Faktencheck zu „Paracetamol mit Machupo-Virus verseucht“

Kathrin Helmreich, 10. Januar 2020
Faktencheck zu "Paracetamol mit Machupo-Virus verseucht"
Faktencheck zu "Paracetamol mit Machupo-Virus verseucht"

„URGENT WARNING!“ So beginnt eine Nachricht, die vor der Einnahme von Paracetamol 500 warnt. Angeblich seien die Tabletten mit dem Machupo-Virus verseucht.

Die Nachricht kursiert auf Social Media Plattformen wie Facebook und ist auf Englisch. Sie warnt vor de Einnahme „eines neuen Paracetamol (P / 500), das sehr neu, weiß und glänzend sei und den Machupo-Virus enthalte.“

Der Machupo-Virus sei einer der gefährlichsten Viren auf der Welt und endet zumeist tödlich. Jeder solle die Nachricht teilen – denn „bedenke, dass Gott jenen hilft, die anderen und sich selbst helfen“.

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

URGENT WARNING! Also known as Tylenol and othe names please google.
Be careful not to take the paracetamol that comes written P / 500. It is a new, very white and shiny paracetamol, doctors advise that it contains „Machupo“ virus, considered one of the most dangerous viruses in the world, with a high mortality rate. Please share this message, with all people on your contact list as well as family, and save a life or lives ….I’ve done my part, now it’s your turn … remember that God helps those who help others & themselves!
Same as Tylenol
Forward as received.

Der Faktencheck

Es handelt sich um eine Falschnachricht, die seit Jahren ihr Unwesen treibt. (wir berichteten)

Allein der Infektionsweg spricht gegen die Aussage:

Die Krankheit wird vornehmlich durch Insekten und Nagetiere sowie durch ihre Ausscheidungen, manchmal auch von Mensch zu Mensch übertragen (web.stanford.edu).

Das macht eine Ansteckung über das Medikament nahezu unmöglich, denn bei Kontakt mit den bei der Synthese von Paracetamol verwendeten Chemikalien und den dafür notwendigen Temperaturen würde das Virus schlicht und ergreifend absterben.

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Auch ein nachträgliches Kontaminieren wäre sinnlos, denn auch auf der Oberfläche der Tabletten könnten die Viren nicht lange überleben.

Warum wird das behauptet?

Wie Kollege Ralf erklärt, stammt die Warnung ursprünglich aus Malaysia. Paracetamol gehört dort zu den am meisten genutzten Medikamenten, allerdings kursieren auch Markenfälschungen des Medikamentes.

Nun kursiert sowohl in Malaysia als auch in Südamerika der Machupo-Virus. So entstand im Jahr 2017 erst das Gerücht, dass der Virus sich durch gefälschtes Paracetamol verbreiten würde, später wurde behauptet, das echte Paracetamol enthalte das Virus.
Beide Behauptungen sind allerdings falsch, da, wie oben beschrieben, ein Virus nicht über Medikamente verbreitet werden kann.

Keine echten Fälle dokumentiert

Es gibt weder Beweise noch Bestätigungen von offiziellen Stellen, dass Menschen durch die Einnahme von Paracetamol oder einer Fälschung an dem Machupo-Virus erkrankten. Auch bei der Weltgesundheitsorganisation ließen sich keine Meldungen finden.

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Die Falschmeldung entstand aus einem Gerücht heraus, dass gefälschte Medikamente, später die echten Medikamente, den in Südamerika und Malaysia verbreiteten Machupo-Virus enthalten sollen, was allerdings technisch nicht möglich ist.

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