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Max und seine gescheiterte Bewerbung

Tom Wannenmacher, 28. September 2021
Max und seine gescheiterte Bewerbung
Max und seine gescheiterte Bewerbung

Max stand wie jeden Tag auf und machte sich einen Kaffee. Normalerweise durchforstet dann Max immer wieder Facebook, Instagram und Co, um zu gucken, was es denn so Neues gibt. Nicht aber heute, denn Max war einfach zu aufgeregt und konnte nur noch an seinen 15 Uhr-Termin denken.

Warum ist Max heute so aufgeregt? Max hatte sich bei einem großen namhaften Unternehmen als Mitarbeiter in der Marketingabteilung beworben. Rasch hatte Max Antwort auf seine Bewerbung erhalten und wurde für ein persönliches Gespräch wenige Tage später – einen Donnerstag – eingeladen. Diesen Termin konnte Max jedoch nicht wahrnehmen, da es ihm an diesem Tag gesundheitlich nicht so gut ging. Der neue Termin findet nun eben heute um 15 Uhr statt.

Max machte sich 3G-mäßig fertig und geduscht sowie gut gelaunt auf den Weg.

Nun stand Max also vor dem riesig scheinenden Bürogebäude. Ganz klein kam er sich vor, gefühlte zwei Minuten brauchte er, um von ganz unten nach ganz oben zu gucken, so hoch war das Haus! Als Max dann nach einer Anmeldung beim Empfang sowie vier Stockwerke weiter oben endlich angekommen war, wurde seine Nervosität immer größer. Er zweifelte kurz, ob es richtig war, die Bewerbung für diesen Job abgesendet zu haben.

Max wurde von der Sekretärin direkt in das Büro des Personalchefs gebracht, der bereits mit einem Lächeln im Gesicht auf Max wartete.

„Sitzt die Frisur? Bin ich passend angezogen? Habe ich eh keinen Popel an der Nase?“

So, nun saß er da, der Max. In seinem Kopf tauchten auf einmal hunderte Fragen auf: Bin ich passend angezogen? Habe ich zuvor im Netz auch genug über das Unternehmen recherchiert? Sitzt die Frisur? Wie wirke ich wohl auf meinem hoffentlich zukünftigen Chef?
Max hoffte sehr auf diesen Job, um seine aktuelle Stelle an den Nagel hängen zu können. Seine letzte Bewerbung war schon eine Zeit her, und er fühlte sich wie bei einem ersten Date.

Die ersten paar Minuten des Bewerbungs-Gespräches verliefen jedoch, so meinte Max, relativ gut! Max erzählte über sich und dass er sich über das Unternehmen bereits im Netz sehr genau informiert hätte. Mit dieser Aussage wollte Max sein Interesse am Unternehmen aufzeigen, und auch beweisen, wie wichtig ihm dieser Job ist und wie ernst es ihm mit seiner Bewerbung für die Stelle war!

Doch mit seiner Internet-Recherche war er nicht allein.

Der Personalchef sprach auf einmal über irgendwelche Fotos von Max. Er drehte seinen Bildschirm zu Max und konfrontierte ihn damit. Max sah hier zwei Fotos. Eines von seinem Facebook-Konto und eines von einem Profil auf Instagram, wo er von einem Freund markiert und daher namentlich genannt wurde.

Auf dem einen Foto ist Max, sagen wir mal so, in einem eher nicht nüchternen Zustand zu erkennen, und auf dem anderen Foto ebenfalls Max, der einen Stinkefinger in die Kamera hält, als er bei seinen Freunden auf einem Grillfest gewesen ist. Mit am Foto zu sehen ein Schild mit den Worten:

„Der Hauptgrund für meinen Stress und meine hoffentlich baldige Entlassung ist der tägliche Kontakt mit dem Idioten von einem Chef“

Das Datum bei den Fotos zeigt das jenes Donnerstags, an dem Max seinen ersten Bewerbungstermin aus „gesundheitlichen Gründen“ abgesagt hatte.

Max spürte eine Hitze in sich aufsteigen und merkte, wie sein Gesicht rot anlief! Während er nach Luft rang, erklärte der Personalchef, dass auch er im Netz recherchiert – und nach Max´ Namen gesucht hatte. Bei seiner Suche sei er dabei u.a. auf diese Bilder gestoßen.

Der Personalchef wollte nun nur noch zwei Dinge von Max wissen:

  1. Wie es sein kann, dass Fotos von Max genau an diesem Tag, an dem Max  „krankheitsbedingt“ den 1. Termin abgesagt hatte, entstehen konnten und er dabei angetrunken in einem Club zu sehen ist?
    … und …
  2. Ob er generell ein Problem mit Vorgesetzten hätte, und ob er öffentlich immer über seinen Arbeitgeber schimpfe?

Max versuchte sich herauszureden und brachte am Ende gar kein Wort mehr heraus. Das Bewerbungs-Gespräch war hiermit beendet. Seinen zukünftigen Job in der Marketingabteilung dieses Unternehmens kann Max nach dieser Aktion und diesen beiden Bildern vergessen!

Tja, dumm gelaufen, Max, diese Bewerbung hast du komplett in den Sand gesetzt.


Was ist Max hier passiert?

Max war sich nicht bewusst, dass seine Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook und Instagram viel zu locker eingestellt waren. Jeder, der nach seinen Namen sucht, findet Max´ Profile und die damit in Zusammenhang stehenden Fotos, Bilder, Videos und alle Informationen, die Max „öffentlich“ geteilt hatte. – Und das waren nicht wenige.

Klar, das Internet ist sehr praktisch und nützlich, hat aber auch Max´ persönliche Daten verletzlicher gemacht. Viele Unternehmen erkundigen sich vorab genauso über seine Bewerber, wie es der Bewerber auch umgekehrt macht.
Was außerdem auch noch vorkommt, ist, dass Unternehmen Daten und Informationen über einen sammeln, entweder diskret oder ganz offen, um sie zu nutzen oder am Ende gar zu verkaufen.

In der Anfangsphase der Entwicklung des Internets hat sich niemand darüber Gedanken gemacht. Aber heute wollen wir alle unsere persönlichen Daten besser schützen – genauso selbstverständlich, wie wir auch unsere Zähne putzen.

Wenn ihr allerdings gestern vergessen habt, eure Zähne zu putzen, könnt ihr sie immer noch heute putzen. Wurden aber eure persönlichen Daten gestern angegriffen, könnt ihr heute nichts mehr dagegen tun.


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