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Alter Fake, diesmal auf polnisch: Die Bordell-Freikarten für Flüchtlinge

Ralf Nowotny, 28. November 2018
Immer noch Fake. Auch auf Polnisch.
Immer noch Fake. Auch auf Polnisch.

Seit über drei Jahren begegnen wir ihnen: den Freikarten fürs Bordell, welche angeblich vom Sozialamt an Flüchtlinge verteilt werden.

Wir berichteten bereits mehrfach über diese Freikarten, neu ist jedoch, dass sich dieser Fake nun anscheinend auch in Polen verteilt:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Übersetzt steht auf dem Bild:

„W Hamburgu „nowi przybysze” otrzymują wolny bilet od
urzędu do zasiłków na wizytę w burdelu na koszt miasta !!!

In Hamburg erhalten „Neuankömmlinge“ ein kostenloses Ticket von
der Behörde für einen Besuch in einem Bordell auf Kosten der Stadt !!!“

Darunter in Rosa:

„ale tylko od Poniedziałku do Piątku między 9-15
godziną po za szczytem „pracy“ burdelu

aber nur von Montag bis Freitag zwischen 9-15 Uhr.
eine Stunde nach dem Höhepunkt der „Arbeit“ im Bordell“

Befriedigt seit 2011

Ja, bereits 2011 erschienen Bilder dieser Freikarten im Netz, z.B. auf lachschon.de:

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Wo gibt es diese Freikarten?

An sehr vielen Orten, wie eine einfache Bildersuche auf Google zeigt:

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Ist ja cool! Seit wann gibt es solche Freikarten?

Dafür müssen wir weit zurückreisen, in das Zeitalter vor dem Internet. Denn schon in den 80er Jahren gab es diese Freikarten, wie das Buch „Dieses Buch ist pure Fälschung“ des Zweitausendeins-Verlages aus dem Jahr 1989 aufzeigt.

Quelle: Google-Buchscan
Quelle: Google-Buchscan

Egal, ich bin bereit. Ich will so eine Freikarte!

Angeblich gibt es die ja nur für Flüchtlinge. Früher gab es die auch für Sozialhilfeempfänger. Die Wahrheit ist: Jeder kann eine solche Freikarte bekommen!

In gedruckter Version bekommt man jene Scheine nämlich in jedem gut ausgestatteten Scherzartikel-Laden, aber auch zum selbst ausdrucken finden sich einige Quellen, wie z.B. hier für alle Flensburger.

Ihr könnt aber auch auf eBay schauen, wo es diese Scherzartikel immer wieder gibt, hier beispielsweise sogar genau die auf dem polnischen Bild abgebildete Karte von 2008.

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Fazit

Nein, nein, nein, nein. No. Njet. Nix. Nada. Njente. Oder in binär: 01001110 01100101 01101001 01101110. Es gab und gibt keine echten Freikarten fürs Bordell. Weder für Flüchtlinge noch für Sozialhilfeempfänger. Nicht mal für Mimikama-Mitarbeiter. Für niemanden. Das ist ein Scherzartikel, den es schon mindestens seit den 80er Jahren gibt.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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