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Freitag, 22 Oktober 2021

Die vorgebliche „Pathologie-Konferenz“ – Eine reine Schau-Veranstaltung

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Für viel Aufruhr sorgte in den letzten Tagen eine vorgebliche „Pathologie-Konferenz“. Doch sind die Behauptungen ernstzunehmen?

Das Video jener „Pathologie-Konferenz“ kursiert auf diversen Plattformen. In dem über eine Stunde langen Video, welches Wasserzeichen der „Stiftung Corona Ausschuss“ und von „OVALmedia“ trägt, sitzen drei Männer in einem Raum vor einer kleinen Anzahl an Zuhörern und berichten über (nach eigenen Angaben) eigene Untersuchungen, die ergaben, dass wahrscheinlich viele Personen kausal an den COVID-19 Impfungen verstorben seien.

Im Folgenden gehen wir auf die Akteure in dem Video, die angegebenen Organisationen und die einzelnen Behauptungen ein. ___STEADY_PAYWALL___

Die Teilnehmer

Prof. Dr. Arne Burkhardt
Er studierte von 1963 bis 1969 Medizin, war von 1991 bis 2008 Chefarzt des Instituts für Pathologie der Kreiskliniken Reutlingen, ab 2015 Pathologe in der Überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft Kaufbeuren-Ravensburg.

Prof. Dr. med. Walter Lang
Ein Pathologe aus Hannover, hatte langjährig ein eigenes pathologisches Institut mit den Schwerpunkten Transplantationspathologie, extragynäkologische Zytologie, Schilddrüsen- und Lungenpathologie.

Prof. Dr. Werner Bergholz
Ehemaliger Professor für Elektrotechnik. Im Mai 2021 erlangte er Bekanntheit, als er sich vor dem Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestag in einer Stellungnahme vehement gegen Antigen-Schnelltests an Schulen aussprach (siehe HIER, PDF-Datei), deren Nutzen nicht erkennbar sei, stattdessen angeblich gesundheitliche Risiken für die Schüler bergen.

Der Ort

Als Ort der „Pathologie-Konferenz“ wird ein „Pathologisches Institut Reutlingen“ angegeben. Dies klingt zwar recht offiziell, ist es aber nicht: Ein Institut mit dem Namen existiert nicht. Was es allerdings gibt, ist das Institut für Pathologie am Klinikum in Reutlingen, welches allerdings nichts mit der „Pathologie-Konferenz“ zu tun hat.

Der wahrscheinlichste Ort für die Räumlichkeiten, in denen die Konferenz stattfindet, ist das „Institut für Pathologie“ in Kaufbeuren. Sehr bezeichnend: Derzeit findet man Burkhardts Namen nirgendwo auf der Webseite, die Historie der Praxis wird augenscheinlich überarbeitet (siehe HIER, archiviert), doch noch im März 2021 fand sich an der Stelle eine sehr ausführliche Historie (siehe HIER, archiviert), wonach im Jahr 2016 die Pathologie-Praxis von Herrn Prof. Dr. Arne Burkhardt in das Institut integriert wurde.

Im März 2021 war auch Prof. Dr. med. Arne Burkhardt noch als angestellter Facharzt aufgeführt, inklusive Lebenslauf (siehe HIER, archiviert), diese Seite wurde mittlerweile gelöscht. Burkhardt war demnach als Oralpathologe (Erkrankungen des Mundraums) tätig.

Teil 1: Die Behauptungen zu den Todesfällen

Auf der Konferenz stellte Burkhardt die Obduktionsergebnisse von 10 Menschen vor, die nach einer Impfung gegen COVID-19 gestorben sind – laut seiner Behauptung als direkte Folge der Impfung.
Laut der Präsentation sind dies die Daten der untersuchten Personen:
  1. weiblich, 82 Jahre, 1. und 2. Impfung Moderna, Tod nach 37 Tagen, Todesursache: Rhythmogenes Herzversagen, Lungenfibrose
  2. männlich, 72 Jahre, 1. Impfung Comirnaty, Tod nach 31 Tagen, Todesursache: Rhythmogenes Herzversagen
  3. weiblich, 95 Jahre, 1. und 2. Impfung Moderna, Tod nach 68 Tagen, Todesursache: Lungeninfarkt, Rechtherzversagen, Multiorganversagen
  4. weiblich, 73 Jahre, 1. Impfung Comirnaty, Todeszeitpunkt unbekannt, Todesursache: Multiorganversagen, unklarer Infektions-Fokus
  5. männlich, 54 Jahre, 1. Impfung Janssen, Tod nach 65 Tagen, Todesursache: Unklar, finale Aspiration
  6. weiblich, 55 Jahre, 1. und 2. Impfung Pfizer, Tod nach 11 Tagen, Todesursache: Herzdilatation, kardiale Dekompensation bei Herzhypertrophie
  7. männlich, 56 Jahre, 1. und 2. Impfung Comirnaty, Tod nach 8 Tagen, Todesursache: Frischer Myokardinfarkt
  8. männlich, 80 Jahre, 1. und 2. Impfung Pfizer, Tod nach 37 Tagen, Todesursache: Herzinfarkt
  9. weiblich, 89 Jahre, 1. und 2. Impfung unbekannt, Tod nach 6 Monaten, Todesursache: Frische Thrombose der Art. Mesenterica superior, Mesenterialischämie, Multiorganversagen, Schockgeschehen
  10. männlich, 62 Jahre, Impfstatus unbekannt, Tod nach 20 Tagen, Todesursache: Aortenruptur der Aorta ascendens, Herzbeutel-Tamponade

Bei den Fällen 1, 3, 4, 6 und 7 wertet Burkhardt die Impfung als Todesursache als „Sehr wahrscheinlich“, bei den Fällen 5 und 9 als „wahrscheinlich“, bei Fall 2 als „unklar, möglich“, bei Fall 8 als „nicht nachweisbar/nicht ausgewertet“ und bei Fall 10 als „eher zufällig“.

Die pathologischen Untersuchungen wurden Burkhardt aus Deutschland und Österreich zugesandt, die Untersuchungsmethoden wurden nicht genannt. Ebenso wurde nicht angegeben, welche eventuellen Vorerkrankungen vorlagen oder ob andere, klinisch relevante Ereignisse bei den Verstorbenen stattfanden.

Die häufigste Diagnose bei nach einer Impfung verstorbenen Patienten sei eine lymphozytäre Myokarditis (Herzmuskelentzündung).

Die Beweisfotos zu den Todesfällen

Diese sind in dem Video nur schwer erkennbar, in der Präsentation jedoch (siehe HIER, PDF-Datei) gut sichtbar, beispielsweise die mutmaßliche Gewebeprobe von Fall 6:

Eine der präsentierten Gewebeproben
Eine der präsentierten Gewebeproben

Laut Burkhardt und Lange soll es demnach zu abnormalen Ansammlungen weißer Blutkörperchen in allen Organen gekommen sein. Ursache seien die Impfstoffe, die Entzündungen verursachten, Burkhardt nennt es einen „Lymphozyten-Amok“.

Die Bewertung zu den Todesfällen

Konrad Steinestelklinischer Direktor des Instituts für Pathologie im Bundeswehrkrankenhaus Ulm, kritisiert die gezeigten Gewebeproben. Demnach seien abgeschilferten Endothelzellen im Gefäßlumen zusammen mit Erys typisch bei Autopsien. Auch zeigen die Lungenbefunde keine Gefäßentzündungen, sondern Lymphfollikel (kugelige Kolonien von B-Lymphozyten), die vorkommen können, zudem seien die gezeigten Riesenzellen pathognomonisch (charakteristisch) für eine Hypersensitivitätspneumonie (Lungenkrankheit mit Atemnot und Husten).

Die Einschlüsse in den Riesenzellen seien Negativabdrücke von bei der Fixierung herausgelösten Cholesterinkristalle, was ein typisches Regressionsartefakt sei. Steinestel bemängelt zudem, dass auf den gezeigten Fotos keine Nachweise der Impfstoffbestandteile, beispielsweise des durch die Impfungen im Körper erzeugten Spike-Proteins, sichtbar sind, welche ja in dem Falle als Nachweis eines kausalen Zusammenhangs wichtig seien.

Eine Studie, in der behauptet wurde, dass in 1 von 1.000 Fällen es nach einer COVID 19-Impfung zu Herzmuskelentzündungen kommen könnte, wurde zudem wegen falscher Berechnungen von den Autoren selbst zurückgezogen.

Zwar traten nur in sehr seltenen Fällen Herzmuskelentzündungen nach Impfungen auf (nach einer COVID-19 Erkrankung häufiger), dies jedoch bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 29 Jahren – nicht in den Altersgruppen, die in der Konferenz genannt werden (jüngster Patient: 54 Jahre, älteste Patientin: 95 Jahre).

Zudem traten diese Herzmuskelentzündungen innerhalb von 2 Wochen nach der Impfung auf, häufiger nach der zweiten Impfung, während die Zeiträume der in der Konferenz genannten Patienten zum größten Teil zwischen 37 Tagen und 6 Monaten liegen.

Die „Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.“ distanziert sich scharf von den Aussagen in dem Video. Es handele sich um persönliche Meinungsäußerungen der beiden Pathologen und des Elektrotechnikers, die präsentierten Daten seien zudem nicht wissenschaftlich fundiert.

Zwar schließe die DGP Komplikationen nach Impfungen nicht aus, jedoch sei ihnen bislang keine auffällige Korrelation von Todesfällen im Zusammenhang mit der COVID-19-Impfung bekannt.

Deutlicher wird die österreichische Forscherin und Wissenschaftskommunikatorin Sylvia Kerschbaum-Gruber auf Instagram: „Einen verantwortungsloseren BULLSHIT habe ich selten gesehen“. Auch sie weist darauf hin, dass zumindest das Spike-Protein in den Gewebeproben problemlos hätte eingefärbt werden können, um einen Kausalzusammenhang zu beweisen.

Ebenso kritisiert sie, dass die beiden Pathologen und der Elektrotechniker ihre Studien und Ergebnisse keinen anderen Wissenschaftlern zum Peer Review freigaben – sprich: Niemand aus der Wissenschaftswelt kann deren Behauptungen überprüfen, doch wie bereits oben geschrieben, lassen alleine die Fotos der Gewebeproben bereits an deren Aussagen zweifeln.

Teil 2: Die angeblich verunreinigten Impfstoffe

Auf der Konferenz wird die Frage aufgeworfen, ob sich Mikrochips, Graphenoxid und/oder Aluminium-Verbindungen sowie Edelstahl in den Impfstoffen befinden, zu den Behauptungen veröffentlichten wir bereits mehrere Artikel (siehe z.B. HIER und HIER).

Richtig ist, dass in Japan tatsächlich verunreinigte Impfdosen in drei Chargen von Moderna entdeckt wurden, die aus einem spanischen Werk des Konzerns Rovi stammen. Die japanischen Behörden zogen daraufhin mehr als 2,6 Millionen Impfdosen zurück, der Tod zweier Männer, die Dosen aus den verunreinigten Chargen bekommen haben, wird derzeit untersucht.

Die Behauptung Burkhardts, dass die Firma wahrscheinlich auch Impfstoffe nach Deutschland geliefert hat, ist falsch, wie die „Welt“ recherchierte. Das Paul-Ehrlich-Institut erklärte, dass alle Impfstoffe, die in Deutschland verabreicht werden, der staatlichen Chargenprüfung unterlägen, es aber bisher keine Beanstandungen gegeben habe.

Die Teilnehmer der Konferenz hätten selbst die Impfstoffe der diversen Hersteller untersucht und hätten dabei kasten- und fadenförmige Elemente darin entdeckt.

Angeblich gefundene Fremdkörper
Angeblich gefundene Fremdkörper

Auch bei diesen Fotos ist schwer zu beurteilen, was da nun genau gefunden wurde, beispielsweise wurde weder im Video, noch in der Präsentation angegeben, in welcher Vergrößerung die Fremdkörper aufgenommen wurden, auch wurde anscheinend nie untersucht, was genau diese Fremdkörper sind, einzig Edelmetalle wurden in der Konferenz ausgeschlossen.

Die Bewertung zu den Fremdkörpern

Winzigste Partikel aller Art finden sich tatsächlich in Impfstoffen, wie beispielsweise ein Artikel auf Plos One aufzeigt (siehe HIER). Dabei handelt es sich um für das menschliche Auge unsichtbare Partikel in einer Größe von 0,005 Millimeter bis 0,05 Millimeter, die für den menschlichen Körper nicht gefährlich sind.

nicht-sichtbare Partikel in einem Impfstoff
nicht-sichtbare Partikel in einem Impfstoff, Quelle: Plos One

Doch die Frage ist noch offen, wie groß denn nun die angeblich gefundenen Partikel in den Impfstoffen waren. In einem mittlerweile gelöschten Tweet, der einen Ausschnitt aus der längeren Version der Konferenz enthielt, erfahren wir es:

Die angebliche Größe der gefundenen Partikel
Die angebliche Größe der gefundenen Partikel

So seien die Partikel bis zu 0,5 Millimeter groß gewesen.

Nun aber der Clou: Standardmäßig werden bei den COVID-19 Impfungen sogenannte 25-G-Nadeln verwendet. Das G steht für Gauge, eine Maßeinheit für den Außendurchmesser von Kanülen, wobei gilt: je größer die Gauge, umso kleiner der Durchmesser.

Eine 25-G-Nadel hat einen Außendurchmesser von 0,5 Millimeter, der Innen-Durchmesser beträgt höchstens 0,3 Millimeter. Die angeblich gefundenen Partikel würden somit nicht einmal durch die Kanüle der Impfspritze passen.

Im Endeffekt lässt sich nicht sagen, ob die Aufnahmen der Partikel tatsächlich aus Impfstoffen stammen, auch hierzu legen die Teilnehmer der Konferenz keinerlei wissenschaftlich nachvollziehbaren Belege vor.

Fazit

Die sogenannte „Pathologie-Konferenz“ wurde von der „Stiftung Corona Ausschuss“ veranstaltet, die schon mehrmals durch Falschbehauptungen von sich Reden machte (siehe beispielsweise HIER), eines der vier Mitglieder des Ausschusses ist Dr. Reiner Fuellmich, der zuletzt einen „neuen Nürnberger Prozess“ anstrebte (siehe unseren Artikel dazu HIER).

Prof. Dr. med. Arne Burkhardt ist auch Mitglied der „Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie, e.V.“, einem Verein, der im allgemeinen die Corona-Pandemie verharmlost, und zu dessen Mitgliedern auch Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi und Prof. Dr. Stefan Homburg zählen, die beide ebenfalls falsche Behauptungen über die Pandemie und das SARS-CoV-2 verbreiteten.

Die auf der Konferenz dargelegten Beweise können nicht wissenschaftlich verifiziert werden, auch wurden weder auf der Konferenz, noch in irgendeinem Fachmagazin, Beweise für die Behauptungen vorgelegt. Stattdessen gibt es aber viele kritische Stimmen, die die Behauptungen anzweifeln.

Im Endeffekt handelte es sich bei der „Pathologie-Konferenz“ nur um eine Schau-Veranstaltung, die keinen wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Es ist davon auszugehen, dass aus diesem Grund auch die Konferenz zuerst nur auf YouTube erschien, jedoch keinerlei detaillierte, schriftliche Untersuchungsergebnisse veröffentlicht wurden.

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