Kuh mit Kettensäge zerteilt, ohne Betäubung?

Tom Wannenmacher, 14. Juli 2017

Auf Facebook macht ein Statusbeitrag die Runde, auf dem man eine Kuh sowie einen Mann mit einer Kettensäge erkennen kann.

Der Statusbeitrag selbst lautet: “Da greifen die Psychopathen der Industrie doch gern zur Kettensäge. Schließlich schreien die Konsumenten stetig nach Leichenteilen um sich ihre Mägen zu füllen.” Dem Leser wird suggeriert, dass hier die Kuh mit der Kettensäge geschlachtet wird, was aber NICHT STIMMT! Die Kuh wird nicht geschlachtet, sondern enthornt. Das Bild selbst stammt aus dem arabischen Raum und wurde nicht bei uns aufgenommen. Es handelt sich um diesen Statusbeitrag auf Facebook:

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Enthornung bei uns nicht erlaubt!

Das Enthornen, ohne Betäubung, ist bei Rindern grundsätzlich untersagt. Nach §4 des Tierschutzgesetztes ist die Amputation von gesunden Körperteilen grundsätzlich nicht gestattet, dazu gehören auch die Hörner vom Rind. Ausnahme sind Kälber bis zur sechsten Lebenswoche, die sogar ohne Betäubung enthornt werden dürfen, bzw die Hornanlagen entfernt werden.

Warum wird überhaupt enthornt?

In Deutschland werden 80-90% der Rinder in der Milchviehhaltung enthornt, weil hornlose Rinder meist deutlich weniger Abstand zu ihren Artgenossen halten und dadurch die Ställe kleiner und dadurch kostengünstiger sein können. Zum anderen besteht ein geringeres Verletzungsrisiko beim Personal mit enthornten Rindern. Horntragende Rinder scheinen aber innerhalb der Herde deutlich weniger zu Kämpfen zu neigen, daher ist ein Verletzungsrisiko der Tiere untereinander als eher gering einzuschätzen.

Das Enthornen einer Kuh, die älter als sechs Wochen ist, ist nur unter strenger tierärztlicher Indikation und nur unter Betäubung erlaubt und geschieht mit Sicherheit nicht so, wie man auf dem Bild erkennen kann, denn in Europa ist dies untersagt.

Zwei Sätze dazu, wie Tierärzte das sehen:

Eine Enthornung bei einem Kalb ist erst ab der zweiten Lebenswoche möglich, denn ab diesem Zeitpunkt ist das Enthornen erlaubt. Aus Sicht der Tierschutzes jedoch ist eine Enthornung, ohne lokale Betäubung und Schmerzausschaltung, grundsätzlich abzulehnen.

Am besten ist es jedoch, die Tiere gar nicht zu enthornen und durch eine gute Mensch-Tier Beziehung das Unfallrisiko zu mindern. Man muß sich aber darüber auch im klaren sein, dass die Haltung von hornlosen Rindern – und damit auch dem Verbraucher – mehr Geld kostet, sowohl beim Fleisch als auch beim Rind.

Wer bessere Haltungsbedingungen haben möchte, muss auch bereit sein, für artgerechte Haltung zu zahlen, vielleicht tatsächlich mal beim nächsten Steak darauf achten. Ansonsten ist dieses Bild zwar kein Fake, aber solche Methoden kommen hier in Europa nicht zur Anwendung.

Quellen:

Autorin: Anke M., mimikama.at


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