Lossts eich ned bescheißen!

Andre Wolf, 30. Juli 2018
Lossts eich ned bescheißen!
Lossts eich ned bescheißen!
  1. Medienkunde für Anfänger von Ivan Ertlov.

Wir sind gespannt! Der in Australien lebende Journalist und Autor (und noch einiges mehr) Ivan Ertlov wundert sich schon länger über die Verhaltensweisen, die so manche Freunde auf Facebook an den Tag legen. Ungeprüft Inhalte verbreiten, keine kritische Auseinandersetzung mit der Herkunf von Inhalten, ja teilweise volles Versagen in Medienkunde.

Ertlov teilt in einem Video mit, er habe daher nun vor, mit einer mehrteiligen Sendung zum Thema Medienintelligenz, Medienkritik, Medienkunde, Manipulation der Öffentlichen Meinung an den Start zu gehen. Das klingt natürlich sehr spannend für uns und daher binden wir sehr gerne hier seinen ersten Teil mit dem Thema Quellenkritik für Anfänger hier ein.

Den Tipps von Ertlov stimmen wir völlig zu, wir haben selbst im Dezember 2016 einen Leitfaden zur Quellenkritik veröffentlicht und wiederholen ihn an dieser Stelle gerne wieder, denn es hat sich seitdem nichts verändert: Das Internet bietet eine unüberschaubare Fülle an Informationen zu Themen aller Art. Noch nie war es so leicht, schnell und kostengünstig an benötigte Informationen zu kommen oder Antworten auf brennende Fragen zu finden.

Doch als reichhaltiger Fundus an Wissen bietet das World Wide Web auch einen fruchtbaren Nährboden für Halb- oder Unwahrheiten. Frei nach dem Motto „Ist doch egal, woher die Info kommt“ verbreiten sich im Netz auch Fehlinformationen oder Falschnachrichten rasend schnell weiter.

Woher stammt diese Info eigentlich?

Es ist natürlich nicht immer leicht, sich ein verlässliches Bild von der Qualität von Online-Inhalten zu machen. Und klar, nicht jeder kleinste Informationsschnipsel muss bis ins Detail nachgeprüft werden. Dennoch ist es prinzipiell empfehlenswert, sich Gedanken zur Vertrauenswürdigkeit von Internet-Quellen zu machen – insbesondere bei umstrittenen oder sensiblen Themen.

Folgende Überlegungen können dabei hilfreich sein:

  • WER? – Wer steckt dahinter?
  • WIE? – Wie sind die Inhalte dargestellt?
  • WARUM? – Was ist die Intention dahinter?
  • Wie ist der Gesamteindruck der Quelle?

Berichterstattung kritisch hinterfragen

Politische Berichterstattung ist in Zeiten wirtschaftlichen Drucks und immer vielfältigeren Online-Angeboten mit stets wachsenden Herausforderungen verbunden. Nicht nur Journalist/innen sehen sich mit neuen Aufgaben konfrontiert, sondern auch die Leserinnen und Leser eines Mediums.

Für das Lesepublikum wird es etwa immer schwieriger nachzuvollziehen, wie ein Bericht zustande kommt, welche Entscheidungen dahinterstehen und warum gerade dieses bestimmte Ereignis zu einer „News“ geworden ist.

Um die Qualität der Berichterstattung einschätzen zu können lohnt es sich, verschiedene Medien aufmerksam zu vergleichen.

Zu Testzwecken eignet sich am besten ein eher überschaubares Thema, z.B. der Amtsantritt eines neuen Ministers/einer neuen Ministerin. Verfolgen Sie das Ereignis in unterschiedlichen Medienkanälen (z.B. Fernsehen/Radio, Zeitungen, Online-Zeitungen und/oder Soziale Netzwerke) und achten Sie darauf, wie der Amtsantritt des Politikers/der Politikerin dargestellt wird.

  • Welche Themen der Person werden in welchen Medien wie weiterverbreitet?
  • Welche werden ignoriert?
  • Welche Quellen ziehen verschiedene Medien heran?
  • Nach welchen Kriterien werden Videos geschnitten?
  • Welche Inhalte werden dafür ausgewählt, welche weggelassen?

Tipps zur Bewertung journalistischer Arbeit

  • Wer ist der Autor/die Autorin? Welche Inhalte hat er/sie noch verfasst? Wer steht hinter dem Journalisten/der Journalistin? Mit wem ist er/sie vernetzt? Welches Medium/Redaktion bzw. welche finanzielle Abhängigkeit könnte dahinter stehen?
  • Handelt es sich um einen journalistisch recherchierten Beitrag oder um eine – unter Umständen ideologisch oder politisch gefärbte – persönliche Meinung (z.B. ein Blog, ein Kommentar in einer (Online-)Zeitung etc.)?
  • Welche Quellen werden angeführt? Wie ist es um die Qualität der Recherche bestellt? Wurde z.B. lediglich die Meldung einer Presseagentur, wie z.B. der DPA oder APA, übernommen?
  • Gibt es ein Impressum? Wer steht dahinter?

Die Fragen nach dem Wer, Wie und Warum können mithilfe folgender Checkliste beantwortet werden:

Wer

Wer steht dahinter?

Autor/in, Inhaber, Herausgeber/in der Website? Privatperson, Organisation, Behörde, Universität, Unternehmen, politische Partei, ein Verlag, eine Zeitung etc.

Was ist über den Verfasser bekannt?

Erkundige dich im Netz und suche nach dem Namen.

Gibt es ein Impressum mit Ansprechpartner, Anschrift und Kontaktmöglichkeit?

Wie

Welches Format hat das Angebot? Website, Forum, Blog, News-Site, Datenbank, Wiki etc.

Die persönliche Meinung hat andere Qualitäten bei der Beurteilung als ein Lexikon.

Professionalität: Aktuelle Inhalte? Rechtschreibfehler? Veraltete oder nicht funktionierende Links?

Warum

An welche Zielgruppe richtet sich die Website?

Kund/innen, Kinder, Jugendliche, Familien, Expert/innen, Unternehmen?

Was ist der Zweck der Website?

Welches Interesse hat der Herausgeber der Website? Soll der Inhalt informieren, unterhalten- oder beeinflussen?

Wie ist der Schreibstil?

Akademisch mit vielen Fachbegriffen, journalistisch oder einfach verständlich? Sachlich informativ oder reißerisch populistisch?

Auf welche Quellen wird verwiesen? Auf welche Websites wird verlinkt? Welche weiteren Informationsquellen werden noch genannt?

-Eine Information in Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner Saferinternet.at-


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

weitere mimikama-Artikel