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PCR-Test weist keine Infektion nach? Das Posting eines Arztes.

Andre Wolf, 11. März 2021
PCR-Test weist keine Infektion nach? Das Posting eines Arztes.
PCR-Test weist keine Infektion nach? Das Posting eines Arztes.

„Der PCR-Test kann doch gar nichts nachweisen!“ Diese Aussage lesen wir häufig auf Social Media. Damit sollen die hohen Infektionszahlen als falsche Zahlen relativiert werden.

Im Grunde handelt es sich also um nichts anderes als eine Kommunikations- und Abwehrstrategie, wenn einem PCR-Test eine Aussagefähigkeit zugesprochen wird. Und genau das wird in einem Posting thematisiert, das wie ein Kettenbrief auf Social Media verbreitet wird.

In dem Posting wird behauptet, dass es die Antwort eines Prof. Dr. med. Franz Blaes (Facharzt für Neurologie in Gummersbach) sei. Das Besondere an dieser Antwort ist die Ironie, die entlarvend gegen die Falschaussage über den PCR-Test angewendet wird.

Der Inhalt des Textes über den PCR-Test:

Brillant:
Zu den angeblich fehlerhaften PCR-Test (Argument der Corona-Leugner): Prof. Dr. med Franz Blaes (Facharzt für Neurologie in Gummersbach) auf die Aussage, der PCR-Test weise keine Infektion nach, schreibt:
———————————
“Frau XYZ,
nein, kann ein PCR-Test nie. Es gibt auch keine Leute, die PCR quantifizieren und dann Studien zur Infektiosität der entsprechenden Materialien machen und Tests entsprechend validieren.

Das ist eine Illusion, weil diese Kollegen ja nicht auf Facebook sind, sondern nur in der realen Welt. Also sind auch die etwa 150 Studien bei der Hepatitis B und C, wo man das genau korrelieren kann, völliger Unfug. Die lügen bestimmt alle und sind von Herrn Drosten gekauft.

Auch die Lungenfachärzte mit ihrer Tbc-PCR behandeln völlig unnötig Menschen, die nur Bruchstücke von Mycobakteriengenom in sich tragen. Und die Multiplex-PCR Tests bei Kindern und Erwachsenen mit Hirnhautentzündung sind natürlich Quatsch. Auch die messen nur Bruchstücke. Also falls ihr Kind mal eine Hirnhautentzündung hat und auf der Intensivstation liegt – verweigern Sie jede Behandlung, bis zum Nachweis lebender Viren oder Bakterien und verlassen Sie sich auf keinen Fall auf einen PCR Befund (ich schicke auch gerne eine Beileidskarte).

Und die Infektionsdiagnostik für HSV1 und -2 oder VZV, die wir Neurologen machen, um entsprechende Entzündungen des Gehirns nachzuweisen, sind natürlich völliger Unsinn. Da schwimmen ja nur zufällig Virusgenome im Liquor, wahrscheinlich haben diese Patienten etwas völlig anderes, und sprechen auch nur rein zufällig auf die virostatische Therapie an.
Übrigens bei den Antikörpertests ist das auch nicht anders – wir weisen damit kein Bakterium oder Virus nach, noch nicht mal ein Protein, sondern nur ein Bruchstück des Proteins, ein einziges kleines antigenes Epitop. Somit ist auch die gesamte serologische Virusdiagnostik völliger Unfug. Das heißt Leute, die Antikörper gegen HIV haben, sind auch nicht HIV positiv und infektiös, die haben nur zufällig ein paar gleiche antigene Epitope im Blut herumschwimmen.

Übrigens – auch ein Teil der Schwangerschaftstests weist kein gesamtes beta-HCG Molekül nach, sondern nur ein Bruchstück. Also keine Angst, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist, er ist bestimmt nur falsch positiv, weil ja gar keiner das ganze Molekül nachgewiesen hat.

Sie sehen an diesen Beispielen, dass also alles was wir in den letzten 25 Jahren in der klinischen Infektiologie, Virologie, Immunologie und Labormedizin gemacht haben, völliger Unfug ist.

Und das ist das einzig gute an Corona. Während wir mit einer medizinischen und teilweise auch einer wissenschaftlichen Ausbildung ernsthaft an publizierte wissenschaftliche Daten geglaubt haben, lernen wir jetzt endlich von Facebook-Spezialisten, dass die gesamten in den letzten 25 Jahren benutzten PCR Tests völlig anders zu interpretieren sind. Also danke für Ihren Hinweis und falls Sie etwas Zeit erübrigen könnten – meine Kollegen auf der Infektionsstation unseres Krankenhauses lernen da auch gerne dazu. Wir laden Sie sehr gerne zum Vortrag ein. Auch sollten Sie bei PubMed (Datenbank medizinischer Fachpublikationen) intervenieren.

Zum Themenbereich Infektiosität und PCR nachweise existieren dort aus den letzten 30 Jahren (Stand jetzt) 9.983 Studien, an denen etwa 50.000 Wissenschaftler beteiligt waren. Denen sollten Sie mitteilen, dass sie alle einem Irrtum unterliegen.“

Herkunft des Postings

Bei Kettenbriefen tauchen ja gerne Mal Angaben irgendwelcher MedizinerInnen auf, denen der Text dann nachgesagt wird. Wir haben uns daher auf die Suche nach dem genannten Prof. Dr. med. Franz Blaes gemacht und ihn auch gefunden.

Ja, dieser Text stammt von ihm und er wird auch immer wieder auf einen Text angesprochen. Ursprünglich handelte es sich jedoch nicht um ein eigenständiges Posting, sondern um einen Kommentar. Diese hat Blaes unter den Post eines (so sagt er) „Facebook-Hobby-Virologen“ geschrieben. Im Oktober 2020 veröffentlichte er den Inhalt auch als Posting auf seinem Facebook-Profil (hier). Franz Blaes gibt jedoch zusätzlich noch ein paar Bemerkungen zu seinem Text:

1. Die Frage, bei wem ein PCR Test erfolgen soll, wurde in meinem Kommentar nicht adressiert. Ich persönlich halte zumindest anlasslose Massentests mit Hilfe der PCR für nicht zielführend. Das Testen von Verdachtsfällen und direkten Kontaktpersonen halte ich für sinnvoll. Die erste Frage und die Frage, wie die neuen Antigentests am sinnvollsten eingesetzt werden, kann von Infektiologen, Virologen, Labormedizinern und Epidemiologen sicherlich kompetenter beantwortet werden, als von mir

2. Ja ich weiß, dass eine direkte Quantifizierung von PCR Resultaten schwierig ist und man nicht JEDEN PCR Test so standardisieren kann, dass er mit 100% Trennschärfe zwischen infektiös und nicht infektiös unterscheiden kann.

3. Nein, dass die in deutschen Labors verwendeten Tests nicht validiert sind, ist völliger Unfug.

4. Nein, Facebook-Spezialisten haben davon nicht mehr Ahnung als Virologen, Infektiologen, Immunologen etc.

5. Nein, nicht jeder der sich in einem Youtube-Video Spezialist schimpft, ist ein Spezialist.
6. Wissenschaftliche Diskussionen werden auf der Grundlage publizierter Daten geführt, nicht aufgrund von Youtube-Videos.

7. Nein, meines Wissens hat noch kein Facebook-Hobbyvirologe auch nur eine einzige wissenschaftliche Arbeit zum Thema publiziert. Die meisten dieser Genies wissen noch nicht einmal, was PubMed oder EMBASE ist.

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