Ukraine Krise / Ukraine Krieg: Faktenchecks

OBI hat seine Märkte nicht wieder in Russland geöffnet!

Mehrere russische Medien berichten von der Wiedereröffnung von OBI-Märkten in Russland. Doch OBI selbst hat damit nichts zu tun!

Ralf Nowotny, 29. April 2022

Die Behauptung

Angeblich öffnen in Russland wieder die Filialen von OBI, was verwunderlich ist, da sich die Baumarktkette doch aus Russland zurückzog.

Unser Fazit

OBI verschenkte die Filialen bereits vor Wochen an einen Investor. Die Filialen werden umbenannt, OBI hat damit nichts mehr zu tun.

Aufgrund des Angriffskriegs Russland auf die Ukraine haben sich mehrere Handelsketten und Marken aus Russland zurückgezogen. Offiziell wird dies in Russland mit „Lieferschwierigkeiten“ begründet. Nun sollen OBI-Märkte wieder in Russland geöffnet werden, doch OBI selbst hat damit nichts zu tun!

Insbesondere ein Tweet von „Nexta“, in dem über die Wiedereröffnung am 11. Mai berichtet wird, sorgte für Unmut:

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So wird von vielen nur der erste Satz des Tweets beachtet, nämlich dass in Moskau der erste OBI-Markt wieder geöffnet sei – so stehe es zumindest auf der Webseite des Unternehmens. Viel wichtiger ist der zweite Satz im Tweet, der darauf hindeutet, wie es sich wirklich verhält: Die Märkte werden umbenannt!

Die Märkte gehören OBI nicht mehr!

Wirft man einen Blick auf die russische Seite von OBI (siehe HIER archiviert), findet sich dort zwar noch das OBI-Logo, aber auch ein wichtiger Hinweis:

Ein wichtiger Hinweis auf der russischen OBI-Seite

„Die Verwendung der Marke OBI ist temporär, und das Unternehmen wird die SB-Warenhäuser schrittweise unter der neuen Marke wieder einführen.“

Mitte April berichteten mehrere Medien, dass der Tengelmann-Konzern einer drohenden Enteignung ihrer Baumarkt-Tochter OBI in Russland zuvorkam: Sie verschenkten wortwörtlich ihre 27 Filialen an einen namentlich nicht bekannten Investor. Dem ging zuvor, dass OBI die Filialen bereits schloss, die russischen Manageraber die Märkte einfach wieder öffneten, worauf OBI die Kassen von den Servern trennte.

Es hätte nun keinen direkten Unterschied gemacht, ob OBI enteignet worden wäre oder sie ihre Filialen an einen Investor verschenken, aber natürlich wirft es ein besseres Licht auf die Baumarktkette, wenn sie freiwillig auf die Filialen verzichten (dafür aber als Bedingung angaben, dass der Name geändert wird), als dass sie ihnen zwangsweise weggenommen werden und sie dann nicht einmal mehr Einfluss auf den Namen haben.

Auch auf der LinkedIn-Seite der Baumarktkette wird klargestellt, dass die OBI Group Holding nichts mehr mit den Märkten zu tun hat, die in Russland wieder eröffnet werden:

OBI hat mit den Filialen nichts mehr zu tun
OBI hat mit den Filialen nichts mehr zu tun, Quelle: LinkedIn

„Aktuell erfahren wir aus verschiedenen Medien und sozialen Medien, dass die OBI Märkte in Russland wiedereröffnet werden sollen. Wie bereits am 07.03.2022 angekündigt, wurden alle OBI Märkte in Russland geschlossen und die Rechtsträger übertragen (siehe Stellungnahme vom 13.04.2022). Dies unter der Bedingung, dass die Marke OBI in Russland nicht mehr verwendet wird. Wir weisen daher nochmals darauf hin und stellen klar, dass die OBI Gruppe nach der Transaktion weder direkt noch indirekt in Russland tätig ist und sein wird. Anderslautende Informationen können nur Propaganda und externe Aktionen aus Russland sein, auf die wir als OBI Gruppe leider keinen Einfluss haben.“

Und tatsächlich berichten russische Medien stolz, dass viele Marken wieder in Russland zu haben seien und weisen nur sehr indirekt oder gar nicht darauf hin, dass es sich mitnichten um „Lieferschwierigkeiten“ handelt, sondern dass OBI und andere Marken sich schlicht und einfach aus Russland zurückgezogen haben und die Filialen nun anderen Investoren gehören.

Fazit

Es stimmt zwar, dass in Russland wieder Filialen eröffnen, die noch den Namen „OBI“ tragen, doch mit der Tengelmann-Tochter haben diese Filialen nichts mehr zu tun. Auch auf der Webseite ist vermerkt, dass die Filialen umbenannt werden – was auch die Bedingung des Konzerns für die Schenkung der Filialen an einen Investor war.

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