Oe24: Schwere Kritik nach Berichterstattung zu Terror in Wien

Andre Wolf, 3. November 2020
Oe24: Schwere Kritik nach Berichterstattung zu Terror in Wien
Oe24: Schwere Kritik nach Berichterstattung zu Terror in Wien

Dürfen Medien unzensiert und unkommentiert Videos von einem Terroranschlag veröffentlichen? Genau um diese Frage dreht es sich gerade bei der Berichterstattung der Oe24.

Am gestrigen Abend veröffentlichte der Sender Oe24 im Zuge seiner Berichterstattung zu dem Terroranschlag in Wien Videos der Terrorangriffe in Dauerschleife. Die Videos wurden mehrfach hintereinander wiederholt, es fand in weiten Teilen keine Kommentierung statt. Es war also mehr oder weniger ein plakatives Darstellen der Morde.

Diese Übertragung erweckte natürlich viel Kritik, ebenso wurde der Presserat eingeschaltet. Nach Angaben des österreichischen „Standard“ gab es am gestrigen Abend innerhalb weniger Stunden mehr als 300 Beschwerden über diese Art der Berichterstattung.

[mk_ad]

Der Presserat rief daraufhin dazu auf, den Persönlichkeitsschutz der Opfer zu respektieren. Das war jedoch in diesem Moment nicht der Fall.

Viel Kritik an Oe24

Die Berichterstattung von Oe24 wird derzeit stark diskutiert. Mit dabei die Diskussion, ob dieser Sender auch in Zukunft weiterhin Millionen Euro an Förderungen durch den Staat bekommen soll.

Man muss es an dieser Stelle einfach mal auf den Punkt bringen: Den ganzen Abend über hat die Polizei Wien über ihre öffentlichen Kanäle darum gebeten, dass keine Videos des Terroranschlags durch Nutzer auf Social Media hochgeladen werden sollen (siehe hier). Es ging dabei nicht nur um den Schutz der Opfer, sondern auch darum, dass die Täter so über Polizeiarbeit informiert werden könnten. Und was macht ein Sender wie Oe24? Er veröffentlich diese Videos sogar noch mal.

Erste Konsequenzen haben sich auch schon gezeigt. So hat Helmut Brandstätter, NEOS-Politiker und früherer Chefredakteur der Tageszeitung Kurier, auf Twitter geschrieben, dass er am 3. November nicht  der Einladung folgen werde, zu Oe24 in das TV Studio zu gehen, um über die US Wahl und sein Buch zu sprechen (siehe hier).

Auch die dem REWE Konzern angehörige BILLA AG hat bereits reagiert und ebenfalls auf Twitter veröffentlicht, dass sie nach der Berichterstattung von Oe24 zum Terroranschlag in Wien die Werbeschaltungen auf diesem Medium stoppen will.

Edit: Neben der BILLA AG hat auch SPAR Österreich geschrieben, dass sie ebenfalls die Werbung stoppen lassen (hier).

Das könnte ebenso interessieren

Terroranschlag: Keine Einsatzbereitschaftsmeldung in Graz. Es ist ein bereits seit Jahren bekannte System: nach einem Terroranschlag tauchen häufig Falschmeldungen auf Social Media auf. Mehr dazu HIER.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung!

Mehr von Mimikama