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Da sitze ich und kann nicht anders, am Kopfende dieses meines Tisches und komme nicht umhin, meinen Kopf zu schütteln, nicht über irgendwelche politische Irrungen und Wirrungen über Abgasskandale oder Skandalabgase – nein vielmehr eher bedauernd über die armen Kreaturen, die nichts Besseres zu tun haben, als mit der Angst anderer Menschen Schundlieder zu singen, nein, halt,  Moment… Schindluder zu treiben, so ist es richtig.

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Zum Beispiel jene, die nichts Besseres zu tun haben, als alle naslang einen wie auch immer gearteten Weltuntergang herbeizureden. Dabei sind manche durchaus kreativ, sie suchen sich aus uralten Relikten ein paar mehrfach deutbare, kryptische Textstellen heraus, nehmen einige, ihrer Hoffnung nach bewusstseinserweiternde Mittelchen zu sich und orakeln sich dann einen Text zusammen.

Tanzen und Klatschen

Andere tanzen den Weltuntergangspogo, sie ziehen aus unterschiedlichen Töpfen wie zum Beispiel „Tag“, „Monat“, „Jahr“ (sowohl zukünftig, als auch vergangen), „was geschieht“ (hier sind so muntere Dinge drin wie Meteor (20 ×), Komet (12 ×), Sonneneruption (3 ×), Ausbruch eines Supervulkans (4 ×), Atomkrieg (4 ×), weißer Transporter (1 ×) – womit auch die Häufigkeit der einzelnen Szenarien geklärt wäre und warum noch nie in einem Szenario ein weißer Transporter für einen Weltuntergang verantwortlich gemacht werden wurde wird. (Weshalb die weißen Transporter ihre Erfüllung weiterhin als Schreckgespenst auf Landstraßen und in Dörfern suchen.) „Wer hat es vorausgesagt“ (hier trifft sich alles was Rang und Namen hat – Nostradamus, die Mayas, die Inkas, die alten Ägypter, Rasputin, Baba Wanga und weitere bekannte aber auch unbekannte Seher quer durch alles Zeitalter) und besonders wichtig die Kategorie „wo wurde es gesehn“ (in einem Feuer, dem ewigen Kalender, Geheimcode, Bibelcode, Vision in der Wüste, Traumgestalt usw.). Ein zuvor auserkorener Schreiber darf nicht mittanzen, dann legen sie los, wer fällt ist raus und muss seinen Zettel hochhalten, die Musik bricht ab und der Schreiber eilt zur Aufnahme des Zettels, die Musi spuit weiter bis es wieder einen dahinrafft, Musi aus, Schreiber los und so weiter bis keiner mehr steht, der Schreiber wertet die Zettel in der gesammelten Reihenfolge aus und verkündet der begeisterten Menge den neuen herbeigetanzten Untergang. Unter tosendem Applaus tippt er ihn ein und verteilt ihn an die diversen Schwurbelseiten.

Ähnlich arbeiten die Orakelsäufer aus dem Niederwürgachtal, nur ersetzen sie den „Tanz“ durch diverse Flaschen hochprozentigen Orakeltrunkes, wer zuletzt noch steht, oder sitzt, während alle anderen dem Orakelschlummer verfallen sind, wertet aus, da er oder sie selber fleißig mit orakelt hat, ist hiermit auch die teilweise recht mutige Rechtschreibung und Grammatik erklärt; es ist keine schlechte Übersetzung, es ist der Orakelrausch der aus den Worten zu uns spricht, also etwas hochdurchgeistigtes.

International

Jedes Jahr treffen sich die Weltuntergangsexperten auf dem „internationalen Weltkongress der Erleuchteten, Erkenner und Wissenden“. An dieser Stelle sei mir die Frage gestattet, ob ein Weltkongress nicht immer international ist, ich mein’ die Welt ist ja irgendwie international, auch wenn der weltweit einzige bekannte Mann mit Orangenhaut – oder war es oranger Haut – vielleicht meint, das Universum drehe sich nur um ihn, nein die Welt hat viele Nationen, mithin erscheint es mir durchaus mindervermessen zu behaupten, ein Weltkongress sei international. Auf diesem, von den Ignoranten auch „Interschwurb“ genannten Fachtreffen, der Fachleute zu Fachthemen, deren Zusammenhänge so komplex sind, dass sie einem Laien nur schwer bis gar nicht vermittelbar sind, weshalb sie es auch gar nicht erst versuchen, tauschen sie sich regelmäßig über ihre Erfolge aus. Wobei sich dann sofort die Frage aufdrängt… Sie verkünden den Weltuntergang in verschiedensten Formen und Farben, da ist für nahezu jeden Geschmack etwas dabei, allerdings offenbart ein Blick aus dem Fenster an den Schmetterlingen vorbei eine erfreulich ergreifende Tatsache – diese Welt deren Untergang mühsam herbeigetrunkentanzt wird, ist immer noch da, allen Unkenrufen zum Trotz; über welche Erfolge wollen die Damen und Herren Fachleute fachsimpeln, und das gleich ganze drei Tage lang? Klingt eher nach kollektivem Drogenmissbrauch.

Vielleicht haben die Untergänger das auch selber erkannt und lassen deshalb auch Flacherdler, Hohlerdler, Chemtrailer und alles andere was im Bereich der Truther so angesiedelt werden kann, für den Kongress zu. Es kann aber auch sein, dass sie einfach mal andere Mixturen zu sich nehmen wollen.

Den kennen wir doch..

Ein hochdekorierter Verkünder ist allerdings immer wieder gern gesehen – Harald. Eben jener Harald, der schon von klein auf weiß „es wird böse enden“, er, der jeden einzelnen Weltuntergang mitten auf seiner Auffahrt von seiner Mülltonne aus voraussagte, ankündigte und sich auch nicht von kleineren Rückschlägen, wie lachenden Nachbarn oder nicht eintreffenden Untergängen beirren ließ. Weltuntergänge sind, so sagt Harald, eben keine genaue Wissenschaft, es gibt keine wirklichen Erfahrungen und Erkenntnisse darüber.

Klingt irgendwie auch einleuchtend, finde ich, schließlich ist so ein Untergang ja durchaus etwas einmaliges, klar bei einem Schiffsuntergang kann es Überlebende geben, da ist ja auch noch Wasser ums Schiff rum und auf den Überresten und Rettungsutensilien des Kahns kann man sich eventuell ausreichend lange über Wasser halten bis Rettung naht. Bei so einem Weltuntergang ist das mit dem drumrum auf Trümmern herumsegeln dann vermutlich etwas schwieriger, denn nach der herrschenden, wissenschaftlichen Theorie wird die Erde von so etwas minimalistischen wie einem Vakuum umschzingelt. Alle Vakuumsen haben eines gemeinsam, sie zeichnen sich durch einen signifikanten Mangel an atembarer Luft aus, mag es also durch eine absurde Laune des Schicksals dem einen oder anderen gelingen sich auf einem der weggeschleuderten Trümmern Fuß zu fassen, so dürfte es sich mit der lebenswichtigen Luftversorgung doch etwas schwierig gestalten. Allein aus dieser Überlegung heraus lässt sich der Mangel an Erlebnisberichten durchaus nachvollziehen.

Django und die Richtung

An meiner Nebenhirnrinde lehnt seit geraumer Zeit ein Gedanke in einem alten Schaukelstuhl, der aus einem Italo-Western stammen könnte, den Hut tief in die Stirn gezogen, also der Gedanke nicht der Stuhl, in meinem Kopf passiert ja viel, aber in der Regel tragen auch dort die Einrichtungsgegenstände, selbst wenn sie aus dem Nichts erscheinen, keine Hüte, er, also der Gedanke stupst den Hut mit einer für Western typischen Handbewegung hoch und schaut mich grinsend an „Hast du mal über die Richtung nachgedacht?“ zog den Hut wieder runter und lehnte sich erneut zurück.

Die Richtung? Oh, ja richtig. Egal wann in der Historie der Menschheit von einem Untergang gesprochen wurde, ging irgendwas nach unten, die Titanic unter den Eisberg, Atlantis unter irgendwas, das römische Reich verschwand teilweise unter der Erde bis es nach und nach von den Historikern und Archäologen wiedergefunden wurde. Immer nach unten. Wenn aber der Weltraum so unendlich ist, wie es vielfach angenommen wird, dann ist es sicherlich schwer die Richtung „Unten“ festzulegen. Vielleicht ist es bislang einfach aus diesem Grund noch nicht dazu gekommen, die Menschheit ist rund um den Globus verteilt, zumindest nach Annahme der überwiegenden Menschheitsmehrheit. Stellen wir uns jetzt eine Kugel (ja, ich weiß, die Erde ist eher eine kartoffeliger Rotationsellipsoid, aber mit dem Wasser dazu sieht es vom Mond aus recht rund aus, also nehmen wir die Kugel, klar?!) und stellen und da rundum ein paar Untergangspropheten vor, jeder verkündet von seiner Position aus den Untergang und jeder klingt hinreichend überzeugend. Jetzt stelle man sich mal die Verwirrung eines hilfsbereiten Weltuntergangs vor, der will es jedem Recht machen, aber die stehen alle irgendwie so, dass ihre „Untens“ sich gegenseitig aufheben, aber wenn sich alle widersprechen, ist es doch kein Wunder, dass der Untergang einfach geht und wartet bis die sich mal einig sind. Weshalb natürlich ein internationaler Weltuntergangskongress eine entsprechende Gefahr in sich birgt, aber die Jungs und Mädels reden da ja immer nur über die Untergänge, die sie in Zukunft noch verkünden werden, dann gehen sie wieder auseinander und heben weiter ihre „Untens“ gegenseitig auf, zum Wohle all derer, die keine Lust auf einen Weltuntergang verspüren.

Harald und die Camperin

Zurück zu Harald, auf diesen Zusammenkünften verzichtete er normaler Weise auch nicht auf seine Mülltonne, er stand auf ihr hinter einem Tapeziertisch auf dem seine neuesten Erkenntnisse ausgebreitet waren und verkündete das übliche. Seine Frau hatte mittlerweile resigniert und überließ diese Wochenenden ihm, während sie sich zu einem Wellnesswochenende in die Berge zurückzog.

Harald stört das nicht im geringsten, er hatte beim Campen auf einer Berliner Grünfläche, eine Frau kennengelernt, ganz nach seinem Geschmack, auch bei ihr lösten Überschriften einen wohligen Schauer aus, auch sie ließen Zweizeiler Schreie der Verzückung ausstoßen, aber während Harald umgehend seine Mülltonne erklomm, um der Welt die nächste welterlegende Naturkatastrophe zu verkünden, ging sie einen Schritt weiter, sie brachte den gesamten Text, teilweise auch nur Bruchstücke davon, unters willige Leservolk. Aber nicht nur bevorstehende Erdbeben und mehr oder minder vage Voraussagen, nein, sie erkor Konzerne und die, die es sein könnten, zu ihren Feinden und machte sie für alles Mögliche und damit auch für den bevorstehenden Weltuntergang verantwortlich. Harald sang das Herz, endlich musste er nicht mehr von seiner geliebten Tonne herab, seine willfährige Schergin versorgte ihn regelmäßig mit, für seine Ohren, recht schlüssig klingenden Theorien, warum gerade wer woran die Schuld tragen könnte und Harald verkündete es. Es kam auch nie wieder an seinem Stand zu Tumulten, denn sie machte ohne Gnade von der Bratpfanne gegen jeden Skeptiker, Nörgler, Zweifler oder Kritiker Gebrauch, lautstark wurden diese vom Stand verbannt und ihnen als Abschied ein persönlicher Angriff gegen die Familie aller unterstellt. Ja, Harald hat sein Repertoire erweitert. Es wird nicht mehr lange dauern, dann verkauft er Katastrophen meistbietend an all diejenigen, die gerade keine Zeit haben sich zum Orakelbesäufnis zurückzuziehen. „Der Katastrophen-Almanach für Einsteiger – vom Leser zum Verkünder in nur 10 Tagen“ Ein Buch von Harald und seiner Camperin (er vergisst immer wieder ihren Namen, mit Namen hat er es nicht so, dorom kümmert sich immer seine Frau).

Irgendwie ist es beruhigend zu wissen wo sie ist, sie hat einfach ein neues Betätigungsfeld gefunden, seitdem ähneln Haralds Auftritte einem Mülltonnentribunal.