am Tod eines Kindes? – Korrelation und Kausalität

Ralf Nowotny, 8. Oktober 2020
PUBG ist Schuld am Tod eines Kindes? - Korrelation und Kausalität
PUBG ist Schuld am Tod eines Kindes? - Korrelation und Kausalität

In diversen Medien wird von einem ägyptischen Jungen berichtet, der nach stundenlangem Spielen von PUBG gestorben ist.

Dem populären Online-Spiel PlayerUnknown’s Battlegrounds (PUBG) wird die Schuld gegeben, dass ein 12-jähriger Jungen in Ägypten starb – seine Eltern fanden ihn, noch mit dem Smartphone und dem geöffneten Spiel in der Hand, scheinbar schlafend auf.

Nachdem die Eltern den Jungen aus Port Said nicht wecken konnten, wurde er in ein Krankenhaus gefahren, starb aber auf dem Weg dorthin.

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Die Schuld bekommt PUBG

Zumindest wenn man sich die Überschriften der diversen Meldungen anschaut: ob das deutsche Noizz oder internationale Medien wie Gulf News, Kotaku, See egy oder 7news, einhellig wird vom den Tod des Kindes berichtet, während es PUBG spielte, teilweise wird sogar geschrieben, der Junge starb durch PUBG.

Fatwa Center warnt nun

Wie Egypt Independent berichtet, warnt nun das Al-Azhar Fatwa Center vor dem Schaden, den Spiele wie PUBG Kindern zufügen können. So wende PUBG komplexe, psychologische Methoden an, um Sucht und Gewalt zu fördern.

Zudem rief das Fatwa Center dazu auf, dass Gelehrte, Prediger und Lehrer die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren sollen, Eltern sollten zudem rund um die Uhr beobachten, was die Kinder auf dem Handy spielen und die installierten Apps überprüfen, die Kinder stattdessen zum Sport und Lernen motivieren.

Die Todesursache

Jene findet sich nur eher nebensächlich in manchen Artikeln, in vielen jedoch überhaupt nicht:
Die Voruntersuchung des Gerichtsmediziners führte die Todesursache auf einen Herzstillstand aufgrund eines plötzlichen Blutdruckanstiegs aufgrund von Übergewicht zurück.

Korrelation und Kausalität

Zuviel Zocken, zuwenig Bewegung – eine Kombination, die auf viele Gamer zutrifft.
Trotzdem sterben nicht haufenweise die Spieler, auch wenn viele Games sehr nervenaufreibend sein können.

Über den toten 12-jährigen ist nicht viel bekannt: Er spielte leidenschaftlich und stundenlang PUBG und er war übergewichtig. Doch viele Informationen fehlen:

Wie stark übergewichtig war er? Lagen Herz- oder andere Erkrankungen vor? Konsumierte er dabei (wie viele Gamer) dabei eine Überzahl an Energy-Drinks? Wie war seine Ernährung?

Es gibt also viele Faktoren, die den Herzstillstand begünstigt haben könnten, sicherlich auch die Aufregung beim Spielen von PUBG, doch kann man deshalb dem Spiel die Schuld geben?

Dazu kommt noch die religiös-politische Macht der Fatwa, dem Rechtsgutachten des Muftis, die darauf schauen, ob eine Handlung mit den Grundsätzen des islamischen Rechts vereinbar ist.

Bereits im Juni war der Fatwa das Spiel PUBG ein Dorn im Auge: Am 4. Juni wurde aufgrund eines Updates des Spiels (man musste sich vor einem „Idol“ verbeugen, um eine Belohnung zu bekommen, was dem Islam widerspräche) PUBG in Ägypten verboten.

In dem Zusammenhang kommt der Tod des Jungen dem Fatwa Center fast gelegen: „Seht her, so gefährlich ist PUBG“. Bei der Schlagzeile spielt also die religiöse Politik Ägyptens eine große Rolle.

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Fazit

Computer- und Handygames werden in Ägypten ohnehin von der Fatwa nicht gerne gesehen, somit muss man dann bei solchen Schlagzeilen mit Primärquelle Ägypten sehr vorsichtig sein.

Im Prinzip hat die Schlagzeile „Junge starb durch PUBG“ in etwa den gleichen Stellenwert wie hierzulande „Kind starb durch Mund-Nasenschutz“.

Artikelbild: Shutterstock / Von Rasdi Abdul Rahman


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