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Was ist eine Künstliche Intelligenz?

Künstliche Intelligenz: Viele reden davon, aber was ist das eigentlich und wieso sollten sich auch Kinder und Jugendliche mit diesem Thema auseinandersetzen? Eine Information unseres Kooperationspartner Saferinternet.at

Tom Wannenmacher, 19. März 2022
Oft wird eine Künstliche Intelligenz als Roboter dargestellt. Doch nur selten schaut eine KI so aus.
Oft wird eine Künstliche Intelligenz als Roboter dargestellt. Doch nur selten schaut eine KI so aus.

Künstliche Intelligenzen, meist in Form von Robotern dargestellt, zerstören die Menschheit oder bedrohen sie zumindest. Glaubt man Science-Fiction-Filmen wie „I, Robot“ oder „Matrix“ scheint das, das Wesen einer Künstlichen Intelligenz auszumachen. In Filmen wie „Wall-E“ oder „Her“ ist es hingegen die Liebenswürdigkeit, die die Künstliche Intelligenz (KI) ausmacht. Gemein ist diesen Filmen, dass KIs als denkende, fühlende und damit menschenähnliche Wesen dargestellt werden. Doch genau das ist eine KI nicht, zumindest noch nicht.

Besitzt eine KI die gleichen oder bessere intellektuelle Fähigkeiten wie wir Menschen, spricht man auch von einer starken KI. Daran wird gearbeitet, Realität ist das aber noch nicht.

Was ist eine Künstliche Intelligenz?

Was meinen wir dann, wenn wir von einer Künstlichen Intelligenz sprechen? Gemeint ist die sogenannte schwache KI, die mit Methoden aus Mathematik und Informatik intelligentes Verhalten simuliert. Dafür verwendet sie Algorithmen.

Was ist ein Algorithmus?

Algorithmen funktionieren eigentlich wie Rezepte. Wenn Sie Ihr Essen nach Rezept zubereiten, führen Sie nacheinander die einzelnen angegebenen Schritte durch. Solange, bis das fertige Gericht essbereit ist. Sie putzen beispielsweise das Gemüse, schneiden es klein und braten es an. So in etwa funktioniert auch ein Algorithmus. Er führt Schritt für Schritt eine Reihe von Anweisungen aus, um eine Aufgabe oder ein Problem zu lösen.

Zur Lösung von besonders komplexen Aufgaben oder Problemen, benötigt es eine Künstliche Intelligenz. Mit Hilfe von vielen Daten kann sich eine KI selbstständig verbessern. Das wird auch Machine Learning (maschinelles Lernen) genannt. Bei ganz besonders komplexen Problemen werden künstliche Neuronen erzeugt, die der KI dabei helfen, ähnlich wie ein Mensch Entscheidungen zu treffen. Das nennt man Deep Learning (Tiefes Lernen).

Auch Saferinternet.at hat eine Künstliche Intelligenz entwickelt: den Kettenbrief-Chatbot! Er hilft Kindern und Jugendliche dabei, per WhatsApp verschickte Kettenbriefe zu erkennen. Dafür hat Saferinternet den Chatbot mit vielen verschiedenen Kettenbriefen gefüttert. Solange, bis er gelernt hat, ohne unsere Hilfe Kettenbriefe zu erkennen. Wenn Kinder dem Chatbot einen Kettenbrief weiterleiten, kann er diesen nun ganz allein identifizieren und die Kinder beraten.

Künstliche Intelligenz selbst entwickeln!

Unter Teachable Machine können Sie Ihre eigene Künstliche Intelligenz mit Hilfe von Machine Learning entwickeln. Wir haben es auch gleich ausprobiert und einer KI beigebracht, Lady Gaga und Billie Eilish zu erkennen. Wir haben uns für diese KünstlerInnen entschieden, da sie ihr Aussehen immer wieder stark verändern. Die KI muss also vor allem ihre Gesichter erkennen.

Wieso ist Künstliche Intelligenz relevant für Kinder und Jugendliche?

Zugegeben, eine KI, die zwischen Lady Gaga und Billie Eilish unterscheiden kann, ist wohl eher unwichtig. Daher stellt sich die Frage, wieso KIs oder Algorithmen relevant für Kinder und Jugendliche sind. Wirft man einen Blick auf die Praxis, zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche in Ihrem Alltag sehr häufig mit Algorithmen oder mit KIs konfrontiert sind. Oft wissen sie es nur nicht. Hier ein paar Beispiele:

  • Wearables und FitnesstrackerNicht nur für Erwachsene, sondern auch für Jugendliche wird es immer interessanter den eigenen Körper zu vermessen oder mit Hilfe von Trackern das perfekte Workout zusammenzustellen. Um das Fitnesstraining an die jeweilige Person anzupassen, verwenden manche HerstellerInnen eine KI. 
  • Streamingdienste: Auch Webseiten wie zum Beispiel Streamingdienste verwenden oftmals eine KI. Bei Netflix, Spotify & Co. soll maschinelles Lernen dabei helfen, den Geschmack der NutzerInnen besser zu verstehen und dementsprechend die richtigen Vorschläge zu machen.
  • Soziale Medien und Filterblasen:  Ähnliches passiert auch in Sozialen Medien. Dort werden Algorithmen eingesetzt, die im Hintergrund entscheiden wie und welche Informationen den NutzerInnen eingeblendet werden. Dadurch zeigen uns Soziale Medien eher Themen, mit denen wir uns stärker beschäftigen. Manche WissenschaftlerInnen warnen daher vor einer personalisierten Filterblase.
  • Deepfakes:  Deepfakes sind Bilder, Videos oder Audio-Dateien, die mit Hilfe einer KI, absichtlich verändert werden. Dadurch können Medieninhalte manipuliert und Fake News noch besser verbreitet werden. Deepfakes werden aber auch im privaten Bereich verwendet. So werden manipulierte Bilder oder Videos sehr oft für den pornografischen Bereich missbraucht. Betroffen davon sind vor allem Frauen, deren Gesichter in Pornos reingesetzt oder die nachträglich „ausgezogen“ werden.
  • Filter:  Auch Filter, die auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat verwendet werden, sind eine Art Deepfake. Solche Filter können Landschaftsfotos in kräftigeren Farben erstrahlen lassen, sie können einer Person Hasenohren oder einen Katzenschnauze ins Gesicht zaubern oder sie schlanker oder „schöner“ darstellen. Vor allem solche „Schönheitsfilter“ werden oftmals kritisiert.

Wieso sollten Kinder und Jugendliche sich mit dem Thema KI auseinandersetzen?

Die Beispiele zeigen – ähnlich wie die Darstellung von KIs in Science-Fiction-Filmen – dass solche selbstlernenden Systeme sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben können.

Wir haben bereits gezeigt, wie es bei der Gesichtserkennung zu Problemen kommen kann, wenn bestimmte Daten fehlen. Aber auch wenn eine KI mit Daten lernt, die Ungleichbehandlungen oder Vorurteile abbilden, spiegeln diese KI die gleichen Stereotype und Ungleichbehandlungen wider.

Eine Künstliche Intelligenz kann unser Leben also negativ beeinflussen. Daher ist es zentral, dass Kinder und Jugendliche lernen, wie solche Systeme funktionieren und wie sie diese auch kritisieren können. Folgende Fragen können dabei helfen, die Gefahren und Chancen von KIs und Algorithmen zu diskutieren:

  • Werden alle fair behandelt oder könnte es zu Diskriminierungen kommen?
  • Sind die Entscheidungen, die die KI trifft, nachvollziehbar?
  • Werden personenbezogene Daten geschützt oder ist gar nicht klar, was mit den Daten passiert?
  • Werden Algorithmen oder KIs dazu genutzt, um Menschen durch personalisierte Inhalte zu manipulieren?

Materialien für Lehrkräfte

Das Thema KI kann auch im Unterricht behandelt werden. Online finden sich zahlreiche Materialien dafür. Auf der Webseite I am A.I. gibt es spielerische Ansätze, die die Möglichkeiten und Funktionsweise von KIs nachvollziehbar machen. Im Unterricht könnte die Klasse zum Beispiel eine eigene KI basteln. Auf der Seite machinelearningforkids.co.uk kann selbst eine KI erstellt und trainiert werden – unter „Worksheets“ gibt es zahlreiche Anleitungen dafür. Kostenlose Unterrichtsmaterialienai  finden sich außerdem auf der Seite der Roberta Initiative oder auf appcamps.de. Auch in den Englisch Unterricht kann das Thema mit dem Comic We need to talk, AI (.pdf) behandelt werden (eine deutsche Printversion kann hier bestellt werden).

Quelle: Saferinternet

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