Leipziger KiTa und das Schweinefleischverbot: Der Faktencheck!

Andre Wolf, 17. September 2020
Thema Leipziger KiTa; Artikelbild Symbolfoto von Milkovasa / Shutterstock.com
Thema Leipziger KiTa; Artikelbild Symbolfoto von Milkovasa / Shutterstock.com

Schweinefleisch und Gummibärchen an einer Leipziger Kita wegen muslimischer Kinder verboten? Machen wir hier zu den Faktencheck!

Auf Social Media wird derzeit fleißig ein Bild geteilt, welches gar nicht groß hinterfragt wird. Bei diesem Bild handelt es sich um ein Sharepic, dass darüber informiert, dass an einer Leipziger Kita Schweinefleisch und Gummibärchen verboten worden sind. Das ganze aus Rücksicht auf muslimische Kinder angeblich. Auf dem Bild liest man:

Leipziger Kita verbietet Schweinefleisch und Gummibärchen – aus Rücksicht auf muslimische Kinder. Teile dieses Bild, wenn das zu weit geht.

Der Faktencheck zu diesem Thema wird letztendlich zwei Ergebnisse erbringen, da einerseits auf die Faktenlage geschaut werden muss, aber andererseits natürlich auch die Erwartungshaltung und Gefühlslage berücksichtigt werden muss.

Faktencheck Leipziger KiTa

Die Kita, auf welche sich dieses Sharepic bezieht, sowie auch die Thematik, gibt es wirklich. Am Ende ist sogar von zwei Kitas in Leipzig die Rede, auf dem Sharepic ist hingegen nur eine KiTa vermerkt:

Leipziger KiTa? Hinweis: Die Wiedergabe des Bildes dient zur Auseinandersetzung mit dem Thema.
Leipziger KiTa? Hinweis: Die Wiedergabe des Bildes dient zur Auseinandersetzung mit dem Thema.

Was an dieser Stelle jedoch wichtig für den Faktencheck ist: Die Thematik selbst ist über ein Jahr alt. Die beiden Leipziger Kitas hatten nach den Sommerferien 2019 vor, Gummibärchen und Schweinefleisch von der Speisekarte zu streichen. Dazu gab es auch verschiedene Medienberichte, in denen unter anderen zu lesen war (ZEIT Artikel vom 31.07.2019):

Zwei Leipziger Kitas streichen Schweinefleisch vom Speiseplan – die Empörung ist groß. Warum die Kita von jeher ein Ort politischer Debatten ist

Man darf in diesem Kontext aber auch nicht vergessen zu erwähnen, dass es sich nicht um ein Verbot gehandelt hat. Der Begriff Verbot wurde von einer großen deutschen Boulevardzeitung erst eingeführt, denn in den Kitas selbst war nicht die Rede von einem Verbot, sondern von einer Rücksichtnahme auf andere Kinder, die aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen dürfen.

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Das aber nur als Randinformation. Der wichtige Aspekt für diesen Faktencheck ist jedoch, dass sich das Vorhaben der beiden Kitas nicht durchgesetzt hat. Aufgrund der vielen Proteste hat man sich entschlossen, Schweinefleisch nicht von den Speisekarten zu streichen. Darüber berichtet auch ein Artikel von t-online.de:

Zwei Leipziger Kitas wollten Gummibären und Schweinefleisch von der Speisekarte streichen. Doch nach einer heftigen öffentlichen Debatte entschied sich die Leitung um.

Analyse Gefühlslage und Erwartungshaltung

Zu dem Zeitpunkt, als er Sharepic veröffentlicht wurde (Juli 2019), war die gesamte Geschichte also in der Schwebe und natürlich kein Fake. Problematisch wird es natürlich, wenn man dieses Bild über ein Jahr später wieder erneut verteilt, was derzeit häufiger der Fall ist.

Daher geht es an dieser Stelle um eine Gefühlslage, die mit diesem Bild übermittelt wird. Das bedeutet, wer dieses Bild teilt, setzt sich generell dafür ein, dass eben Schweinefleisch auch in Kitas nicht von den Speiseplänen verschwindet, wenn es sich bei dem Anlass um religiöse Gründe handelt. Daher geht es nicht im speziellen um eine Leipziger KiTa.

Dies kann man natürlich unterschiedlich interpretieren und es einerseits als Islamophobie ansehen, andererseits auch als ein Protestzeichen für den Erhalt von Traditionen. Was man letztendlich aber auch aus dem t-online.de Artikel erfährt, sind die Reaktionen, die vor über einem Jahr schon aufgetreten sind. Nach Angaben des Artikels musste die Polizei die Kitas bewachen, um mögliche Gefahren abzuwehren.

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Artikelbild Symbolfoto von Milkovasa / Shutterstock.com


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