Online-FreundInnen: Worauf Eltern achten sollten

Tom Wannenmacher, 4. Januar 2022
Artikelbild: Shutterstock / Von George Rudy
Artikelbild: Shutterstock / Von George Rudy

Für Kinder und Jugendliche nehmen Freundschaften längst auch online einen hohen Stellenwert ein.


Unser Contentpartner von Saferinternet gibt Tipps, wie Eltern ihre Kinder vor falschen FreundInnen schützen können. 


Online-FreundInnen sind wichtig

Gute FreundInnen sind wichtig – und echte Freundschaften werden von jungen Menschen längst nicht mehr nur offline, sondern auch im digitalen Raum geknüpft. Ob in Sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat oder Tiktok, in Online-Spielen, Messenger-Diensten oder auf anderen Plattformen wie etwa dem aktuell sehr beliebten Onlinedienst Discord: In der digitalen Welt lernen Kinder und Jugendliche laufend neue Leute kennen. Dies erfüllen eine sehr wichtige Funktion: Sie teilen die aktuellen Interessen und Hobbys, haben vielleicht ähnliche Probleme in der Schule und sind quasi jederzeit verfügbar. Oft ist es für Kinder und Jugendliche auch einfacher, online über persönliche oder intime Dinge zu besprechen. Und: nicht zuletzt durch die Pandemie wurde es für junge Menschen noch wichtiger, sich online auszutauschen und soziale Kontakte zu pflegen.

Virtuelle Bekanntschaften verbieten?

Auch wenn Online-FreundInnen für Kinder und Jugendliche eine echte Bereicherung darstellen: Eltern bereiten die virtuellen Bekanntschaften oft Sorge. Viele hätten gerne, dass ihre Kinder nur mit FreundInnen aus dem „echten“ Leben Kontakt haben und würden Online-Bekanntschaften am liebsten ganz verbieten. Die Befürchtung, die eigenen Kinder könnten von falschen FreundInnen ausgenutzt, belästigt oder missbraucht werden könnten, ist nur allzu verständlich – schließlich sind Cyber Grooming oder Sextortion reale Gefahren im virtuellen Raum. Doch auch wenn die elterlichen Bedenken nachvollziehbar sind: Verbot oder Kontrolle sind hier der falsche Weg. Stattdessen sollten die Kinder auf Augenhöhe begleitet und über mögliche Bedrohungen aufgeklärt werden.

So können Sie Ihr Kind unterstützen

  • Mit dem Kind über Online-FreundInnen reden und diese wahrnehmen.
    Auch wenn für Eltern vielleicht nicht nachvollziehbar ist, welchen Stellenwert Bekanntschaften haben, die „nur“ online gepflegt werden: um eine offenes und vertrauensvolles Gesprächsklima zu schaffen, ist es wichtig, die Bedeutung und Funktion dieser Online-FreundInnen zu erkennen und zu akzeptieren. Signalisieren Sie Interesse an der Lebenswelt ihres Kindes und machen sie ihm klar, dass es sich bei Problemen oder Unsicherheiten an Sie wenden kann, ohne gleich verurteilt zu werden.
  • Das Bauchgefühl und die Autonomie des Kindes stärken.
    Wenn ein Kind etwas als unangenehm empfindet, dann darf und soll es das auch sagen können – egal, ob on- oder offline! Bestärken Sie Ihr Kind darin, „nein“ zu sagen und üben Sie gemeinsam, sich gegen unangenehme Annäherungsversuche mit Aussagen wie „Lass mich in Ruhe!“ oder „Ich will das nicht!“ zu wehren. Ein selbstbewusstes „Nein“ lässt potenzielle TäterInnen schnell aufgeben und bildet daher eine wichtige Basis, wie sich Kinder und Jugendliche selbst vor falschen FreundInnen schützen können.
  • Wer ist das Online-Gegenüber wirklich?
    Gerade jüngere Kinder neigen oft dazu, alles für bare Münze zu nehmen und können noch schwer einschätzen, wie vertrauenswürdig ihr Gegenüber ist. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, dass nicht alle Personen im Internet Gutes im Sinn haben und manche Personen nicht die sind, für die sie sich ausgeben. Fordern Sie Ihr Kind auf, Identitäten im Internet zu hinterfragen – etwa, indem das Profil einer neuen Bekanntschaft immer ganz genau überprüft wird. Wurde ein Profil erst kürzlich erstellt und beinhaltet nur wenige Fotos, ist Vorsicht angebracht – denn Kriminelle verhalten sich online oft vollkommen unauffällig.
  • Dem Kind konkrete Strategien an die Hand geben.
    Geben Sie Ihrem Kind Strategien an die Hand, wie es die Identität einer neuen Bekanntschaft „testen“ kann. Ein sehr einfacher, aber effektiver Trick: Das Gegenüber soll ein Selfie mit einem eindeutigen Identifizierungsmerkmal schicken, z. B. einen Zettel mit einer Botschaft, die sich das Kind aussucht; wird das geforderte Bild innerhalb weniger Minuten geschickt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um einen „echte“ Freundin bzw. Freund handelt.
  • Sensibilisieren Sie Ihr Kind für den Umgang mit persönlichen Daten und Fotos.
    Schärfen Sie ihrem Kind ein, immer genau zu überlegen, wie viel es von sich preisgibt und wem – insbesondere, wenn es um freizügige Bilder oder Videos geht. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es über einmal verschickte Bilder kaum noch Kontrolle hat. Gerade in Sozialen Netzwerken können Inhalte in Sekundenschnelle geteilt und verbreitet werden – auch solche, durch die sich das Kind bloßgestellt fühlt oder im schlimmsten Fall sogar erpresst werden kann. Seien Sie dabei selbst ein Vorbild und beachten Sie stets das Recht am eigenen Bild – auch das ihrer Kinder!
  • Beim ersten persönlichen Treffen immer dabei sein.
    Möchte Ihr Kind eine Online-Bekanntschaft im echten Leben kennenlernen, unterstützen Sie es dabei, vereinbaren Sie aber auch klare Regeln: Beim ersten Blind Date sollte stets ein Erwachsener in Reichweite sein, der – am besten bei einem zuvor vereinbarten Handzeichen – jederzeit eingreifen kann. Das Treffen sollte an einem öffentlichen Ort (Einkaufszentrum, Café, etc.) stattfinden und es sollte zuvor abgesprochen sein, wann und wo man sich anschließend wieder trifft. Wichtig: das Treffen wird miteinander geplant und das Kind muss sich sicher sein können, dass sich die erwachsenen Begleitpersonen nicht ungefragt einschalten.

Nur keine Panik!

Auch wenn es Ihnen als Eltern schwerfallen sollte: Versuchen Sie, ruhig und sachlich an das Thema Online-Bekanntschaften heranzugehen – denn Panik und Angst sind hier kein guter Begleiter. Denken Sie daran, dass ihre Kinder in Zeiten von Instagram, Snapchat oder Tiktok immer auch mit Fremden in Kontakt kommen und sie dies nicht verhindern können. Kinder sollten immer das Gefühl haben, ihre Eltern oder erwachsene Bezugspersonen um Rat und Hilfe fragen zu können – ohne Angst vor Vorwürfen oder Konsequenzen haben zu müssen. Am besten schützt man die jungen NutzerInnen daher, indem man ihr Bedürfnis nach Austausch und Bindung auch online respektiert, Ihre digitalen Kompetenzen stärkt und Ihnen bei eventuellen Problemen mit einem offenen Ohr zur Seite steht.


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