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Morddrohungen gegenüber Virologe Drosten – kein Fake!

Andre Wolf, 28. April 2020
Morddrohungen
Morddrohungen

Mehrere Medien berichten davon, dass der Virologe Christian Drosten mittlerweile Morddrohungen erhält und als Bösewicht der Situation angesehen wird.

Warum erhält ein Virologe Morddrohungen? Weil er in den Augen Vieler verantwortlich für ihre Situation gemacht wird. Aber vielleicht auch, weil in Krisenzeiten Feindbilder aufgebaut werden. Und das bekommt Drosten ab.

Der Virologe der Berliner Charité, der durch seinen Podcast zum Coronavirus auf dem NDR bekannt geworden ist, hat gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian eingeräumt, dass er Morddrohungen bekomme. Dort antwortete er auf die Frage, was ihn nachts wach hält:

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In Deutschland sehen die Menschen, dass die Krankenhäuser nicht überfordert sind, und sie verstehen nicht, warum ihre Geschäfte schließen müssen. Sie schauen nur auf das, was hier passiert, und nicht auf die Situation in, sagen wir, New York oder Spanien. Das ist das Präventionsparadoxon, und für viele Deutsche bin ich der Bösewicht, der die Wirtschaft lähmt. Ich bekomme Morddrohungen, die ich an die Polizei weiterleite. Noch beunruhigender sind für mich die anderen E-Mails, die von Leuten kommen, die sagen, sie haben drei Kinder und machen sich Sorgen um die Zukunft. Es ist nicht meine Schuld, aber diese halten mich nachts wach.

Tötet nicht den Boten, könnte man hier sagen. Auf der anderen Seite sind diese Morddrohungen auch wieder ein Indiz für die vierte Eskalationsstufe der Mythen und Falschmeldungen.

Morddrohungen: Eskalationsstufe 4

Falschmeldungen und Mythen in der Coronakrise führen dazu, dass man sich Feindbilder sucht und das komplexe Problem auf einfache Antworten herunterbricht.

Wer ist schuld an der Situation? 5G. Also zerstört man 5G Masten und bedroht Telekomtechniker. Oder aber: Schuld ist der prominenteste Virologe. Also schickt man ihm Morddrohungen, so dass er den Mund hält.

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Das ist die Logik hinter den Angriffen, die jedoch nicht das Problem verändern. Dennoch sind Morddrohungen und Übergriffe Anzeichen der 4. Eskalationsstufe von Falschmeldungen und Mythen, was bedeutet, dass Menschen sich aufgrund von Desinformation und Anstachelungen dazu legitimiert sehen, andere anzugreifen.

Wir haben diese 4. Stufe in unserem Artikel „Coronavirus-Falschmeldungen: Die vierte Eskalationsstufe“ genauer beschrieben (hier lesen).

Hinweis!

Wir weisen an dieser Stelle auf unsere Kategorie: CORONAVIRUS 2019 SARS-CoV-2 (hier) hin, in der wir alle relevanten Faktenchecks zum Thema Coronavirus auflisten.

Ferner weisen wir auch auf unser Formular hin, über das du Anfragen an Mimikama senden kannst (hier).

 


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