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Nein, auf Pflanzensamen spucken erzeugt kein individuelles Superfood!

Ralf Nowotny, 25. Februar 2021
Nein, auf Pflanzensamen spucken erzeugt kein individuelles Superfood!
Artikelbild: Shutterstock / Ron Leishman / Dionisvera

Gentechnik mal ganz einfach: Auf nen Pflanzensamen spucken, schon bekommt man Superfood. Und das soll funktionieren?

Ein Sharepic ging vor geraumer Zeit schonmal um und ist nun neu bebildert aufgetaucht:
Angeblich sind Pflanzen so intelligent, dass sie die menschliche DNA lesen und in ihrem eigenen Wachstum berücksichtigen können. Das Ergebnis sei dann individuelles Superfood.

Um dieses Sharepic handelt es sich:

Superfood durch Spucke?
Superfood durch Spucke?

Demnach sind Pflanzen superintelligent. Spuckt man auf den Samen einer essbaren Pflanze, wird etwas mysteriöses geschehen:
The Pflanze liest die DNA des Menschen aus der Spucke und strukturiert daraus eine eigene genetische Blaupause, um ein Superfood wachsen zu lassen, welches individuell auf die Defizite und die Bedürfnisse des Spuckers ausgerichtet ist.

So funktioniert das nicht!

Erst einmal enthält die DNA zwar wahnsinnig viele Informationen, jedoch nichts über die Mängel oder die spezifischen Bedürfnisse eines Menschen. In der DNA findet man Informationen wie „der hat blaue Augen“, aber nicht etwas wie „der braucht unbedingt mehr Vitamin B“, denn auf solche Dinge reagiert der Organismus, ist aber nicht in der DNA festgelegt.

Zudem geraten sehr viele Samen in direkten Kontakt mit Tier-DNA, beispielsweise durch Tiere, die Pflanzen fressen und die Samen unverdaut wieder ausscheiden (eines der vielen Verbreitungsstrategien mancher Pflanzen). Trotzdem verändern die Pflanzen dadurch ihre DNA nicht so, dass sie perfekt beispielsweise auf Regenwürmer zugeschnitten sind – was auch ziemlich dämlich wäre, schließlich wollen Pflanzen ja nicht unbedingt gefressen werden.

Was sagen Experten?

Die Faktenchecker der AFP wollten es trotzdem genauer wissen und befragten einige Experten zu jener Behauptung.

Die Botaniker Dr. David Orlovich und Dr. David Burritt, beide außerordentliche Professoren an der University of Otago in Dunedin, Neuseeland erläutern in einer gemeinsamen Erklärung, dass es „keinen biologischen Mechanismus gibt, durch den so etwas passieren kann“.

„Die DNA selbst wird nicht durch Umwelteinflüsse wie „Mangel oder Bedarf“ beeinflusst, vielmehr reagiert der menschliche Körper selbst auf Nährstoffmangel, Bedarf usw.
Es gibt keinen biologischen Mechanismus, durch den die Pflanzen-DNA über die menschliche DNA den Nährstoffbedarf eines Menschen erkennen kann.“

Die Gartenbau-Expertin Dr. Robyn Cave von der University of Queensland:

„Während es üblich ist, dass Samen in Kontakt mit tierischer DNA kommen, gibt es keinen natürlichen Austausch von genetischen Informationen zwischen diesen beiden sehr entfernt verwandten Organismen.

Angesichts der großen Menge an tierischer DNA, der eine Pflanze während ihres Lebenszyklus begegnet (z. B. Regenwürmer, Insekten, Vögel), wäre es für eine Pflanze nicht machbar, sich so zu entwickeln, dass sie tierische Nährstoffdefizite erkennen und ihr Wachstum verändern könnte.“

Fazit

Die Behauptung ist absoluter Humbug – Pflanzen können die menschliche DNA nicht auslesen, noch weniger könnten sie darin Defizite oder Mängel erkennen. Wäre dies möglich, bräuchten wir sehr viel weniger Labore; wir könnten die DNA einfach durch Pflanzen auswerten lassen.

Ganz abgesehen davon, enthält die Behauptung einen gravierend logischen Fehler:
Da sogenannte GMOs (genetically modified organisms), also genetisch veränderte Organismen furchtbar gerne in diversen Kreisen abgelehnt werden, müssten sie konsequenterweise auch auf diese Methode verzichten.

Denn wenn dies funktionieren würde, hätte man buchstäblich eine genetisch modifizierte Pflanze. Und das ist doch böse, oder? 😉

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