Moni und ihre teure Internet-Bekanntschaft

Claudia Spiess, 1. Oktober 2021
Moni und ihre teure Internet-Bekanntschaft
Moni und ihre teure Internet-Bekanntschaft

Als Moni von der Arbeit nach Hause kommt, möchte sie sich gemütlich mit einem Kaffee an ihren PC setzen, um hier nach Neuigkeiten zu sehen. Doch zuerst mal die Post öffnen. – Eine Mahnung??

Moni wird heiß, was ist denn das für eine Mahnung? Sie bezahlt doch immer sofort, wenn sie etwas bestellt. Meist sogar direkt beim Kauf über PayPal oder mit Kreditkarte. Wie kann es das also überhaupt geben, dass sie vergessen hätte, etwas zu bezahlen?
Moni überlegt, was sie in letzter Zeit online bestellt hat. Sie tut dies öfters, da sie in diversen Online-Shops immer wieder Utensilien und Materialien für ihr liebstes Hobby, die Bastlerei und das Kunsthandwerk, findet.

Der Name des Versandhandels aus China sagt ihr gar nichts. Sie kann sich einfach nicht erinnern, dass sie dort etwas bestellt hätte. Ihr Herz klopft etwas schneller, als sie im Mahnschreiben noch dazu von einer Klage liest, die angekündigt wird, sollte sie nicht binnen fünf Tagen den offenen Betrag von über 350 Euro zahlen.

350 Euro! Was sollte das denn sein?!

Moni setzt sich an ihren PC und geht die Mails durch, in denen sie die verschiedensten Bestellbestätigungen und auch Rechnungen überprüft. Da ist einfach nichts zu finden.

Sie ruft ihre beste Freundin an und erzählt ihr von der ominösen Mahnung. Moni ist verunsichert. Einerseits möchte sie nichts bezahlen, das sie nicht bestellt hat. Sie ist sicher, es muss sich um einen Irrtum handeln. Andererseits hat sie Angst, die fünftägige Frist verstreichen zu lassen und dann vielleicht ein Vielfaches bezahlen zu müssen.

Monis Freundin fragt, ob in dem Brief denn keine Kontaktdaten zu finden seien, wo sie nachfragen könnte. Wenn eine Bestellung aufliegt, muss es dazu Informationen geben. Was wurde bestellt, wann wurde bestellt, und auch eine Rechnung muss vorhanden sein.

Moni will es wissen

In der Mahnung findet sie eine E-Mail Adresse. Also schreibt sie ein Mail und hofft, dass es rechtzeitig gelesen und auch beantwortet wird. Eine Frist von fünf Tagen ist schließlich keine Ewigkeit, um richtig reagieren zu können.

Das Mail ist abgesendet, und nun heißt es warten. Moni checkt in den Tagen darauf beinahe halbstündlich ihren Mail-Eingang. Auch im Spam-Ordner sieht sie immer wieder nach, damit sie nur ja nichts versäumt.

Nach zwei Tagen erhält Moni tatsächlich Antwort. Die Bestellung sei über ein Online-Auktionshaus gelaufen. Der Versandhändler aus China bietet hier seine Waren an. Bestellt wurde auf Monis Namen, von ihrem Account aus, versendet wurde an eine Abholstation. Aus Sicht des Händlers hatte also alles seine Richtigkeit.

Was allerdings nicht passte, war der bestellte Artikel: Ein Smartphone. Moni hat kein Smartphone gekauft. Für den Kauf von teureren technischen Geräten geht Moni lieber zum Händler ihres Vertrauens, der sie bisher immer gut beraten hat. Es kann also gar nicht sein, dass sie ein Smartphone online bestellt hat!

Und plötzlich machte es „klick“. – Michael!!

„Nette“ Internet-Bekanntschaft

Moni ruft wieder ihre Freundin an und erzählt ihr von dem Brief. „Ich glaub, ich weiß….!!“ Sie ist so aufgeregt, dass ihre Freundin sie erstmal bremsen muss. Moni holt tief Luft und beginnt zu erzählen. „Ich hab dir doch von diesem Michael erzählt….?“ – Ja, die Freundin konnte sich erinnern, sie fand die Geschichte mit Michael etwas komisch, aber Moni mochte den Kerl, den sie im Chat kennengelernt hatte.

Moni hatte von einem Unbekannten – Michael – eine Freundschaftsanfrage erhalten. Er sah nett aus und machte ihr Komplimente zu ihrem Profil. Sie nahm die Anfrage an. Schon bald hatten die beiden permanent Kontakt über den Chat. Michael hörte ihr zu, wenn sie von ihrem Hobby erzählte, das sie – wenn alles so gut weiterlief – zu einem Geschäft aufziehen wollte. Er bestätigte, dass ihre Basteleien mehr als das wären, nämlich kleine Kunstwerke. Moni freute sich immer sehr über Nachrichten von Michael, er war ihr innerhalb kürzester Zeit sehr vertraut.

So zögerte sie auch nicht, als er sie nach ihren Zugangsdaten für ein Online-Auktionshaus fragte, in dem sie öfters Bastelbedarf bestellte. Er wollte etwas nachsehen, was allerdings nur ging, wenn man eingeloggt wäre. Moni dachte gar nicht groß drüber nach, sondern schickte ihm ihre Login-Daten mit den Worten „Freunde helfen sich doch immer gegenseitig.“

Danach wurde es ruhig um Michael. Er reagierte nicht mehr auf ihre Nachrichten beziehungsweise hatte er sie gar nicht mehr gelesen. Der Kontakt brach komplett ab.
Als sie ihn nun im Chat suchte, war sein Profil nicht mehr vorhanden. Eine Handynummer oder E-Mail Adresse hatte sie nicht von ihm. Unter seinem Namen war auch im Internet sonst nichts über ihn zu finden.

Monis Freundin spart sich ein „Wie kannst du nur so dumm sein, und deine Zugangsdaten einem Wildfremden geben?!“, weil sie weiß dass Moni ohnehin eine herbe Enttäuschung wegstecken muss. Denn das einzige, das sie von Michael nun hat, ist eine Mahnung über 350 Euro, die sie nun wohl oder übel zahlen muss.

Was war Moni passiert?

Sie hatte eine Freundschaftsanfrage von einem Unbekannten angenommen, der sich in vielen Nachrichten über kürzeste Zeit ihr Vertrauen erschlichen hat.

So kam es dazu, dass sie ihm ohne nachzudenken ihre Login-Daten für einen Online-Shop überlassen hatte.

Sie war einem Betrüger aufgesessen, der mit ihrem Account ein Smartphone bestellte. Glück im Unglück: Aus den 350 Euro hätte ein noch viel höherer Betrag werden können, hätte er noch weitere Dinge geordert. Doch auch die Summe der Mahnung ist schmerzhaftes „Lehrgeld“, das sie bezahlen musste.

Moni wird künftig hoffentlich vorsichtiger sein, was ihre Daten im Internet angeht. Auch Fremden auf der Straße würde sie nicht sofort alles erzählen und über sich preisgeben.
Im Internet ist es umso wichtiger, auf seine Privatsphäre zu achten, um nicht hinterher aus Schaden klug werden zu müssen: https://kas.pr/mimikama-pc

Michael, für dich zur Info: Die Login-Daten für den Online-Shop hat Moni inzwischen natürlich geändert.


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