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Voltplug, Voltbox und Co. – Nepp mit angeblichen Stromspargeräten

Ein unscheinbares Gerät, das wahlweise Voltplug, Voltbox oder Ecotex heißt, soll bis zu 90 Prozent Strom im Haushalt sparen: In die Steckdose stecken, fertig. Was es wirklich kann: Es leuchtet grün. Das war es aber auch schon.

Ralf Nowotny, 22. August 2022

In Zeiten der Energiekrise werben Seiten, die wahlweise getvoltplug, getvoltbox oder getecotex heißen, mit einem attraktiven Angebot: Ein Gerät soll Ihnen helfen bis zu 90% Ihrer Stromrechnung zu sparen. Aber Achtung! Dieses Gerät existiert gar nicht, es handelt sich laut Watchlist Internet um Betrug.

Das Produkt soll ganz einfach zu verwenden sein. Sie kaufen es, stecken es an und das Gerät erledigt den Rest für Sie. Vor allem momentan, wo Strom, Gas, und andere Güter so viel mehr kosten, ist das ein attraktives Angebot.  So ein Gerät gibt es gar nicht! Kriminelle versuchen Sie mit leeren Versprechen zu ködern.

Die Homepages von Voltbox, Voltplug und Ecotex sind alle gleich gestaltet
Die Homepages von Voltbox, Voltplug und Ecotex sind alle gleich gestaltet

Bereits im April 2022 warnte beispielsweise T-Online vor den angeblichen Stromspargeräten, davor im November 2021 Heise. Angeblich nutzen die Geräte eine „bahnbrechende Stromstablisierungstechnologie (EST) mit Blindleistungskompensation„, die den Stromfluss in der Wohnung stabilisieren und die Effizienz erhöhen soll.

Aber nicht nur das: Das Gerät verhindert, dass „unnötiger Strom in die elektrischen Leitungen gelangt und das Netzwerk überlastet“. Zudem kann es den „hochfrequenten Stromfluss in Kabeln“ und somit „die künstliche elektromagnetische Strahlung“ reduzieren und „schädliche Stromspitzen“ eliminieren. Und außerdem gibt es „weniger Rauschen auf der Sinuswelle“ der Stromleitungen. Alles klar?

Vielleicht kann das Gerät das ja wirklich?

Nein.

Die Kollegen von Heise haben das Gerät gekauft und mal komplett auseinandergenommen, um zu sehen, wie es eigentlich genau funktioniert – also außer dass es ein grünes Lämpchen zum Leuchten bringt.

Das Innenleben des Geräts, Quelle: Heise

Demnach basiert das Gerät auf einem Überspannungsfeinschutz für zweipolige Stromnetze, dem ein „schwarzer Klotz“ hinzugefügt wurde, das „Filterelement“ links im Bild. Ein Orthopäde legte den Klotz unter ein Röntgengerät und fand darinnur Drahtenden und eine amorphe Vergussmasse – also quasi ein elektronisches Placebo.

Die einzigen Funktionen des Geräts sind also ein grünes Lämpchen und eine mehr schlechte als rechte Überspannungsbegrenzung. Es bewirkt ansonsten absolut nichts, erst recht nicht magisches Stromsparen durch Quatschelektronik, wie sie auf den Webseiten beschrieben wird.

Wie kann ich betrügerische Angebote erkennen?

Die Leser:innen von Watchlist Internet berichten davon, dass sie durch Google-Anzeigen auf die Seite von getvoltplug gestoßen sind. Kriminelle schalten öfters Werbungen für betrügerische Online-Shops, um vertrauensvoll zu wirken. Das macht es noch schwieriger zu erkennen, welche Online-Shops legitim sind. Ein paar Aspekte können Ihnen trotzdem helfen:

  • Haben Sie ein Impressum gefunden? Die meisten Fake-Shops haben kein Impressum, oder eines, das von einem seriösen Unternehmen kopiert wurde. Auf getvoltplug.com finden Sie gar keines.
  • Finden Sie grammatikalische Fehler bzw. Sprachenwechsel? Bei diesem Fake-Shop sind beispielsweise die Datenschutzerklärungen und allgemeine Geschäftsbedingungen auf Englisch, der Rest auf Deutsch. Außerdem können grammatikalische Fehler oder Rechtschreibfehler ein Anzeichen auf einen Fake-Shop sein.
  • Wie sehen die Preise aus? Oft sind Preise bei Fake-Shops besonders niedrig, um attraktiver für potentielle Opfer zu sein.
  • Internetrecherche: Suchen Sie im Internet nach der Website mit Schlagwörtern wie „Fake“ oder „Bewertungen“. Wenn es sich um ein Fake-Shop handelt, finden Sie oftmals bereits Warnungen, die Ihnen weiterhelfen.

Haben Sie bei diesem Shop bestellt?

  • Wir empfehlen Ihnen, sich so schnell wie möglich bei Ihrer Bank zu melden. Versuchen Sie Ihr Geld zurückzubekommen. Sie haben allerdings keinen Rechtsanspruch auf Rückerstattung!
  • Achten Sie in Zukunft auf ungewöhnliche Abbuchungen, da Ihre Kreditkartendaten jetzt wohl in den Händen von Kriminellen sind. Kontaktieren Sie Ihr Kreditkarteninstitut, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

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