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Mittwoch, 1 Dezember 2021

Schneeballsysteme und Network-Marketing auf Social Media: Köderfallen?!

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Andre Wolf
MIMIKAMA Factchecker | Autor „Angriff auf die Demokratie" | Blogger des Jahres (mit Mimikama) | Pressesprecher bei Mimikama

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Schneeballsysteme digital und Network-Marketing: Du bekommst eine private Nachricht, in der dir ein einfacher Job in einer „jungen und dynamischen“ Firma angeboten wird. Dazu tolle Gewinnversprechen und flexible Arbeitszeiten.

Schneeballsysteme und Network-Marketing haben auf Social Media neue Zugänge zu einer wesentlich größeren Menge an Menschen bekommen. Und daher möchten wir hier informieren, denn diese Systeme haben schon viele Menschen in finanzielle, aber auch zwischenmenschliche Abgründe geworfen!

Zu Beginn wollen wir einfach erstmal klären, was Schneeballsysteme (oder auch Pyramidensysteme genannt) und demgegenüber das Network-Marketing (auch MLM für Multi-Level-Marketing) überhaupt sind. Da gibt es nämlich Unterschiede, Gemeinsamkeiten und am Ende auch gemeinsame Gefahren!

Schneeballsysteme

Ganz wichtig, Schneeballsysteme sind grundsätzlich illegal. Dennoch tauchen sie immer wieder auf und funktionieren, da sie sich gewisser Mechanismen bedienen. Die Verbraucherzentrale schreibt hierzu:

Als Schneeballsystem werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötigen, für die man „Kopfgeld“ bekommt, analog einem den Hang hinab rollenden und dabei stetig anwachsenden Schneeball. Gewinne für Teilnehmer entstehen beinahe ausschließlich dadurch, dass Sie neue Teilnehmer werben, die wiederum Geld investieren, ohne jegliche Dienstleistung oder ein Produkt zu erhalten.

Eines der wichtigsten Merkmale bei Schneeballsystemen ist also die Methode, dass das Geld immer in Richtung Spitze fließt. Das bedeutet, diejenigen, die unten in dem System sind, pumpen Geld in das System rein und sind meist die Verlierer. Sie können lediglich etwas „gewinnen“, indem sie selbst jemanden suchen, die oder der unter ihnen in dem System stehen. Daher werden Schneeballsysteme auch als Pyramidensysteme bezeichnet.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Systeme zu erkennen. Das fängt schon bei der Rekrutierung an. Rekrutierung bedeutet, dass Menschen angesprochen werden, ob sie nicht einen einfachen Job mit hohen Verdienstmöglichkeiten oder ___STEADY_PAYWALL___ Renditen suchen. Früher war das häufig auf der Straße oder bei Verkaufsveranstaltungen der jeweils zu vertreibenden Produkte. Heute wird Social Media immer stärker darin eingebunden. Das bedeutet, dass du auf Instagram, TikTok oder auf Facebook eine private Nachricht von jemanden bekommst, der bereits in diesem System drin ist und dich anwerben will. Die Köder dabei sind Schlagworte wie einfache Arbeit, hohes Einkommen, passives Einkommen (du verdienst, indem du andere auch wieder rekrutierst) oder die flexible Arbeitszeit.

Das System an sich funktioniert so lange, wie immer neue Rekruten gefunden werden. Im Grunde, wenn man es so herunterbrechen möchte, ist es immer die Suche nach Dummen, die die nächstgelegene Stufe oberhalb finanzieren.

Es gibt meist kein reales Produkt, dementsprechend auch keine Käufer. Einstiegsfinanzierungen (mit hohen Beträgen) sind erforderlich, es gibt keinen kostenfreien Zugang. Die Refinanzierung findet einzig über das neue Anwerben von Menschen statt, die anschließend hierarchisch unterhalb des Werbers / der Werberin gestellt sind.

Vorsicht aber auch vor sogenannten „Herz- und Schenkkreisen“

Hier haben wir es mit einer häufig viralen Version von Schneeballsystemen zutun, die häufig auf WhatsApp betrieben wird. Sogenannte Herz- und Schenkkreise zeigen sich nach außen hin spirituell und freundschaftlich, doch am Ende wird man nur abgezockt!Wir haben in der Vergangenheit schon über Systeme mit dem Namen „Geheime Schwester“ („Secret Sister“). Hinter den spirituell angehauchten Schenkkreisen mit dem gemeinsamen Motto „Verschenke etwas Geld, bekomme viel Geld zurück“ steckt einfach nur ein Schneeballsystem, bei dem man nur verlieren kann.

Auf WhatsApp sind diese „Schenkkreise“ recht intensiv! Vordergründig geht es um Freundschaft und Zusammenhalt. Damit werden Menschen geködert und ihnen wird suggeriert,  sie würden etwas Gutes tun. Doch das Gegenteil ist der Fall! Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden darauf eingeschworen, noch mehr Teilnehmer zu werben. Das ist in diesen Fällen häufig auch zwingend notwendig, denn die Einstiegspreise liegen zwischen 500 und 5.000 Euro. Und die will jeder für sich ja wieder zurückholen.

Die Schenkkreise zeigen sich gerne spirituell. Die WhatsApp-Gruppen der Geschenkkreise verpacken ihr Schneeballsystem watteweich mit „Guten Morgen“ Sharepics, Motivationssprüche oder in spirituelle Botschaften. Blumenbilder oder Mandalas sind die grafischen Botschaften. Doch irgendwann kommt dann das harte Brett: Die neuen Teimnehmer bekommen ein vermeintlich tolles Angebot! Wenn sie einer wildfremden Person in einer Gruppe 500 Euro schenken, bekommen sie am Ende ein Vielfaches dafür zurück. Das funktioniert jedoch nur nach klassischem Schneeballsystem, indem eine bestimmte Anzahl weiterer Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Schenkkreis rekrutiert werden. Diese sollen dann selbst das Startgeld investieren, was in die obere Instanz geleitet wird. Warum das nicht funktionieren kann und nur die Initiatoren gewinnen, erklären wir in DIESEM ARTIKEL.

Network-Marketing vs. Schneeballsysteme

Ein weiterer wichtiger Begriff in diesem Umfang ist das „Network-Marketing“. Network-Marketing ist eine Form des Direktvertriebs und im Gegensatz zum Schneeballsystem nicht illegal. Es kommt jedoch häufig zu Verwechslungen, da beide Systeme gewisse Ähnlichkeiten innehaben. Diese liegen vor allem im Aufbau der Vertriebsstruktur, die durchaus pyramidal sein kann. Denn parallel zum Verkauf der Produkte besteht auch immer wieder die Möglichkeit, selber neue Vertriebler zur Erweiterung der Vertriebsstruktur anzuwerben. Diese stehen dann „unter“ dem Anwerber. Es gibt durchaus auch Firmen, die bewusst in einer Grauzone zwischen Schneballsystem und Network-Marketing arbeiten.

Dennoch sind die Unterschiede deutlich, denn beim Network Marketing geht es nicht primär darum, jemanden zu suchen, der unterhalb in der Pyramide steht und Geld in das System pumpt. Beim Network-Marketing spielt der Vertrieb eines Produktes eine wesentliche Rolle. Aber auch beim Network Marketing können hier Fallen lauern, die am Ende Bauchschmerzen bereiten können.

Beim Network Marketing geht es stark um den Vertrieb von Produkten. Welche Qualität diese Produkte haben, ist nicht immer sicher. So gibt es Produktlinien und Produkte mit einer angemessenen Qualität und auch einem angemessenen Preis. Das geht dann völlig in Ordnung. Aber es gibt auch Firmen, die Schund vertreiben. Das System hält sich dann häufig über Wasser, indem zwischenmenschliche Beziehungen ausgenutzt werden (dazu im Absatz „Social Selling: Warum sich Freunde von dir abwenden könnten!“ mehr). Der große Unterschied liegt also darin, dass bei dem Network Marketing am Ende wirklich ein reales Produkt verkauft wird. Beim Schneeballsystem geht es grundsätzlich nur darum, Geld von unten nach oben in ein System zu pumpen und selbst Menschen zu suchen, die wiederum unterhalb der Struktur stehen, und Geld hineinpumpen.

Dennoch können bei beiden Systemen Probleme auftreten! Und zwar gibt es finanzielle Fallen, aber zwischenmenschliche Probleme!

Investitionen im System

Gerade im Network-Marketing geht nicht primär darum, Personen unterhalb in der „Nahrungskette“ zu suchen. Dieses System will ja Produkte vertreiben. Diese Produkte können verschiedener Gattung sein. Das können beispielsweise Haushaltsgegenstände, Parfümerieprodukte oder irgendwelche Finanzprodukte sein. Der Ansatz liegt in vielen Fällen darin, dass die neu rekrutierten Personen (gerne Vertriebler genannt) zunächst entweder ein Starter-Kit kaufen müssen oder gar teure Seminare besuchen müssen, um ein sich ein Grundwissen aneignen zu sollen.

Dieses Starter-Kits können überteuert sein oder aus Produkten mit schlechter Qualität bestehen. Generell kann die gesamte Produktlinie aus eher zweifelhaften Produkten bestehen, die nun durch die neuen Vertriebler im Direktvertrieb verkauft werden müssen.

Die vorausgegangenen Seminare können es dabei in sich haben, denn die können teilweise sehr teuer sein. Die Rekruten müssen also hier in Vorleistung gehen. Auf den Seminaren finden dann verschiedene Motivationseinheiten statt, sodass die Rekruten Feuer fangen sollen für das Produkt. Häufig ist die Rede von „Persönlichkeitsentwicklungsseminaren“. Entsprechend soll auch diese Begeisterung auf die potenziellen Kunden übertragen werden, wo durchaus auch neue Vertriebler rekrutiert werden können.

Wir sehen also die erste Gefahr dieses Systems: Durch eine Erstinvestition in Starter-Kit oder Seminar geben die neuen Vertriebler Geld aus, dass sie hereinholen müssen. Eine Art der finanziellen Zwangssituation entsteht an dieser Stelle. Die neuen Vertriebler müssen also dafür sorgen, die jeweiligen Produkte zu verkaufen, um das entstandene Finanzloch wieder zu füllen. Eine nicht unbedingt angenehme Startsituation. Wer diesen Start nicht schafft, bleibt auf den Kosten sitzen.

Häufig werden die neuen Mitarbeiter auch mit speziellen Ködern angezogen. Ganz vorne in der Liste ist der Firmenwagen oder vergünstigte Leasingangebote für einen solchen Wagen. Dahinter steckt dann die Idee der Bindung, wenn erstmal solche Leasingverträge unterschrieben sind. Und daraus entsteht dann das zweite Problem. Durch die Zwangssituation und die Motivationsseminare wird eine (Über-)Motivation aufgebaut. Im Maximalfall findet auf diesen Seminaren eine Art Brainwashing statt und die neuen Vertriebler werden quasi auf Firma und Produkt eingenordet .

Social Selling: Warum sich Freunde von dir abwenden könnten!

Network-Marketing und auch Schneeballsysteme setzen gerne auf das Prinzip des Social Sellings. Dieser Begriff ist recht einfach erklärt. Beide Systeme setzen darauf, dass die Vertriebler bzw. die Teilnehmer die Produkte oder das System guten Bekannten und Freunden weiterempfehlen.

Hier kommt nun ein psychologischer Effekt ins Spiel, denn die neuen Kunden oder Rekruten gehen ja davon aus, dass ihre eigenen Freunde ihnen nichts Schlechtes empfehlen. Doch das ist häufig ein Irrglaube! Denn aus der Not heraus, ihr investiertes Kapital wieder hereinzuholen, werden genau diese privaten Verbindungen genutzt. Die Übermotivation zu einem Produkt kann ebenfalls dazu führen, dass die jeweiligen Vertriebler dieses Produkt unbedingt ihrem Freundeskreis aufdrängen wollen.

Im Schneeballsystem ist es recht ähnlich, denn die eigenen Freunde und der eigene Bekanntenkreis ist natürlich der erste Zugang. Hier herrscht ein gewisses Grundvertrauen und somit auch eine größere Chance, dass diese Personen selbst an dem System teilnehmen. Sehr ähnlich sieht es auch bei der Suche nach neuen Vertrieblern aus. Diese können durchaus auch im eigenen Bekanntenkreis rekrutiert werden und dann ebenfalls in das System einsteigen.

An dieser Stelle möchte ich gar nicht erst auf das illegale Schneeballsystem schauen (was am Ende wahrscheinlich immer zu zerstörten Freundschaften und Beziehungen führt), sondern einfach mal auf das legale Network-Marketing.

Hier wird es häufig als lästig empfunden, wenn im eigenen Freundeskreis Personen immer wieder darauf drängen, ihre Produkte verkaufen zu wollen. Das kann zu unangenehmen Situationen führen, denn ich möchte dem eigenen Freund oder der eigenen Freundin jaus Höfligkeit nicht direkt ins Gesicht sagen, dass sie mich mit ihren Produkten und ihrer Übermotivation in Ruhe lassen sollen. Dies muss also am Ende nicht direkt zu Konflikten führen, sondern kann in einem stillen Rückzug aus der Freundschaft oder einer Verminderung des Kontakts enden.

Daher sollte immer genau abgewogen werden, ob und wie weit das Social selling in Freundschaften und Bekanntschaften hineingehen sollte. Nutze ich am Ende wirklich nur meine Kontakte aus? Nerve ich vielleicht meine Freunde und Verwandte? Oder versuche ich meinen Absatz doch dann am Ende entfernt von Freunden und Verwandten? Diese Fragestellungen können wir natürlich nicht beantworten, sondern das liegt immer im Ermessen des vertrieblers oder der vertrieblerin selbst.

Kommen wir zum Abschluss

Es geht in keiner Weise darum, Direktmarketing-Systeme schlecht zu reden. Wichtig ist jedoch der Unterschied zwischen Schneeballsystemen und Direktmarketing-Systemen. Dennoch wir raten natürlich zur Vorsicht, wenn du aus heiterem Himmel auf Social Media von unbekannten Menschen angeschrieben wirst. Wenn sie dir Jobs mit guter Bezahlung und wenig Arbeit versprechen, solltest du skeptisch werden.

Prüfe vorher gut, ob du auf diese Angebote eingehen möchtest. Schaue genau, welches System dahinter steckt. Prüfe genau, ob dieses System legal ist. Wenn ja, dann schau aber auch, ob du in diesem System teilnehmen möchtest. Nimm dir die Zeit, gehe nichts überstürzt ein. Schau genau, welche Investitionen sich lohnen oder ob es sich bei bestimmten Vorauszahlungen vielleicht um eine Abzocke handelt. Das möchten wir dir mit auf den Weg geben.

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