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Abhängigkeit von Kartenzahlung nimmt stark zu – Bargeldreserve wichtig!

Die Corona-Pandemie hat das Einkaufs- und Bezahlverhalten in Deutschland nachhaltig verändert. So zückten die Verbraucherinnen und Verbraucher in den beiden Pandemie-Jahren beim Einkauf deutlich öfter die Karte.

Susanne Breuer, 4. Juni 2022

Die Corona-Pandemie hat das Einkaufs- und Bezahlverhalten in Deutschland nachhaltig verändert. So zückten die Verbraucherinnen und Verbraucher in den beiden Pandemie-Jahren beim Einkauf deutlich öfter die Karte. Das zeigt sich am Anteil des Einzelhandelsumsatzes, der in den letzten zwei Jahren signifikant gestiegen ist, so eines der Ergebnisse der EHI-Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2022“. Die Deutschen gaben zudem im Jahr 2021 erneut mehr Geld pro Einkauf aus als noch im Vorjahr. Dagegen ist die Zahl der Einkäufe innerhalb der letzten zwei Jahre pandemiebedingt erheblich gesunken. Auch die Bar-Transaktionen sind in Deutschland signifikant zurückgegangen.

Kartenzahlungen auf dem Vormarsch

Das Bezahlverhalten der Kundschaft geht immer mehr in Richtung Kartenzahlung, wodurch ihr Umsatzanteil im stationären Handel seit 2019 von 50,5 Prozent auf 58,8 Prozent gestiegen ist. Der Transaktionsanteil der Karte hat von 26,1 Prozent auf 37,9 Prozent zugelegt.

Die girocard ist im letzten Jahr mit einem Umsatz von 182,4 Mrd. Euro im stationären Einzelhandel zur stärksten Zahlungsart vor der Barzahlung geworden. Allein 42,4 Prozent des Einzelhandelsumsatzes und damit 2,3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr konnte der Marktführer auf sich vereinen. Dazu kommen noch 6 Prozentpunkte, die ebenfalls über die girocard im unterschriftbasierten SEPA-Lastschriftverfahren abgewickelt wurden. Mit einem Plus von 0,5 Prozentpunkten liegt der Anteil der Kreditkarte bei neun Prozent (Umsatz: 38,7 Mrd. Euro).

Banking by Smartphone

Das kontaktlose Bezahlen mit Karte und zunehmend auch per Smartphone hat sich derweil zum Standard entwickelt. Die Deutsche Kreditwirtschaft weist in ihren Statistiken für die kontaktlose girocard eine Steigerung in den Bezahltransaktionen des vergangenen Jahres von 61,1 Prozent auf 72,6 Prozent aus. Für die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels zeigt die EHI-Studie sogar noch höhere girocard-Kontaktlosanteile zwischen 78 Prozent (SB-Warenhäuser) und 87 Prozent (Drogeriemärkte). Der schnelle und hygienisch besonders vorteilhafte Bezahlprozess ist bei Kundschaft und Handel gleichermaßen beliebt. Auch Mimikama berichtete schon. (HIER)

Anteil der Zahlungsarten am Umsatz des Einzelhandels / Grafik: EHI
Anteil der Zahlungsarten am Umsatz des Einzelhandels / Grafik: EHI

Weniger Transaktionen

Besonders deutlich werden die Veränderungsprozesse am POS bei den sinkenden Bargeldtransaktionen. Noch im Jahr 2019 generierte die Kundschaft 46,5 Prozent des Umsatzes mit Bargeld – in 14,58 Mrd. Einkäufen. Bereits im ersten Corona-Jahr 2020 sind rund 2,5 Mrd. Bar-Transaktionen verloren gegangen. In 2021 waren es dann insgesamt nur noch 10,11 Mrd. Einkäufe, bei denen die Verbraucher:innen zu Scheinen und Münzen gegriffen haben. Der Bar-Umsatzanteil ist um 2,4 Prozentpunkte auf 38,5 Prozent zurückgegangen.

Höherer Durchschnittsbon

Gestiegen ist dagegen der durchschnittliche Einkaufsbetrag im deutschen Einzelhandel. Der Durchschnittsbon lag 2021 bei 25,90 Euro (Vorjahr: 23,84 Euro) und hat sich damit innerhalb von zwei Jahren um 16 Prozent erhöht, während der gesamte stationäre Umsatz 2021 von 435 Mrd. Euro auf 430 Mrd. Euro geschrumpft ist. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen ging der Trend dahin, den Handel deutlich weniger aufzusuchen, dann aber erheblich mehr einzukaufen und gleichzeitig einen wesentlichen Anteil der Einkäufe außerhalb des täglichen Bedarfs online zu tätigen. Dies hat die Zahl der Einkäufe binnen zwei Jahren von 20 Mrd. auf 16,6 Mrd. schrumpfen lassen. Gleichzeitig ist nach ersten Berechnungen des EHI der Online-Umsatz (brutto) in diesen zwei Jahren von rund 60 Mrd. Euro auf mindestens 100 Mrd. Euro gestiegen.

Durchschnittliche Einkaufsbeträge über alle Zahlungsarten / Grafik: EHI
Durchschnittliche Einkaufsbeträge über alle Zahlungsarten / Grafik: EHI

Lebensmittelhandel als Bargeldversorger

Bei immer weniger vereinnahmtem Bargeld stieg angesichts immer weniger verfügbarer Geldautomaten das sogenannte Cash-Back-Volumen spürbar an. Knapp 90 Prozent der Lebensmittelhändler und Drogeriemärkte, die im EHI-Panel „Zahlungssysteme“ vertreten sind, verfügen bereits über den Service der Bargeldauszahlung. Der durchschnittliche Auszahlungsbetrag lag stabil bei rund 95 Euro. Jeder zehnte vereinnahmte Euro wurde auf diese Weise im letzten Jahr wieder an die Kundschaft ausgegeben. Vor zwei Jahren waren es gerade einmal 2,8 Prozent.

Risiken liegen auf der Hand

Gerade in den letzten Tagen wurde die Abhängigkeit von den elektronischen Zahlungssystemen offensichtlich. Sei es durch einen drohenden längeren Stromausfall, verursacht durch russische Hacker-Kollektive im Zuge der digitalen Kriegsführung nicht nur im Ukraine-Krieg. Oder durch den längerfristigen Ausfall von Kartenzahlungssystemen z.B. im Einzelhandel, wie es gerade in Deutschland punktuell der Fall ist. (HIER) Die Möglichkeit, mit der Karte zu zahlen, hängt vom Strom ab, der die Systeme betreibt. Ebenso ist auch die Bargeldbeschaffung abhängig von einer funktionierenden Stromversorgung. Ohne Strom funktionieren weder die Geldautomaten noch die Cashback-Systeme im Supermarkt. Da nützt dann im Falle eines Falles das bestgefüllte Konto nichts.

Bargeldreserve schafft Sicherheit

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge empfiehlt daher in seiner Broschüre zur Vorsorge für einen Stromausfall, eine angemessene Bargeldreserve im Haus zu haben. Eine konkrete Summe wird dabei nicht genannt. Sie ist abhängig von der Anzahl der Personen, die im Notfall zu versorgen sind und vom persönlichen Einkommen. Selbstverständlich sollte diese Bargeldreserve sicher aufbewahrt werden. Ein brand- und wassersicherer Tresor leistet dabei gute Dienste. Wer nicht über einen Tresor verfügt, sollte sich Gedanken über kreative Verstecke machen, die von Einbrechern nicht so schnell gefunden werden. Nein, Matratzen, Bücher, die Schachtel unter dem Bett oder die Schublade ganz hinten gehören sicher nicht dazu. Auch Bilder, hinter denen sich gefüllte Briefumschläge verstecken könnten, werden von Einbrechern gerne von der Wand gerissen. Aber vielleicht eine verwitterungssichere Metallkapsel, die im Garten vergraben wird?

Während in Deutschland keine konkrete Summe für eine empfohlene Bargeldreserve genannt wird (HIER), sieht es in Österreich schon anders aus. Der Österreichische Zivilschutz empfiehlt pro Haushalt 500 Euro in kleinen Scheinen. (HIER)

Quelle: EHI Retail Institute

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