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Die wahre Geschichte von Mia – der „weinenden Katze“

Kathrin Helmreich, 30. Januar 2019
Die wahre Geschichte von Mia - der "weinenden Katze"
Die wahre Geschichte von Mia - der "weinenden Katze"

Seit Tagen erhalten wir immer wieder Anfragen zu einer angeblich „weinenden Katze“. Der Grund: Sie wurde gerade erst im Tierheim abgegeben! Ein Foto soll ihre Emotionen beweisen.

Es geht um diese rote Katze hier, die seit Tagen in den sozialen Netzwerken mit verschiedenen Geschichten gepostet wird:

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Angeblich würde das Tier weinen, weil es von seiner Familie abgegeben und zurückgelassen wurde. Stimmt das?

Der Faktencheck

Mit einem haben die Beitragsersteller auf jeden Fall Recht: Tiere haben Gefühle! Und wer sich nicht bewusst ist, dass ein Haustier sein Leben lang Verantwortung für dessen Besitzer bedeutet, der sollte lieber auf Plüschtiere zurückgreifen.

Jedoch stimmt weder die Geschichte, die zu dem Foto verbreitet wird, noch der Grund der Tränen.

Wir sehen hier Katze Mia, kurz nach ihrem Fund auf den Straßen von Chile.

Barbara Constanza postete Fotos und Videos von Mia am 1. Mai 2018 auf Facebook, um auf das Schicksal der Straßenkatze aufmerksam zu machen und Spenden für die tierärztliche Behandlung zu sammeln:

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Sie schreibt:

nació con una mal formación compleja en sus patitas, no se como sobrevivió en la calle así no puede ni correr, y lo mas probable que se comienza a fracturar con el tiempo, actualmente se encuentra internada en veterinaria ciudad del este de puente alto, nuestra única opción es ponerle placas en ambas patitas y luego seguir con fisioterapia, como sobrevivió 8 meses así esta pequeña y sin recibir ayuda de nadie

sie wurde mit einer komplexen Fehlbildung an den Beinen geboren, ich weiß nicht, wie sie auf der Straße überleben konnte, sie kann nicht einmal richtig laufen, und es ist wahrscheinlich, dass die Beine mit der Zeit brechen, im Moment liegt sie im Krankenhaus in der Veterinärstation östlich der Hohen Brücke, unsere einzige Möglichkeit ist, Platten in beide Beine zu legen und dann mit der Physiotherapie fortzufahren, da die Kleine 8 Monate so und ohne Hilfe von jemanden überlebte.
(Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator)

Mia lebte also 8 Monate auf der Straße, bevor sie gefunden und zum Tierarzt gebracht wurde. Zudem hatte sie verkümmerte Beinchen, die operiert werden mussten.

Sie wurde, entgegen der Gerüchte, nicht von ihrer Familie in einem Tierheim abgegeben.

Barbara Constanza selbst bekam Wind von den falschen Geschichten rund um Mia und postete bereits im August 2018 einen klärenden Beitrag diesbezüglich:

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Das Foto wird also von Klicksammlern missbraucht – denn was zieht gut? Genau, emotionale Geschichten! Vor allem mit Tieren, Kindern und älteren Menschen!

Es ist traurig, dass ein Tier, das so viel hathat lei müssen, bis es zu verantwortungsvollen Menschen kam und nun glücklich Katze sein darf, letztendlich als Meme endet!

Und warum „weint“ Mia auf dem Foto?

Da das Foto nicht mit Photoshop manipuliert wurde, bleibt noch die Frage, warum die Samtpfote ganz feuchte Augen hat.

Tierärztin Anke Meeuw erklärt, warum Mias Augen tränen (können):

Katzen haben Tränendrüsen wie wir, daher können ihre Augen auch tränen. Was Katzen nicht können, ist das emotionale Weinen – das ist dem Menschen vorbehalten.

Katzen fühlen zwar die gleichen Gefühle wie wir Menschen oder wie andere Säugetiere, aber vor Schmerz oder Unglück weinen, das können sie nicht. Tränen können sie mit dem Tränenapparat natürlich trotzdem vergießen. Das kann an einer Augenentzündung liegen oder auch einfach, wenn sie vom Kalten ins Warme kommen.

Bilder von „weinenden“ Tieren lösen bei uns Menschen immer eine emotionale Reaktion aus und deshalb neigen wir dazu, tränende Augen bei Tieren zu vermenschlichen.

Tiere haben jedoch andere Methoden, um ihre Gefühle auszudrücken. Diese Katze könnte also weinen, weil „etwas mit den Augen ist“ (Staub, Fremdkörper, Entzündung), aber nicht, weil sie verlassen oder traurig ist.

Emotionale Tränen lassen sich auch gut chemisch, also in der Zusammensetzung von anderen (reflektorischen) Tränen, unterscheiden. Emotionale Tränen haben bis zu 25% mehr Protein, wofür das gut ist, naja, darüber streiten die Gelehrten noch. Reflektorische Tränen weinen auch Tiere.

Wozu sind Tränen gut?

Tränen ernähren die Hornhaut, die keine eigenen Blutgefäße hat (sonst würden wir nur rot sehen) und halten das Auge sauber und feucht.

Zu viele Tränen werden über den Tränennasenkanal, wie bei einem Badewannenüberlauf, durch die Nase abgeleitet, wird zuviel Tränenflüssigkeit gebildet, laufen die Tränen auch aus den Augen (die Badewanne läuft über).

Daher hat man bei tränenden Augen auch immer eine laufende Nase und wenn z.B. bei Schnupfen der Kanal verstopft ist, dann laufen die Tränen eben direkt aus den Augen ab, das gilt für Mensch und Tier.

Also, wenn man Rotz und Wasser heult, kommt aus der Nase kein Rotz, sondern Tränen! Trotz allem findet sich das emotionale Weinen nur beim Menschen wieder.

Mehr Informationen zum Thema „Können Tiere weinen“ findet ihr unter „Warum weinen Tiere nicht?“ und „Kommt es auch bei Tieren vor, dass sie vor Schmerz oder Rührung weinen?“ sowie „Das tränende Auge – Dr. med. vet. Sunayana Mitra & Dr. med. vet. Nina Müller„.

Und was wurde nun aus Mia?

Der Katzendame geht es hervorragend, seht selbst:

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Ergebnis:

Die Katze auf dem Foto weint nicht, weil ihre Familie sie erst kürzlich im Tierheim zurückgelassen hat, sondern weil…

Das Foto wird also ohne Quellenangabe und tatsächlicher Ursprungsgeschichte viral in Umlauf gebracht. Nicht nur, dass sich Menschen zum Teil darüber belustigen, nein, es werden bewusst Falschnachrichten verbreitet und Desinformation betrieben.

Nichtsdestotrotz weisen wir hier nochmals darauf hin, dass Tiere empfinden und Gefühle haben! Sie drücken sie zwar anders aus und auch wenn eine Katze nicht aus emotionalen Gründen weint, ist es sehr schlimm für Vierbeiner misshandelt, missbraucht oder zurückgelassen zu werden!

Vorschaubild: Lightspring / Shutterstock.com

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