Max, echt jetzt? DAS ziehst du dir auf YouTube rein?

Claudia Spiess, 21. Oktober 2021
DAS siehst du dir auf YouTube an?
DAS siehst du dir auf YouTube an?

„Na? Holst du dir wieder Schminktipps auf YouTube?“ ist eine Frage, die Max am frühen Morgen schon ein klein wenig verwirrt.

Ein warmer Herbstmorgen, Max macht sich auf den Weg zur Arbeit. In der U-Bahn mag er es, in Ruhe seine Lieblingsmusik zu hören oder auch mal auf YouTube ein paar Videos anzusehen, bevor die Alltagshektik wieder richtig losgeht.

Ganz diskret – mit Kopfhörern – sitzt er also in der U-Bahn, als ein Kollege von ihm einsteigt: „Hey, Max, guten Morgen!“ Max drückt schnell auf Pause, stellt das Display seines Handys ab, nimmt die Kopfhörer ab und begrüßt den Kollegen.
Der Kollege grinst breit: „Na? Holst du dir wieder Schminktipps auf YouTube?“, er lacht und klopft Max auf die Schulter. „Wusste nicht, dass man dich für so etwas begeistern kann.“

Max runzelt die Stirn, was meint er denn damit? Der Kollege spricht dann aber über ein anstehendes Firmenprojekt, und Max denkt vorerst nicht weiter darüber nach. War vermutlich nur ein schlechter Witz am frühen Morgen, und der Kollege braucht wohl erst einen Kaffee, damit er wieder klar denken kann.

Was ist denn nur mit meinen KollegInnen los?!

Im Büro angekommen, fährt Max mal den PC hoch und holt sich in der Zwischenzeit einen Kaffee. In der kleinen Küche der Firma trifft er eine Kollegin. Sie begrüßt ihn freudig: „Hey, Max, gut, dass ich dich treff. Schau mal!“ – Sie hält ihm ihre Finger unter die Nase. „Was sagst du dazu? Ganz gut gelungen für den dritten Versuch, hm?“

Es war nicht das erste Mal, dass diese Kollegin ihn wegen ihrer selbstgemachten und gestylten Fingernägel um seine Meinung fragt. Bisher dachte er, sie wäre einfach stolz darauf, das selbst so gut hinzukriegen. Doch diesmal stutzte er. Warum fragte sie ihn das? Ihm fiel wieder die Bemerkung des Kollegen in der U-Bahn ein.

Weil er so lang nichts sagte, stupste die Kollegin ihn an „Na, Max? Hat´s dir die Sprache verschlagen? Die sind doch wirklich gut geworden, oder? Sag schon. Du kennst dich da ja aus.“ – Wie kam sie denn auf so etwas? Max hatte mit künstlichen Fingernägeln nichts am Hut, da müsste schon seine Freundin hier sein, um eine sinnvolle Antwort geben zu können.
Die Kollegin lässt nicht locker: „Max? Du weißt doch, das ist genau die Art, wie in dem einen Video gezeigt wird, das du auch in deiner Playlist auf YouTube hast.“

Playlist? YouTube? Was? Wie? Was ist mit den Kollegen und Kolleginnen denn heute nur los?

Oh Mann, die YouTube Playlist!

Max setzt sich an den PC und öffnet YouTube. Der Verdacht, den er hat, bestätigt sich. Seine Freundin hat wohl einige Videos mit Schminktipps und auch Nageldesign-Ideen in einer Playlist gespeichert, und diese dann noch mit Hula Hoop-Tutorials garniert. Und da sie das gerne an seinem PC bei ihm zu Hause macht, war das Ganze unter Max´ YouTube Kanal in einer Playlist abgelegt. In einer öffentlich sichtbaren Playlist.

Na toll, offensichtlich haben seine Kollegen da mal – warum auch immer – einen Blick auf sein YouTube Profil geworfen und denken jetzt, dass Max sich für Make Up, Nageldesign und Hula Hoop interessiert.

Privat! Das Zauberwort ist „privat“

Es war zwar ohnehin schon zu spät, die Lacher hatte Max nun schon auf seiner Seite, und er wusste, dass seine Kollegen da gnadenlos weiter herumstochern würden. Erklärungen, dass es sich um die Playlist seiner Freundin handelte, waren sicherlich einleuchtend, wurden aber von den Kollegen lachend abgetan: „Jaja, die Freundin….“ witzelten sie augenzwinkernd weiter.

Wer weiß, welche Videos seine Freundin noch in die Playlist schieben würde. In nächster Zeit würde er sicherlich ohnehin weitere Fragen oder Anspielungen auf seine vermeintlichen Interessen beantworten dürfen.

Wenn es hier auch nur um harmlose Witzeleien unter Kollegen geht, wollte Max generell nicht, dass irgendjemand sieht, was er sich online ansieht. Nicht, dass er etwas zu verheimlichen hätte, aber es geht schlicht niemanden etwas an, es ist SEINE Privatsphäre. Max stellte seine YouTube-Playlists sofort auf „privat“, um eventuelle weitere Peinlichkeiten oder Einsichten neugieriger und vielleicht sogar fremder Nutzer zu vermeiden.


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