Kettenbriefe im Internet

„Mexiko hat es geschafft“ – Nein, es gibt keinen Virus in einem Bild!

In sozialen Medien kursiert die Behauptung, dass „sie“ (wer immer auch das sein soll) ein Bild mit dem Namen „Mexiko hat es geschafft“ veröffentlichen, welches die Heilung von COVID-19 zeigen soll. Doch dabei handelt es sich nur um einen unfundierten Kettenbrief.

Ralf Nowotny, 24. Juni 2022

Die Behauptung

Angeblich kursiert ein Bild namens „Mexiko hat es geschafft“, auf dem zu sehen sei, wie in dem Land COVID-19 geheilt wird, doch das Bild sei ein Virus.

Unser Fazit

Es handelt sich um einen Kettenbrief, der in kleinen Variationen bereits seit 2020 kursiert. Ein solches Bild gibt es jedoch nicht und ist auch noch nie „in freier Wildbahn“ aufgetaucht.

Wichtig bei Kettenbriefen: Sie müssen zeitlos sein und bloß keine konkrete Zeitangabe enthalten! Irgendetwas geschieht „heute“ oder „morgen“ – oder solcherlei Wörter gleich ganz weglassen. Zudem müssen immer irgendwelche Nachrichtensender genannt werden, um der Behauptung Seriosität zu verleihen… auch wenn auf deren Seiten absolut nichts dazu zu finden ist.
Nach exakt diesem Schema arbeitet auch der „Mexiko hat es geschafft“-Kettenbrief, für dessen Behauptung es keinerlei Nachweis gibt.

Die „Mexiko hat es geschafft“-Behauptung

Hier einige Beispiele der Behauptung:

Der „Mexiko hat es geschafft“ Kettenbrief auf Facebook und Telegram

Der Text des Kettenbriefs lautet:

Achtung diese Warnung macht gerade in Amerika die Runde:
DRINGENDER ALARM – WARNUNG
Sie werden ein Bild veröffentlichen, das zeigt, wie Covid 19 in Mexiko geheilt wird, und es heißt „Mexiko hat es geschafft“, öffnen Sie es nicht, da es in 5 Sekunden in das Telefon eindringt und in keiner Weise gestoppt werden kann. ES IST EIN VIRUS. Geben Sie es an Ihre Freunde und Familie weiter. Jetzt sagten sie es auch auf CNN und BBC. NICHT ÖFFNEN
Bitte informieren Sie Ihre Freunde.

Ein Kettenbrief seit 2020

Der Kettenbrief kursierte bereits im Juli 2020 auf Englisch mit dem Titel „Argentina is doing it“ und im April 2021 erstmals in Spanisch mit dem Titel „México lo hizo“ und auf Englisch mit dem Titel „Mexico did it“, bevor er nun, im Juni 2022 als „Mexiko hat es geschafft“ im deutschsprachigen Raum kursiert.

Sämtliche Versionen des Kettenbriefs ist gemein, dass es immer um ein angebliches Bild mit dem Namen geht, welches die Heilung von COVID-19 in dem Land zeigen soll, dass es sich dabei um einen Virus handele und dass CNN und BBC darüber berichtet haben.

Doch bei keinem der Sender ist irgendetwas darüber zu finden, weder 2020, noch 2021 oder 2022!

Können sich Viren in Bildern verstecken?

In der absoluten Theorie: Ja. Bereits 2014 und 2015 wurde die Möglichkeit in vielen Foren (beispielsweise HIER und HIER) diskutiert. Doch ein solches Virus müsste sehr spezifisch sein, beispielsweise den Buffer eines bestimmten Anzeigeprogramms zum Überlaufen bringen, um dann einen Code zu implementieren.

In der Praxis ist dies jedoch viel zu umständlich: Bildanzeige-Programme sind zumeist vor solchen Bufferüberläufen geschützt und öffnen ein Bild gar nicht erst, Antiviren-Programme könnten einen Code in einem Bild erkennen, die Dateigröße der Bilder wäre unverhältnismäßig groß etc.

Seit mindestens 2014 wird also bereits die Möglichkeit erwogen… doch es ist noch absolut nie ein solches Bild jemals in „freier Wildbahn“ aufgetaucht, kein Antiviren-Hersteller hat je ein solches entdecken können.

Fazit

Solche Kettenbriefe, die Nutzer nur verunsichern sollen, kursieren schon seit zig Jahren. Ein berühmtes Beispiel ist das sogenannte Martinelli-Video (wir berichteten), welches ebenfalls angeblich „das Telefon hacke“, doch auch dabei handelte es sich nur um einen panikmachenden Kettenbrief.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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