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Dieses Mädchen ist nicht blind!

Kathrin Helmreich, 30. April 2019
Mahdis Mohammadi ist nicht blind
Mahdis Mohammadi ist nicht blind

Spendet Facebook jedes Mal 10 Cent für die Operation eines kleinen blinden Mädchens, wenn Du sein Foto teilst?

Nein – Facebook spendet nichts, und das Mädchen ist auch nicht blind!

Wir erhielten einige Anfragen zu diesem Mädchen, dessen Foto im Moment auf Facebook geteilt wird:

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Dieses hübsche kleine Mädchen ist blind. Jedes Teilen ist 0,10 € für die Operation wert

Mahdis Mohammadi

Diese Bitte wird vor allem im französischsprachigen Raum verbreitet. Dabei wird angegeben, das Mädchen sei blind und bekomme pro Teilung via Social Media 10 Cent für eine Operation.

Zu sehen ist hier Mahdis Mohammadi – und sie ist nicht blind!

Im Dezember 2018 berichteten unsere Kollegen von hoax-net.be über das hübsche Mädchen. Bereits damals war das Gerücht im Umlauf, es sei blind.

Angefangen hat alles damit, dass verschiedene Stellen behauptet hatten, Mahdis – „das schönste Mädchen der Welt“ – komme aus ihrem Land (Marokko, Indien, Aserbaidschan, etc.).

Dabei wurde über WhatsApp das Foto von Mahdis verschickt, unterlegt von  einer Gesangsaufnahme. Das Gerücht war geboren, dass Mahdis für jedes Teilen Geld bekäme, das sie brauche, um ihr Augenlicht zurückzuerhalten.

Mahdis kommt aber in Wirklichkeit aus dem Iran. Genauer gesagt aus der Stadt Tabriz.

Mahdis Mutter lädt regelmäßig Fotos ihrer Tochter auf Instagram hoch. Von dort stammt auch das im Statusbeitrag verwendete Foto:

So will Mahdis Mutter beweisen, dass die Fotos nicht bearbeitet sind. Leider kommen Like-Farmer sehr leicht an die Bilder, um sie für ihre Zwecke zu nutzen.

Auch erwähnt Mahdis Mutter nie, dass ihre Tochter blind ist – weil es nicht stimmt.

Like-farming: So werden Fotos missbraucht

Der Betreiber der Facebookseite nutzt das Foto einzig und allein dazu, Likes und Kommentare zu sammeln. Man nennt das auch „Like-Farming“.

Mit dem Text wird der Leser emotional angesprochen und an seine Moral appelliert. Schließlich möchte man ja nicht zu den Bösen gehören, indem man nicht kommentiert, oder?

Deshalb ist der “Like-Bait” durchaus als emotionale Erpressung zu verstehen.

Der Leser wird mit Hilfe eines emotionalisierenden Bildes oder Videos dazu getrieben, eine Interaktion (liken/teilen/kommentieren) auszuführen.

Dazu wird er in die Zwickmühle moralischer oder ethischer Fragen gedrängt:

Tippst Du etwas, bist Du ein herzensguter Mensch und brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Ignorierst Du den Statusbeitrag jedoch, bist Du ein böses Monster und diskriminierst vielleicht sogar Menschen mit Behinderung.

Interagierst Du dann – weil Du ja ein lieber, guter, wohlerzogener Mensch bist -, bekommt der Statusbeitrag, die Seite oder das Profil mehr Reichweite und wird bekannter.

Warum jemand eine “gehypte” Seite haben möchte, kann viele Gründe haben, über die man spekulieren kann. Aber dazu mehr an anderer Stelle.

Fazit:

Mahdis geht es gut. Sie kann sehen und wächst zu einer gesunden jungen Frau heran. Und sie benötigt zum Glück keine Operation – auch wenn die Iriden ihrer Augen zugegebenermaßen sehr groß wirken.

Die Bilder werden seit einigen Jahren gestohlen und mit neuer Hintergrundgeschichte versehen.

Dass Facebook oder WhatsApp Geld spenden würden, wenn der Empfänger ein Bild weiter verschickt, ist und bleibt Humbug. Es gibt keinen Algorithmus, der solche Aktionen zählen könnte. Für solche Angelegenheiten hat Facebook den Spendenbereich entwickelt.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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