Greenkama macht Klimaschutz greifbar

Macht mehr CO₂ die Erde grüner und besser?

Laut einem Artikel der NASA wird die Erde grüner, je mehr CO₂ in der Atmosphäre ist, doch ist das auch gut?

Ralf Nowotny, 31. August 2022

Jene Sharepics bekamen wir als Kommentar zu einem Artikel, demnach ist das Plus an CO₂ eher gut für die Erde:

Macht mehr CO2 die Erde grüner und besser?
Macht mehr CO2 die Erde grüner und besser?

Der Text auf dem ausführlicheren Sharepic lautet:

„Eine Klima-Bewegung wehrt sich gegen die ergrünende Erde
NASA-Studie aus 2016
CO2 ist die Ursache für mehr Wachstum.
Je mehr CO2 – desto grüner die Erde

Ohne Kohlendioxid gäbe es kein Leben, da Pflanzen für ihr Wachstum neben Licht auch CO2 für die Photosynthese benötigen.
Diese biologische Gesetzmäßigkeit bildet die Grundlage für das Leben. (CO2 für die Assimilation in Pflanzen)“

Was ist das für eine NASA-Studie?

Den in den Sharepics erwähnten NASA-Artikel gibt es tatsächlich und ist hier zu finden! Darin wird von Studien berichtet, die gezeigt haben, dass erhöhte Konzentrationen von Kohlendioxid die Fotosynthese erhöhen und das Pflanzenwachstum anregen. So erklärt die Kohlendioxiddüngung sogar 70 Prozent des Begrünungseffekts, an zweiter Stelle folgt Stickstoff mit 9 Prozent.

Allerdings handelt es sich nicht um eine NASA-Studie, diese veröffentlichten nur einen Artikel darüber, die Studie selbst ist auf der Seite „Nature“ zu finden. Von diesem kleinen Schönheitsfehler abgesehen, stimmen die Aussagen auch soweit.

Was das Sharepic unterschlägt

Leider haben die Ersteller der Sharepics anscheinend nicht den ganzen Artikel der NASA gelesen oder einen wichtigen Absatz geflissentlich überlesen, denn da steht auch:

Steigende Kohlendioxidkonzentrationen in der Luft können zwar für die Pflanzen von Vorteil sein, sind aber auch die Hauptverantwortlichen für den Klimawandel. Das Gas, das die Wärme in der Erdatmosphäre speichert, nimmt seit dem Industriezeitalter durch die Verbrennung von Öl, Gas, Kohle und Holz zu Energiezwecken zu und erreicht weiterhin Konzentrationen, die seit mindestens 500.000 Jahren nicht mehr erreicht wurden. Zu den Auswirkungen des Klimawandels gehören die globale Erwärmung, der steigende Meeresspiegel, schmelzende Gletscher und Meereis sowie schwerere Wetterereignisse.“

Aber viel grün ist doch gut, oder?

Nicht auf lange Sicht, und besonders nicht für Menschen!
2017 veröffentlichte der Umweltwissenschaftler Dr. Elliott Campbell von der University of California eine weitere Studie, die im Prinzip dasselbe aussagt, aber dazu auch noch Zahlen liefert: Demnach wird nun 31 Prozent mehr Kohlendioxid in organische Substanz umgewandelt als vor der industriellen Revolution.

Klimawandelleugner sprangen sofort auf diese Studie an und erklärten, dass die „sogenannte Kohlenstoffbelastung in Wahrheit mehr für das Grün der Erde getan habe, als die gesamte Klimapolitik aller Regierungen der Welt zusammen„.

Die „New York Times“ führte daraufhin ein Interview mit Dr. Campbell, der von dieser Interpretation seiner Studie durch Klimaleugner überhaupt nicht begeistert ist, da daraus falsche Schlüsse gezogen werden. Dazu nennt Dr. Campell vier Gründe, warum das „Global Greening“ nicht wirklich gefeiert werden sollte:

1. Mehr Fotosynthese bedeutet nicht mehr Nahrung

Zwar ernten wir jetzt tatsächlich mehr Nahrung als noch vor einem Jahrhundert, der Anstieg an CO₂ hat damit allerdings nur sehr wenig zu tun. Wie Dr. Campbell sagt, bedeuten 30 Prozent mehr Fotosynthese nicht auch gleich 30 Prozent mehr Erdbeeren auf dem Feld.

Zwar zieht die Fotosynthese von Pflanzen das Kohlendioxid aus der Atmosphäre, nachts jedoch läuft der Vorgang genau umgekehrt: Ein Großteil, des von den Pflanzen aufgenommenen CO2s, wird wieder an die Luft abgegeben. Mehr Nutzen für die Pflanzen hat dies also nicht wirklich, der Anstieg der Nahrung während des letzten Jahrhunderts liegt also nicht am gesteigerten Anteil von CO₂, sondern an besseren Düngemitteln, besseren Saatgutsorten und effektiverer Bewässerung.

2. Das Plus an CO₂ kann Pflanzen weniger nahrhaft machen

Eine Reihe von Studien zeigen, dass Pflanzen, die in Umgebungen mit größerem CO₂-Gehalt aufwachsen, oft niedrigere Konzentrationen von Nährstoffen wie Stickstoff, Kupfer und Kalium enthalten. Warum dies so ist, wird derzeit noch untersucht, so wird in einer Studie der Universität Göteborg in Schweden, dass bestimmte Mikroben, daran nicht unschuldig sind.

So wie Kohlendioxid die Fotosynthese beschleunigt, kann es auch die Geschwindigkeit erhöhen, mit der Bodenmikroben Nährstoffe aufnehmen, sodass die Pflanzen weniger über ihre Wurzeln einsaugen können, so die Vermutung der Wissenschaftler.

Und das ist nun das Problem: Wenn unsere Lebensmittel dadurch nährstoffärmer werden, werden wir auch anfälliger für Krankheiten. Um dies genauer zu beleuchten, untersuchte ein Forscherteam der Stanford University, wie künftige Veränderungen der Nutzpflanzen im Nährstoffgehalt sich auf die Gesundheit auswirken.

Die Ergebnisse waren beunruhigend: So würde der Eisenmangel in Südostasien beispielsweise bis zum Jahr 2050 von 21,8 Prozent auf 27,9 Prozent steigen. Weltweit würde der Nährstoffmangel in Nutzpflanzen zu einer sehr viel größeren Anfälligkeit für Malaria und Lungenentzündungen führen, was wiederum zu vorzeitigen Todesfällen führt.

3. Mehr Pflanzen verhindern nicht den Klimawandel

Nicht nur Nutzpflanzen, sondern natürlich auch Wälder, Wiesen und andere Ökosysteme nehmen Kohlendioxid auf und geben es zum Großteil nachts wieder ab. Schätzungsweise könnten alle Pflanzen und Ökosysteme der Welt zusammengenommen etwa 25 Prozent des Kohlendioxids, welches wir in die Atmosphäre blasen, entfernen.

Nun werden aber jedes Jahr mehr Kraftwerke gebaut und mehr CO₂ produziert, sodass auch ein Mehr an Pflanzen dies nicht aufhalten kann. Es sei ein wenig so, als ob einem der Arzt sagt, dass die Chemotherapie das Wachstum des Tumors um 25 Prozent verlangsamt habe: Es verlangsamt den Prozess nur im günstigsten Fall, hält ihn aber weder komplett auf noch kehrt er ihn um.

4. Das „Global Greening“ hält nicht ewig an

Noch unklar ist, wie stark der derzeitige Effekt überhaupt anhalten wird. Wenn beispielsweise durch den Klimawandel auch die Niederschlagsmuster sich ändern und die Temperaturen, kann es passieren, dass die Pflanzen auch kein zusätzliches CO₂ mehr aufnehmen, im Gegenteil dann mehr als 75 Prozent wieder an die Luft abgeben, was die Situation dann noch verschlimmern würde.

Fazit

Die Aussage des Sharepics, dass die Welt durch den Klimawandel grüner wird, ist zwar richtig. Die Schlussfolgerung aber, dass es dadurch besser werden würde, ist falsch: Das „Global Greening“ hat höchstens optische Vorteile, langfristig jedoch ist dies eher schlecht für die Menschheit.

Artikelbild: Shutterstock / Von Johan Swanepoel

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