Faktencheck

„Why not peace with Hitler?“ – Keine echte Antikriegsdemo im Jahr 1941

Auf einem Sharepic ist das Bild einer Demonstration in den USA von 1941 zu sehen, auf den Schildern wird unter anderem „Frieden mit Hitler“ gefordert. Doch das Foto ist nicht echt, die Demonstration wurde für eine Kriegs-befürwortende Dokumentation inszeniert.

Ralf Nowotny, 25. Mai 2022

Die Behauptung

Ein Foto einer Demonstration von 1941 soll zeigen, dass die politische Linke mit teilweise bizarren Sprüchen wie „Why not peace with Hitler?“ auf den Plakaten demonstrierte.

Unser Fazit

Das Foto ist nicht echt, die Demonstration wurde für eine Kriegs-befürwortende Dokumentation inszeniert.

Während der Krieg Russlands gegen die Ukraine tobt, finden sich auch viele Stimmen, die fordern, dass man mit Putin verhandeln müsse, anstatt der Ukraine Waffen zu liefern, um ihr Land zu verteidigen. Während politisch linke Parteien wie die Grünen für Waffenlieferungen sind, versucht sich die AfD als Friedenspartei und ist gegen Waffenlieferungen.
Ähnlich gegenseitige Ansichten gab es während des Zweiten Weltkriegs in den USA, aber mit umgekehrten Rollen: Ein Foto einer Demonstration soll zeigen, dass die politische Linke mit teilweise bizarren Sprüchen wie „Why not peace with Hitler?“ (Warum mit Hitler nicht Frieden schließen?) auf den Plakaten demonstrierte.
Doch diese Demo wurde inszeniert.

Das Sharepic

Dieses zeigt ein Schwarz-Weiß-Bild einer Demonstration:

Die Demonstration von 1941
Die Demonstration von 1941

Die Beschreibung: „Liberals defending Hitler, New York City – December, 1941
Auf den Plakaten ist zu lesen: „Hitler has not attacked us. Why attack Hitler?“, „Why not peace with Hitler?“ und „Europe for Europeans, America for Americans“.

Die Quelle des Fotos: Ein Video

Einig ist man sich wohl nur bei dem Jahr, 1941, denn bei dem Monat, in dem die Fotos (ja, es gibt mehrere) entstanden sein sollen, scheiden sich bereits die Geister: Spielt die Szene denn nun im Dezember (wie auf dem obigen Sharepic) oder im Juli 1941?

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Die Lösung: Der Schreiber des Tweets hat recht, tatsächlich entstanden die Szenen am 17. Juli 1941 in New York. Ein Video davon war für 19 Sekunden in einer Folge von „March of Time“ zu sehen, einer US-amerikanischen Wochenschau- und Dokumentarfilmreihe, die von 1935 bis 1951 in englischsprachigen Kinos gezeigt wurde.

Die damalige Folge hieß „Peace by Adolf Hitler“ und war insgesamt 18 Minuten lang, 19 Sekunden davon zeigten diese Demonstration. Politiker wie Senator Burton K. Wheeler bezeichneten die „March of Time“-Sendungen damals als „kriegstreibende Propaganda“.

Das Video war gestellt

Diese Demonstration ist auch auf YouTube zu finden, doch hier wird es nun merkwürdig: Es geht nämlich 6 Minuten lang und zeigt aus der nahezu gleichen Kameraperspektive immer eine ähnliche Szenerie.

So sieht man die Demonstranten nicht nur, wie sie erst stehen, dann die Schilder hochhalten und anfangen zu gehen, sondern es sind auch immer wieder die gleichen Passanten zu sehen, die mal von vorne, mal von hinten zu sehen sind.

Die gleiche Passantin in verschiedenen Szenen

Merkwürdigerweise sollte doch von einer solchen Demonstration in New York doch wenigstens etwas in der Zeitung stehen, oder? Im Archiv der „New York Times“ haben wir allerdings keinen Artikel dazu finden können. Was wir jedoch finden konnten, war die Quelle des YouTube-Videos mit den verschiedenen Szenen, und zwar hier: Im digitalen United States Holocaust Memorial Museum.

Und dort steht, wie bereits durch das Video deutlich wird, ebenfalls, dass die Demonstration gestellt ist, also nie stattgefunden hat. Sie wurde einzig und alleine nur für die Serie „March of Time“ gedreht, von dem 6 Minuten langen Filmmaterial wurden dann 19 Sekunden für eine Folge verwendet.

Fazit

Es sind keinerlei Nachweise zu finden, dass es nicht doch irgendwann eine Demonstration mit ähnlichen Schildern gegeben hat. Die Demonstration auf den Bildern bzw. in dem Video ist jedoch gestellt, und das für eine Serie, welche vom Prinzip her sehr für Amerikas Eintritt in den Zweiten Weltkrieg war, weswegen durchaus davon ausgegangen werden kann, dass mit den gestellten Szenen die politische Linke ein wenig lächerlich gemacht werden sollte.

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
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