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Depressionen: Ehemalige Content-Moderatorin klagt YouTube

Claudia Spiess, 23. September 2020
Depressionen: Ehemalige Content-Moderatorin klagt YouTube
Depressionen: Ehemalige Content-Moderatorin klagt YouTube

Die Arbeit bei YouTube belastete eine Moderatorin psychisch so sehr, dass sie das Unternehmen nun klagt.

Wie sämtliche andere Plattformen prüft natürlich auch YouTube die Inhalte, die tagtäglich hochgeladen werden. Moderatoren sind hier gefragt, die Videos anzusehen und zu entscheiden, ob diese den YouTube-Richtlinien entsprechen.

Leider finden sich auch hier grausame Aufnahmen, die man nur schwer verarbeiten kann. Tiere, die bei lebendigem Leib gehäutet werden, Gewalt in Form von Enthauptungen oder auch Kindesmissbrauch. Kein Job für „zart Besaitete“, aber auch für Menschen mit einer „dickeren Haut“ bedeutet dies eine enorme Herausforderung.

Verstörende Videos führten zu Depression

Pro Tag müssen sich Moderatoren zwischen 100 und 300 Videos ansehen, um festzulegen, ob diese den YouTube-Richtlinien entsprechen oder nicht. Darunter finden sich häufig auch Videos, die Gewaltszenen beinhalten. Tierquälerei, Kindesmissbrauch und andere Gewaltakte gehören hier leider zum Alltag dieses Jobs.

Die Klägerin war rund 20 Monate bei YouTube beschäftigt, beschloss jedoch zu kündigen, da ihr der Job psychisch zu sehr zusetzte. So gibt sie in ihrer Klage nun auch an, dass durch ihre Aufgabe als Moderatorin Depressionen ausgelöst wurden und auch Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung auftraten: Panikattacken und Albträume, Angst vor Amokläufen, weshalb sie sich bei größeren Menschenansammlungen unwohl fühlt, auch sämtliche Freunde habe sie verloren, wie „Cnet“ berichtet.

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Kaum Unterstützung seitens YouTube

Die Video-Plattform sieht sich nun mit Vorwürfen konfrontiert, dass Moderatoren nicht ausreichend informiert werden, welche Belastungen durch ihre Aufgabe auf sie zukommen könnten. Auch werden sie im Umgang mit verstörenden Videos nicht ausreichend unterstützt oder geschult.

YouTube bietet Gespräche mit „Wellness-Coaches“ an, die allerdings oftmals ohne medizinischen Hintergrund agieren und in Nachtschichten gar nicht erst anwesend wären. Auch seien deren Ratschläge fragwürdig. – So soll die Aussage „auf Gott zu vertrauen“ oder der Vorschlag, illegale Substanzen zu sich zu nehmen, getätigt worden sein.

Auch würden technische Hilfsmittel nicht ausreichend eingesetzt werden. Wird bei einem Video durch den Algorithmus bereits erkannt, dass es sich um problematische Inhalte handelt, werden diese den Moderatoren trotzdem gezeigt, anstatt beispielsweise verpixelt zu werden.

Moderatorin fordert Entschädigung

Die ehemalige YouTube-Moderatorin fordert nun eine Entschädigung und möchte erreichen, dass YouTube seine Mitarbeiter optimaler unterstützt. Ihrer Sammelklage können sich auch weitere Betroffene anschließen.

Die tagtäglich gesehenen verstörenden Clips hinterließen Spuren in ihrer Psyche, sodass sie Hilfe in Form von Therapiestunden in Anspruch genommen hatte, welche sie selbst finanzieren musste. Diese möchte sie nun von YouTube ersetzt bekommen.

Sie fordert weiters die Einrichtung eines Screening-Programms, mit welchem das Wohlbefinden der Mitarbeiter festgestellt werden und im Fall von psychischen Probleme für die Therapie aufkommen soll.

Ihre Vertretung in dieser Sache übernahm die Kanzlei John Saveri, die 2018 eine ähnliche Klage von Facebook-Moderatoren behandelt hatte. Hier wurde erreicht, dass Facebook umgerechnet knapp 48 Millionen Euro an die Betroffenen zahlte.

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YouTube möchte Moderatoren-Team aufstocken

Seit der Corona-Pandemie, in der zahlreiche Moderatoren ausfielen, verstärkte YouTube die Inhalts-Moderation durch selbstlernende System, was allerdings laut „The Verge“ häufig zu Fehlentscheidungen führte.

So soll dieses KI-gestützte System weiterhin genutzt werden, allerdings nur als Unterstützung für menschliche Moderatoren. Hierfür ist es notwendig, das Team aufzustocken, was auch die Aufgabenlast für jeden einzelnen von ihnen ein wenig reduzieren wird.

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Quelle: Der Standard
Artikelbild: Shutterstock / Von PiXXart


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