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Donnerstag, 20 Januar 2022

Ich hatte Corona: „Ich fühlte mich wie nach einem Boxkampf“

Menschen erzählen uns ihre Geschichte. Menschen senden uns ihre „My Corona-Story“ (sic!)


Eine Familiendurchseuchung…

Meine Frau und ich wurden beide im zweiten Quartal 2021 vollständig geimpft. Wir sind Anfang bzw. Mitte 40, haben zwei Kinder und erfreuen uns alle recht guter Gesundheit. Ausschlaggebend für die Entscheidung, uns impfen zu lassen, war weniger die Angst vor einem schweren Verlauf als vielmehr vor Long Covid, wovon wir damals schon im Umfeld zwei Fälle hatten.

Obwohl wir uns relativ weitgehend an die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln gehalten haben, war es uns im Grunde klar, dass es nur eine Frage der Zeit, bis es die Infektion auch in unseren Haushalt schaffte. Als Grundschullehrerin war meine Frau gewissermaßen dafür prädestiniert, und so kam es dann auch, dass sie anlässlich eines leichten Schnupfens einen Schnelltest machte, der auch prompt positiv ausfiel.

Die Auswirkungen auf unseren Alltag waren überschaubar

Damit fing das in so einer Situation gebotene Programm zum ersten Mal an: Bekannte Kontakte der letzten Tage anrufen, Chefin und Kollegen informieren, PCR-Test, zu Hause bleiben und ein wenig isolieren. Am nächsten Tag riefen wir Schule und Kita an, dass die Kinder bis auf Weiteres erstmal zu Hause bleiben, ich selbst ging nicht mehr nur gelegentlich, sondern dauerhaft ins Homeoffice. Als das Ergebnis vom PCR-Test kam, haben wir diesen noch in die Corona-Warn-App eingepflegt – ein Vorgang, der überraschend mühsam war.

Zu dem leichten Schnupfen meiner Frau gesellten sich leichte Kopfschmerzen, etwas Kratzen im Hals und der vollständige Verlust des Geruchssinns. Nach zwei oder drei Tagen war das meiste aber auch schon wieder vorbei, und auch der Geruchssinn kehrte wenig später zurück.

Die Auswirkungen auf unseren Alltag waren überschaubar. Die Kinder waren zu Hause, aber da es meiner Frau gut ging, konnte sie sich um sie kümmern und ich in Ruhe arbeiten. Da ich als vollständig Geimpfter nicht in Quarantäne musste, hatte ich auch noch alle „Freiheiten“. Ein paar Termine mussten abgesagt werden, die Einkäufe übernahm ich jetzt immer, und auch zum Abschmecken des Essens wurde ich häufiger gerufen als sonst. Bei allzu engem Kontakt mit den Kindern trug sie einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz, wir haben oft und viel gelüftet und hatten anfangs noch ein wenig gehofft, dass der Impfschutz bei mir hält.

Ich fühlte mich wie nach einem Boxkampf

Kurz vor Ende ihrer Quarantäne bin ich dann mal wieder ins Büro gegangen, wo ich natürlich sofort einen Schnelltest gemacht habe, der negativ war. Zu diesem Zeitpunkt war ich vollkommen symptomfrei. Gegen Mittag spürte ich leichte Kopf- und Gliederschmerzen, die bis zum Abend schlimmer wurden. Gegen 19:00 Uhr lag ich im Bett und fühlte mich wie nach einem Boxkampf. Es war übel…

Am nächsten Morgen fühlte ich mich minimal besser, und der Schnelltest bestätigte meinen Verdacht: Ich war positiv. Aber vielleicht war ich ja auch schon wieder auf dem Weg der Besserung – es fühlte sich ein wenig so an. Also kurze Info an die Kollegen und anschließend mit dem Auto ins Testzentrum. Danach etwas Mittagsschlaf, den nächsten Tag etwas ruhig angehen, dann war Wochenende, und danach sollte das Thema durch sein – dachte ich…

Was Geruch angeht, hätte ich vermutlich nicht mal in einem Schweinestall etwas wahrgenommen

Tatsächlich lag ich eine Woche komplett im Bett, welches ich nur für das Allernötigste mal kurz verließ. Am Montag rief ich meine Ärztin an, die mir den Krankenschein per Post schickte. Ich fragte nach einer Woche – sie machte zwei draus, und das sollte die richtige Entscheidung gewesen sein.

Abgesehen von Fieber hatte ich das komplette Programm an Symptomen: Husten, Schnupfen, heftige Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und was Geruch angeht, hätte ich vermutlich nicht mal in einem Schweinestall etwas wahrgenommen.

Nach einer Woche ließen vor allem die Schmerzen langsam nach und wenig später war ich, was das angeht, wieder symptomfrei. Was mich noch eine weitere Woche begleiten sollte, war ein seltsames Gefühl der Erschöpfung. Es war, als hätten meine Muskeln nur noch einen Bruchteil ihrer Kraft und Ausdauer. Eine simple Treppe hochzusteigen, war machbar,
aber anstrengend. Ein kurzer Spaziergang ging auch, aber nur sehr langsam. Ich war nie ein Leistungssportler, aber Laufen, Schwimmen und Radfahren ging bei mir eigentlich immer recht gut. Daher war das für mich schon sehr, sehr ungewöhnlich.

Der Appetit kam wieder, und der Geschmack war nie wirklich weg, aber ohne Geruch halt sehr stark eingeschränkt. Joghurt schmeckt süß, klar, aber ob das jetzt Vanille oder Banane war, hätte ich beim besten Willen nicht am Geschmack unterscheiden können.

Als es mit mir langsam wieder aufwärts ging, war dann noch mein Sohn dran

Er hatte eines Abends leichtes Fieber und leichten Husten. Am nächsten Tag ging es ihm schon wieder gut. Nach einem positiven Schnelltest haben wir auch einen PCR-Test gemacht, der ebenfalls positiv war, sodass auch er nochmal in Quarantäne musste.

Wir können nur vermuten, dass irgendwann in dieser Zeit auch unsere Tochter mal infiziert war, aber wir wissen es nicht. Sie zeigte immer mal wieder leichte Erkältungssymptome, aber sämtliche Schnelltests waren negativ. Da sie ohnehin die ganze Zeit zu Hause war, sahen wir keine Notwendigkeit, einen PCR-Test zu veranlassen.

Inzwischen geht es uns allen wieder gut, und wir sind jetzt in der glücklichen Position, für das Weihnachtsfest einigermaßen „sicher“ zu sein.

Dankbar für jede Unterstützung, die mein Immunsystem hatte

Manch einer wird jetzt vielleicht darauf hinweisen wollen, dass uns die Impfung nicht vor der Infektion bewahrt hat. Das ist zweifellos korrekt. Ob ich ohne die Impfung vielleicht im Krankenhaus gelandet wäre, werde ich wohl ebenfalls nie erfahren, aber so im Nachhinein betrachtet war ich für jede Unterstützung, die mein Immunsystem hatte, dankbar. Wir
betrachten die Infektion jetzt als unseren persönlichen Booster und werden jetzt erstmal abwarten, ob es im April einen neuen Impfstoff gibt.

Noch ein paar kurze Worte zur derzeitigen Situation

Ich finde es bedauerlich, dass Menschen, die Teile der Corona-Maßnahmen kritisieren, ohne dabei die grundsätzliche Notwendigkeit zu bestreiten, derzeit praktisch kein Gehör finden, weil sie im Gebrüll der Querdenker sang- und klanglos untergehen. Von der Politik würde ich mir wünschen, dass sie etwas mehr Realismus zeigt – sowohl im Positiven wie auch im
Negativen. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein relativ großer Teil der Bevölkerung durchaus bereit wäre, Kontakte zu minimieren, auch, wenn dies nur „Empfehlungscharakter“ hat. Darüber hinaus gibt es einen eher kleinen Teil, der sich auch durch härteste Gesetze nicht von seinem Verhalten abbringen lässt.

Aus meiner Sicht wäre es ein gutes Zeichen gewesen, wenigstens über die Weihnachtsfeiertage mal gar keine privaten Kontaktbeschränkungen zu erlassen, von denen sich die vielen Vernünftigen nur schikaniert fühlen und die die  wenigen Unvernünftigen ohnehin nicht interessieren, denn seien wir mal ehrlich: Niemand kann und will die Polizei am Heilig Abend von Wohnung zu Wohnung schicken, um dort den Impfstatus der Anwesenden zu überprüfen.

Auch im Hinblick auf eine Impfpflicht sehe ich – von allgemeinen Bedenken mal ganz abgesehen – die Gefahr, dass Leute sich motiviert fühlen könnten, sich und andere gezielt anzustecken, um mit der anschließenden Genesung die Pflicht zu umgehen. Diese Möglichkeit sollte bei den Überlegungen meines Erachtens mit einfließen…


Wenn auch du uns deine Corona-Story senden möchtest, dann kannst du diese gerne tun. Lass andere Menschen daran teilhaben. Sende uns bitte dazu eine E-Mail an [email protected] Schreibe uns auch bitte dazu, ob wir deinen Namen veröffentlichen sollen oder nicht.


Weitere Storys findet man hier vor: https://www.mimikama.at/category/mycoronastory/


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