Masken verheerend für das Gehirn? Der Faktencheck!

Charlotte Bastam, 7. Oktober 2020
Gehirn & Sauerstoff; Hinweis: Die Wiedergabe einzelner Bilder dient zur Auseinandersetzung der Sache.
Gehirn & Sauerstoff; Hinweis: Die Wiedergabe einzelner Bilder dient zur Auseinandersetzung der Sache.

Haltlose Äußerung: Neurologin behauptet Masken seien verheerend für das Gehirn. Doch hat sie damit Recht?

In einem fast 20-minütigen Video, das gerade auf Facebook kursiert, wird wieder einmal die Maske angeprangert. Diesmal ist sie anscheinend nicht nur wirkungslos, sondern auch noch hochgradig schädlich für unser Gehirn.

Die Protagonistin, welche Neurologin ist, behauptet in jenem Video, dass der durch das Tragen einer Maske entstehende Sauerstoffmangel das menschliche Gehirn auf lange Zeit schädigt.

[mk_ad]

Besonders für die Entwicklung des Gehirns bei Kindern bestehe durch die Maskenvorschrift Gefahr und auch mit zunehmender Demenz in der Bevölkerung droht sie. Dabei führt sie jedoch keine einzige wissenschaftliche Studie an.

Nicht verwunderlich. Denn Fakt ist, dass es keine validen wissenschaftlichen Studien dazu gibt, dass Masken einen Sauerstoffmangel verursachen, der dauerhaft schädliche Auswirkungen hat.

Gehirn & Sauerstoff; Hinweis: Die Wiedergabe einzelner Bilder dient zur Auseinandersetzung der Sache.
Gehirn & Sauerstoff; Hinweis: Die Wiedergabe einzelner Bilder dient zur Auseinandersetzung der Sache.

Dr. Dominic Dellweg von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) erklärte in einem Interview bereits (siehe hier), dass kein gefährlicher Sauerstoffmangel bei Menschen ohne schwere Lungenvorerkrankungen droht.

Nicht nur Gehirn: Video mit diffusen Vorwürfen

Genauso unwissenschaftlich und polarisierend wird auch im restlichen Video argumentiert, indem die Protagonistin Covid-19 als eine mittelschwere Grippe verharmlost. Die einzig wirklich sinnvolle Abwehr sei das eigene Immunsystem, gefördert durch “Gute Nahrung, gutes Wasser, viel Bewegung, Geselligkeit, Freude, Freunde, Liebe und viel viel frischer Luft”.

Und all das werde jetzt, so die Neurologin, verhindert durch die deutsche Bundesregierung. Das ist natürlich falsch. Niemand verbietet gute Nahrung, Liebe und auch nicht frische Luft. Auch ist längst bekannt, wie schwer Covid-19-Verläufe sein können, trotz zuvor intakten Immunsystem.

Zudem schreckt die Neurologin nicht davor zurück, die für sie überzogenen Maßnahmen mit Vorfällen rassisitischer Polizeigewalt in der USA zu vergleichen. Sie setzt den zum Symbol der Black Lives Matter Bewegung gewordenen Ausspruch „I can‘t breathe!“ („Ich kann nicht atmen!“) mit der Vorschrift zum Tragen einer Maske gleich. So als würden Maskenträger*Innen unter ähnlichen Unterdrückungsbedingungen leiden wie Menschen, die von Rassismus betroffen sind.

Die Frage mit dem Sauerstoff und dem Gehirn ist bei diesem Video vielleicht zweitrangig, denn gefährlich ist bei der Sache vor allem, dass diese Video voller Falschinformationen bereits beinahe 10.000 Klicks hat und sich noch weiter verbreiten könnte.

Das könnte ebenfalls interessieren:

Reisewarnung für Länder, die gegen Migrationspakt sind? Verhängt die Deutsche Bundesregierung indirekt Sanktionen in Form einer Reisewarnung gegen Länder, welche den Migrationsvertrag ablehnen? Ein Sharepic konstruiert einen Zusammenhang. Mehr dazu HIER.


Unabhängige Faktenchecks und Recherchen sind wichtig und richtig. Sie fördern Medienkompetenz und Bildung. 

Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fakenews, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt Deine Unterstützung!

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

weitere mimikama-Artikel