Die menschliche Gestalt in den Wolken – der Faktencheck

Kathrin Helmreich, 7. Februar 2020
Die menschliche Gestalt in den Wolken - der Faktencheck
Die menschliche Gestalt in den Wolken - der Faktencheck

Ein Bild zeigt eine Gestalt in den Wolken, dazu kursieren die wildesten Theorien. Es ist jedoch nicht belegt, um was es sich tatsächlich handelt.

Die menschliche Gestalt in den Wolken – Das Wichtigste zu Beginn:

  1. Ein Foto zeigt eine Gestalt in den Wolken.
  2. Dazu gibt es die wildesten Theorien, die erklären sollen, was auf dem Material zu sehen ist.
  3. Es ist jedoch unklar, um was es sich tatsächlich handelt.

Wir erhielten Anfragen zu folgendem Foto, das auf den ersten Blick eine menschliche Silhouette in den Wolken zeigt:

Der Faktencheck

Ja, das Thema Wolken-Gestalten kommt uns tatsächlich sehr bekannt vor! (wir berichteten) Im Jahre 2018 erklärt Kollege Rüdiger was es damit auf sich haben könnte:

Um es vorweg zu nehmen, lässt sich mit der vorhandenen Beweislage nicht eindeutig sagen, was wir hier wirklich sehen. Da schlicht und ergreifend die Faktenbasis fehlt und die Qualität des Bildes nicht allzu gut ist, kann man sich in diesem Fall nur eines heuristischen Prinzips aus der Scholastik bedienen, welches in der Wissenschaftstheorie und wissenschaftlichen Methodik Anwendung findet. Dieses Prinzip nennt sich Ockhams Rasiermesser.

Ockhams Rasiermesser

Rasiermesser? Ja. Allerdings natürlich nur metaphorisch. Es geht im Prinzip darum, dass die einfachste Erklärung für ein Phänomen meistens die richtige ist. Je mehr Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit eine Erklärung valide ist, desto unwahrscheinlicher ist die Erklärung, oder auch „Entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem“ – „Wesenheiten dürfen nicht über das Notwendige hinaus vermehrt werden.“

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Benannt nach Wilhelm von Ockham, einem im 13. und 14. Jahrhundert lebenden Philosophen und Schriftsteller, beschreibt dieses Prinzip eine Herangehensweise an eine Fragestellung, bei der die unlogischen und unwahrscheinlichen Antworten wie mit einem Rasiermesser entfernt werden – was dann übrig bleibt, ist wahrscheinlich die richtige Erklärung.

Ein Beispiel

Wenn man sich ein Frühstücksei kocht und dieses am Ende zu hart ist, dann könnte man als Erklärung behaupten, dass ein Riss im Raum-Zeit-Kontinuum dafür gesorgt hat, dass die Zeit für das Ei schneller vergeht, was dann zur Folge hat, dass dieses viel zu lange gekocht wurde, es also deshalb hart ist.

Man könnte jedoch auch einfach behaupten, dass man vergessen hat, auf die Uhr zu schauen, und das Ei deshalb so hart geworden ist.

Beides würde das Phänomen erklären. Allerdings wären für die erste Variante mit dem Kontinuum eine ganze Menge an Voraussetzungen zu erfüllen, damit die Hypothese bestätigt würde. Beispielsweise allein die Tatsache, dass es sowas wie einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum wirklich gibt, und dass dieser tatsächlich Einfluss auf das Frühstücksei gehabt hat.

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Übertragen auf das Bild hieße das dann, dass die Erscheinung entweder ein Zeichen Gottes ist …oder einfach nur eine seltsam geformte Wolke.

„Aber man sieht doch eine Gestalt …“

Ja, natürlich. Und wenn man weiß, was es nach gewissen Theorien eventuell sein könnte, sieht man auch genau das, was man sehen will. Daran ist unser Gehirn schuld: Dieses ist bestrebt, in allen Formen bekannte Muster zu entdecken. In diesem Fall eben Gott oder wen auch immer. Dieses Phänomen nennt sich Pareidolie und ist allgemein bekannt: So erkannte man auf ersten Aufnahmen der Marsoberfläche, die die Sonde Viking 1 am 25.07.1976 gemacht hat, „eindeutig“ ein Gesicht.

Bei genauerer Betrachtung weiß man heute allerdings, dass dieses Gesicht nur eine optische Täuschung war:

Man erkennt klar den Berg, der durch ein Licht- und Schattenspiel wie ein Gesicht aussah.

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Die Fakten

Wir wissen, dass es verschiedene Wetterphänomene gibt, die so aussehen können. Wir können also davon ausgehen, dass wir bei dieser einfachen und plausiblen „Wetterphänomen-Lösung“ schon mal nicht falsch liegen.

Und nun?

Theoretisch könnte sich nun jeder ein komplettes Bild machen, dieses Phänomen bewerten und dabei mit einbeziehen, ob es wahrscheinlicher ist, dass es gar Gott oder Allah selbst ist, der dort auf einer Wolke thront, oder ob es nur eine Wolkenform ist, die mit Fantasie an einen Mensch erinnert.

Die „natürliche“ Erklärung ist jedenfalls dann doch ein wenig plausibler.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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